Warum sich ein Blick auf das Skonto lohnt
„Zahlbar innerhalb von 30 Tagen netto, bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen 2 % Skonto.“ Diese Zeile steht auf unzähligen Rechnungen im Geschäftsverkehr. Viele Betriebe überlesen sie oder halten 2 % für Kleingeld. Das ist ein teurer Irrtum. Wer das Skonto verstreichen lässt, zahlt dem Lieferanten für 20 Tage Zahlungsaufschub einen Preis, der umgerechnet bei über 36 % Jahreszins liegt.
Dieser Leitfaden erklärt, was Skonto ist, wie Sie Skontobetrag und Zahlbetrag aus Netto- oder Bruttobeträgen berechnen, was mit der Umsatzsteuer passiert und wie Sie entscheiden, ob sich Skonto ziehen lohnt. Alle Beispiele können Sie mit dem Skonto-Rechner nachrechnen. Der Beitrag ersetzt keine Steuerberatung.
Was ist Skonto?
Skonto ist ein Preisnachlass, den der Verkäufer für schnelle Zahlung gewährt. Anders als ein Rabatt gilt er nicht sofort, sondern nur unter einer Bedingung: Der Kunde muss innerhalb einer bestimmten Frist zahlen, der Skontofrist. Zahlt er später, schuldet er den vollen Betrag bis zum Zahlungsziel. Einen gesetzlichen Anspruch auf Skonto gibt es nicht. Er besteht nur, wenn er vereinbart wurde, meist über die Zahlungsbedingungen auf der Rechnung oder in den Lieferbedingungen.
Typische Formulierungen sind:
- „2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, netto 30 Tage“
- „3 % Skonto innerhalb von 8 Tagen, Zahlungsziel 60 Tage“
- „Zahlbar innerhalb von 14 Tagen mit 2 % Skonto oder 30 Tage ohne Abzug“
Aus jeder dieser Zeilen lassen sich drei Zahlen ablesen: der Skontosatz in Prozent, die Skontofrist in Tagen und das Zahlungsziel in Tagen. Mehr braucht es für die Berechnung nicht.
Schritt 1: Den Skontobetrag berechnen
Die Grundformel ist einfach Prozentrechnung:
Skontobetrag = Rechnungsbetrag × Skontosatz / 100
In der Praxis wird das Skonto vom Bruttobetrag berechnet, also vom Betrag inklusive Umsatzsteuer, denn diesen Betrag überweist der Kunde. Ein Beispiel: Eine Rechnung lautet auf 1.000 € netto plus 19 % Umsatzsteuer, also 1.190 € brutto. Bei 2 % Skonto ergibt sich:
- Skontobetrag: 1.190 € × 2 / 100 = 23,80 €
- Zahlbetrag: 1.190 € − 23,80 € = 1.166,20 €
Ob Sie vom Netto- oder vom Bruttobetrag ausgehen, spielt für das Ergebnis übrigens keine Rolle. 2 % vom Nettobetrag sind 20,00 €. Darauf entfallen 19 % Umsatzsteuer, also 3,80 €. Zusammen sind das wieder 23,80 €. Wer schnell im Kopf rechnen will, findet im Prozentrechner weitere Varianten der Prozentrechnung.
Schritt 2: Die Umsatzsteuer im Skonto erkennen
Das Skonto enthält einen Umsatzsteueranteil. Das ist kein Detail, sondern steuerlich wichtig. Nach § 10 Abs. 1 UStG ist die Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer das Entgelt, also alles, was der Kunde für die Leistung aufwendet, abzüglich der Umsatzsteuer. Zieht der Kunde Skonto, zahlt er weniger. Das Entgelt sinkt und mit ihm die Umsatzsteuer.
Den Steueranteil im Bruttoskonto berechnen Sie so:
USt-Anteil = Skonto brutto × Steuersatz / (100 + Steuersatz)
Im Beispiel sind das 23,80 € × 19 / 119 = 3,80 €. Bei 7 % Umsatzsteuer rechnen Sie mit 7 / 107. Für die Aufteilung beliebiger Bruttobeträge in Netto und Steuer hilft der MwSt-Rechner.
Schritt 3: Umsatzsteuer und Vorsteuer korrigieren
§ 17 Abs. 1 UStG regelt, was bei einer Änderung der Bemessungsgrundlage passiert. Der Verkäufer muss die geschuldete Umsatzsteuer berichtigen (Satz 1). Der Käufer muss seinen Vorsteuerabzug berichtigen (Satz 2). Beides geschieht für den Besteuerungszeitraum, in dem sich die Bemessungsgrundlage geändert hat (Satz 7). Beim Skonto ist das der Zeitraum, in dem gezahlt und das Skonto gezogen wurde, nicht der Monat der Rechnung.
Für das Beispiel heißt das:
| Position | Rechnung | Skonto | Nach Skonto |
|---|---|---|---|
| Netto | 1.000,00 € | −20,00 € | 980,00 € |
| Umsatzsteuer 19 % | 190,00 € | −3,80 € | 186,20 € |
| Brutto | 1.190,00 € | −23,80 € | 1.166,20 € |
Der Verkäufer schuldet dem Finanzamt am Ende nur noch 186,20 € Umsatzsteuer, der Käufer darf nur 186,20 € Vorsteuer abziehen. Wer die Korrektur vergisst, hat eine falsche Voranmeldung abgegeben. Mehr dazu, auch zur Pflichtangabe auf der Rechnung, lesen Sie im Beitrag Skonto und Umsatzsteuer.
