R

Entnahmeplan: So wird aus Ihrem Depot ein monatliches Einkommen

Redaktion
10 Min. Lesezeit
2026-09-24
Entnahmeplan: So wird aus Ihrem Depot ein monatliches Einkommen

Direkt ausrechnen mit dem

Entnahmeplan-Rechner

Jetzt berechnen

Vom Sparen zum Entnehmen: die unterschätzte zweite Hälfte

Über das Sparen wird viel geschrieben: Sparpläne, Zinseszins, Kosten, die richtige Mischung aus Aktien und Anleihen. Über die Zeit danach dagegen erstaunlich wenig. Dabei stellt sich spätestens zum Ruhestand, beim Ausstieg aus dem Beruf oder bei einer Erbschaft eine ganz andere Frage: Wie mache ich aus einem Vermögen ein verlässliches monatliches Einkommen, ohne dass das Geld zu früh aufgebraucht ist?

Die Antwort heißt Entnahmeplan, oft auch Auszahlplan genannt. Das Prinzip ist das Spiegelbild des Sparplans: Statt jeden Monat einen festen Betrag einzuzahlen, lassen Sie sich jeden Monat einen festen Betrag auszahlen. Der Rest bleibt angelegt und erwirtschaftet weiter Erträge. Mit unserem Entnahmeplan-Rechner können Sie jede Variante in Sekunden durchrechnen. In diesem Leitfaden erklären wir, was hinter den Zahlen steckt.

Die vier Grundfragen jedes Entnahmeplans

Jeder Entnahmeplan hängt an vier Größen: dem Kapital, der monatlichen Entnahme, der Laufzeit und der Rendite. Kennen Sie drei davon, lässt sich die vierte berechnen. Daraus ergeben sich die typischen Fragen, die der Rechner als eigene Modi abbildet:

  • Wie lange reicht mein Geld? Sie kennen Kapital, Entnahme und Rendite und möchten wissen, wann das Depot leer ist.
  • Wie viel kann ich entnehmen? Sie wissen, wie lange das Geld reichen soll, zum Beispiel 25 Jahre, und suchen den passenden Monatsbetrag.
  • Welches Kapital brauche ich? Sie wissen, wie viel Sie monatlich benötigen, und suchen die Zielsumme – die klassische Frage der finanziellen Freiheit.
  • Ewige Rente: Sie wollen nur die Erträge entnehmen, damit das Vermögen erhalten bleibt, etwa für Ihre Erben.

Die Mathematik: die Annuitätenformel

Ohne Steuern und Inflation ist ein Entnahmeplan nichts anderes als ein umgekehrter Kredit. Die Bank zahlt Ihnen aus dem Kapital eine gleichbleibende Rate, bis es aufgebraucht ist. Die Rate ergibt sich aus der Annuitätenformel:

Monatliche Entnahme = Kapital × r / (1 − (1 + r)−n)

Dabei ist r der Monatszins und n die Zahl der Monate. Unser Rechner verwendet den sogenannten konformen Monatszins: Aus 4 % im Jahr werden rund 0,327 % im Monat, sodass sich über zwölf Monate genau 4 % ergeben. Ein Rechenbeispiel:

  • Kapital: 300.000 €
  • Rendite: 4 % pro Jahr
  • Laufzeit: 25 Jahre (300 Monate)
  • Ergebnis: rund 1.572 € im Monat, danach ist das Kapital aufgebraucht.

Insgesamt zahlen Sie sich damit rund 471.500 € aus, obwohl Sie nur 300.000 € mitgebracht haben. Die Differenz von gut 170.000 € sind die Erträge, die das restliche Kapital während der Entnahme erwirtschaftet. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Entnahmeplan und einem Sparstrumpf.

Die ewige Rente: nur die Erträge nehmen

Entnehmen Sie aus denselben 300.000 € nur rund 982 € im Monat, bleibt das Kapital bei 4 % Rendite dauerhaft bei 300.000 € stehen. Sie leben ausschließlich von den Erträgen. Diese Variante heißt ewige Rente. Sie ist attraktiv, wenn Sie Vermögen vererben möchten oder sich nicht auf eine bestimmte Lebensdauer festlegen wollen – verlangt aber deutlich mehr Kapital für dasselbe Einkommen.

Doch Vorsicht: Nominal erhalten heißt nicht real erhalten. Nach 25 Jahren mit 2 % Inflation haben 300.000 € nur noch die Kaufkraft von rund 183.000 € heute. Wer das Vermögen real bewahren will, darf nur den Teil der Rendite entnehmen, der über der Inflation liegt. Bei 4 % Rendite und 2 % Inflation sind das anfangs nur noch rund 491 € im Monat, dafür steigt der Betrag jedes Jahr mit der Inflation mit.

Inflation: der stille Gegenspieler

Die meisten Menschen möchten nicht jedes Jahr denselben Eurobetrag, sondern dieselbe Kaufkraft. Wer heute mit 1.500 € auskommt, braucht bei 2 % Inflation in 20 Jahren fast 2.230 €. Im Rechner stellen Sie deshalb eine jährliche Erhöhung ein. Die Wirkung ist erheblich:

300.000 €, 4 % Renditeohne Erhöhungmit 2 % Erhöhung pro Jahr
1.000 € im Monatreicht dauerhaftknapp 35 Jahre
1.500 € im Monatgut 27 Jahrerund 20 Jahre
Laufzeit 25 Jahre1.572 € im Monat1.277 € im 1. Jahr

Die Inflation kostet Sie also je nach Plan rund sieben Jahre Laufzeit oder rund ein Fünftel der Anfangsentnahme. Wer sie ignoriert, plant zu optimistisch. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Inflation und Rendite-Reihenfolge.