Schritt 4: Den effektiven Jahreszins berechnen
Jetzt kommt die entscheidende Frage: Lohnt es sich, schnell zu zahlen? Dazu betrachten Sie den Verzicht auf Skonto als Kredit. Wer statt nach 10 erst nach 30 Tagen zahlt, bekommt vom Lieferanten 20 Tage Kredit. Der Preis dafür ist das entgangene Skonto. Man spricht vom Lieferantenkredit.
Der effektive Jahreszins dieses Kredits lautet, gerechnet mit einem Bankjahr von 360 Tagen:
Jahreszins = Skontosatz / (100 − Skontosatz) × 360 / (Zahlungsziel − Skontofrist) × 100
Für 2 % Skonto, 10 Tage Skontofrist und 30 Tage Zahlungsziel ergibt das 2 / 98 × 360 / 20 × 100 = 36,73 % pro Jahr. Warum 98 und nicht 100? Weil Sie bei Zahlung mit Skonto nur 98 % des Betrags aufbringen. Die 2 % Aufschlag beziehen sich also auf 98 % und nicht auf 100 %.
Oft wird eine Faustformel genannt: Skontosatz × 360 / (Zahlungsziel − Skontofrist). Sie ergibt im Beispiel 36 % und liegt immer etwas unter dem exakten Wert. Für eine schnelle Entscheidung reicht sie meist. Wie stark der Zins mit den Fristen schwankt, zeigt der Beitrag Lieferantenkredit: Welcher Jahreszins im Skonto steckt.
Schritt 5: Mit dem Kontokorrentzins vergleichen
Ein Jahreszins von 36 % ist für sich genommen nur eine Zahl. Aussagekräftig wird er im Vergleich mit Ihrer Alternative. Die meisten Betriebe würden eine frühe Zahlung über den Kontokorrentkredit, Selbstständige und Privatleute über den Dispokredit finanzieren. Die Regel ist einfach:
- Liegt der effektive Skonto-Jahreszins über Ihrem Kontokorrentzins, lohnt es sich, das Skonto zu ziehen, selbst wenn Sie dafür das Konto überziehen.
- Liegt er darunter, ist es günstiger, zum Zahlungsziel zu zahlen.
Auch in Euro lässt sich das zeigen. Angenommen, Ihr Kontokorrentzins beträgt 10 %. Den Zahlbetrag von 1.166,20 € 20 Tage lang zu finanzieren, kostet 1.166,20 € × 10 % × 20 / 360 = 6,48 €. Das Skonto bringt 23,80 €. Es bleibt ein Vorteil von 17,32 €.
Anders sieht es bei langen Zahlungszielen aus. Bei 2 % Skonto innerhalb von 10 Tagen und 60 Tagen Zahlungsziel liegt der Jahreszins nur bei 14,69 %. Bei einem Kontokorrentzins von 16 % kostet die Finanzierung über 50 Tage 25,92 € und damit mehr als das Skonto. Hier lohnt es sich nicht, früh zu zahlen, wenn Sie dafür Kredit aufnehmen müssen. Haben Sie das Geld ohnehin auf dem Konto, sieht die Rechnung anders aus: Dann vergleichen Sie mit dem Guthabenzins, und der liegt fast immer weit unter dem Skonto-Jahreszins.
Schritt 6: Richtig buchen
In der Buchhaltung wird das Skonto erst bei der Zahlung erfasst. Der Käufer bucht die Rechnung zunächst in voller Höhe. Bei Zahlung verteilt er die Differenz auf ein Konto für erhaltene Skonti (Nettoanteil) und die Vorsteuer (Steueranteil). Der Verkäufer bucht spiegelbildlich auf gewährte Skonti und Umsatzsteuer. Die genauen Buchungssätze mit Beispielen finden Sie im Beitrag Skonto buchen.
Typische Fehler beim Skonto
- Skonto nach Fristablauf abziehen: Ist die Frist verstrichen, schuldet der Käufer den vollen Betrag. Der Abzug ist dann eine Kürzung ohne Grundlage, und der Restbetrag bleibt offen. Wird er nicht bezahlt, kann das in den Verzug führen. Die Zinsen dafür berechnet der Verzugszinsrechner.
- Umsatzsteuer nicht korrigieren: Wer das Skonto komplett als Aufwandsminderung oder Erlösschmälerung bucht, hat zu viel Vorsteuer gezogen oder zu viel Umsatzsteuer abgeführt.
- Skonto auf Positionen, für die es nicht vereinbart ist: Manche Bedingungen nehmen etwa Fracht oder Nebenkosten aus. Maßgeblich ist der Wortlaut der Vereinbarung.
- Fristbeginn falsch bestimmen: Ob die Frist ab Rechnungsdatum, Rechnungseingang oder Lieferung läuft, regelt die Vereinbarung. Mehr dazu im Beitrag Skontofrist und Zahlungsziel.
Checkliste
- Skontosatz, Skontofrist und Zahlungsziel aus der Rechnung ablesen.
- Skontobetrag und Zahlbetrag berechnen.
- Effektiven Jahreszins ermitteln und mit Ihrem Kontokorrent- oder Dispozins vergleichen.
- Rechtzeitig zahlen, sodass die Zahlung innerhalb der Frist ankommt.
- Skonto buchen und Vorsteuer bzw. Umsatzsteuer im Monat der Zahlung korrigieren.
Fazit
Skonto ist einer der einfachsten Hebel für bessere Liquidität und höhere Marge. Für Käufer ist es fast immer ein Gewinn, schnell zu zahlen, weil selbst ein teurer Kontokorrentkredit meist günstiger ist als der Lieferantenkredit. Für Verkäufer ist Skonto ein teures Mittel, um schneller an ihr Geld zu kommen, und sollte bewusst kalkuliert werden. Mit dem Skonto-Rechner haben Sie beide Seiten in wenigen Sekunden im Blick.