Steuern: Nur der Gewinnanteil zählt

Ein häufiger Irrtum: Auf jede Entnahme würden 25 % Steuern fällig. Tatsächlich besteuert wird nur der Gewinnanteil. Haben Sie 180.000 € eingezahlt und ist das Depot heute 300.000 € wert, bestehen 40 % des Depots aus Gewinn. Von jeder Entnahme sind dann auch nur etwa 40 % steuerpflichtig. Bei Aktienfonds bleiben davon wiederum 30 % steuerfrei (Teilfreistellung nach § 20 Investmentsteuergesetz), und der Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung) deckt einen weiteren Teil ab.

Im Beispiel mit 1.500 € Entnahme im Monat fallen im ersten Jahr so nur rund 1.100 € Steuern an – weniger als 7 % der Entnahmen. Die Steuerlast steigt allerdings über die Jahre, weil der Gewinnanteil im Depot wächst. Details und eine vollständige Beispielrechnung finden Sie im Beitrag Steuern bei der Entnahme.

Die 4-Prozent-Regel als Faustregel

Wer sich mit Entnahmeplänen beschäftigt, stößt schnell auf die 4-Prozent-Regel. Sie stammt aus US-Studien der 1990er-Jahre und besagt: Wer im ersten Jahr 4 % seines Depots entnimmt und den Betrag jährlich um die Inflation erhöht, wäre in den historischen US-Daten über 30 Jahre fast immer ausgekommen. Umgekehrt ergibt sich daraus der Kapitalbedarf als 25-fache Jahresentnahme.

Als grober Richtwert ist die Regel nützlich, als Planungsgrundlage nur eingeschränkt: Sie berücksichtigt weder deutsche Steuern noch Kosten, stammt aus einem außergewöhnlich starken Aktienmarkt und gilt für 30 Jahre, nicht für 40 oder 50. Der Rechner zeigt sie deshalb nur zum Vergleich. Mehr dazu im Beitrag Die 4-Prozent-Regel.

Welche Rendite ist realistisch?

Die wichtigste und zugleich unsicherste Eingabe ist die Rendite. Setzen Sie die Rendite nach Kosten an, also abzüglich laufender Fondskosten und Depotgebühren. Ein reines Aktiendepot hat langfristig historisch mehr erwirtschaftet als eine Mischung mit Anleihen oder Tagesgeld, schwankt aber stärker. Viele Planungen für die Entnahmephase arbeiten deshalb mit einer gemischten Anlage und 3 bis 5 % pro Jahr. Wie groß der Hebel ist, zeigt ein Vergleich: 300.000 € reichen bei 1.500 € Anfangsentnahme und 2 % Inflation mit 2 % Rendite knapp 17 Jahre, mit 4 % gut 20 Jahre und mit 6 % über 27 Jahre.

Rechnen Sie deshalb immer mehrere Szenarien und planen Sie mit der vorsichtigeren Variante. Eine konstante Rendite ist ohnehin eine Vereinfachung: In der Realität wechseln gute und schlechte Jahre, und schlechte Jahre zu Beginn der Entnahme wiegen besonders schwer.

Typische Fehler im Entnahmeplan

  • Inflation vergessen: Ein fester Eurobetrag verliert Jahr für Jahr an Kaufkraft.
  • Zu hohe Rendite annehmen: Schon ein Prozentpunkt entscheidet über Jahre.
  • Keine Reserve: Ohne Tagesgeld-Puffer für zwei bis drei Jahre müssen Sie im Crash Anteile zu Tiefstkursen verkaufen.
  • Zu kurze Laufzeit: Wer mit 65 für 20 Jahre plant, hat mit 85 womöglich noch viele Jahre vor sich.
  • Steuern überschätzen oder ignorieren: Beides führt zu falschen Entscheidungen. Nur der Gewinnanteil ist steuerpflichtig.
  • Plan nie anpassen: Ein Entnahmeplan ist kein Vertrag mit sich selbst. Überprüfen Sie ihn jährlich.

Entnahmeplan und gesetzliche Rente zusammen denken

Für die meisten Menschen ist der Entnahmeplan eine Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Wie viel davon nach Steuern und Sozialabgaben übrig bleibt, berechnen Sie mit dem Rente-netto-Rechner. Die Lücke zu Ihren Ausgaben ist dann der Betrag, den der Entnahmeplan schließen muss. Wer früher aussteigen möchte, kann mit dem Depot auch die Jahre bis zum Rentenbeginn überbrücken und danach die Entnahme senken.

Noch in der Ansparphase? Dann zeigt Ihnen der ETF-Sparplan-Rechner, welches Kapital Ihr Sparplan bis zum Ruhestand aufbauen kann, und der Zinseszinsrechner, wie stark der Zinseszinseffekt über die Jahre wirkt.

Fazit

Ein Entnahmeplan macht aus einem Vermögen ein planbares Einkommen – vorausgesetzt, Kapital, Entnahme, Laufzeit und Rendite passen zusammen. Berücksichtigen Sie die Inflation, rechnen Sie mit vorsichtigen Renditen und vergessen Sie die Steuern nicht, die allerdings meist geringer ausfallen als befürchtet. Probieren Sie verschiedene Szenarien im Entnahmeplan-Rechner aus. Alle Angaben dienen der Information und ersetzen keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Stand: 24. September 2026.

Das könnte Sie auch interessieren