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Inflation und Rendite-Reihenfolge: Die zwei unterschätzten Risiken im Entnahmeplan

Redaktion
6 Min. Lesezeit
2026-09-24
Inflation und Rendite-Reihenfolge: Die zwei unterschätzten Risiken im Entnahmeplan

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Zwei Risiken, die Durchschnittswerte verschleiern

Wer einen Entnahmeplan mit einem Rechner plant, setzt eine Durchschnittsrendite und eine Inflationsrate ein. Das ist sinnvoll, weil es die Berechnung nachvollziehbar macht. Zwei Risiken geraten dabei aber leicht aus dem Blick: die Inflation, die über Jahrzehnte die Kaufkraft Ihrer Entnahme aufzehrt, und die Reihenfolge der Renditen, die in der Entnahmephase über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.

Risiko 1: Inflation

Bei 2 % Inflation verliert ein Euro in 20 Jahren rund ein Drittel seiner Kaufkraft, in 35 Jahren etwa die Hälfte. Wer heute 1.500 € im Monat entnimmt und diesen Betrag nie erhöht, lebt in 20 Jahren real von rund 1.000 €. Deshalb erhöhen viele Planungen die Entnahme jedes Jahr um die Inflation. Das kostet Laufzeit: Mit 300.000 € und 4 % Rendite reichen konstante 1.000 € im Monat dauerhaft, mit einer jährlichen Erhöhung um 2 % dagegen nur knapp 35 Jahre.

In unserem Entnahmeplan-Rechner stellen Sie die jährliche Erhöhung ein. Die Grafik zeigt zusätzlich eine gestrichelte Linie mit dem Kapital in heutiger Kaufkraft. So sehen Sie, dass auch ein nominal stabiles Depot real schrumpfen kann.

Risiko 2: Die Reihenfolge der Renditen

In der Ansparphase ist die Reihenfolge guter und schlechter Jahre fast egal: Am Ende zählt die Durchschnittsrendite. In der Entnahmephase ist das anders. Wer in einem Crash Anteile verkauft, um seine Entnahme zu finanzieren, verkauft zu niedrigen Kursen. Diese Anteile fehlen dann bei der Erholung. Fachleute nennen das Rendite-Reihenfolge-Risiko (englisch: sequence of returns risk).

Ein vereinfachtes Beispiel: 300.000 € Kapital, jedes Jahr zu Jahresbeginn 18.000 € Entnahme, 20 Jahre. Beide Szenarien haben exakt dieselben Jahresrenditen, nur in umgekehrter Reihenfolge: zweimal Verlust (−20 % und −10 %) und 18-mal +6 %.

SzenarioVerlusteErgebnis nach 20 Jahren
Ain den ersten beiden JahrenDepot im 18. Jahr leer
Bin den letzten beiden Jahrenrund 165.000 € übrig

Gleiche Durchschnittsrendite, völlig unterschiedliches Ergebnis. Die ersten Jahre nach Beginn der Entnahme sind deshalb die kritischsten.

Was Sie gegen beide Risiken tun können

  • Liquiditätsreserve: Halten Sie zwei bis drei Jahresentnahmen auf dem Tagesgeld oder in kurz laufenden Anleihen. Im Crash entnehmen Sie aus der Reserve und müssen keine Aktien zu Tiefstkursen verkaufen.
  • Flexible Entnahme: Verzichten Sie in schwachen Jahren auf die Inflationsanpassung oder senken Sie die Entnahme leicht. Schon kleine Anpassungen verlängern die Laufzeit deutlich.
  • Vorsichtige Planung: Rechnen Sie mit einer niedrigeren Rendite als der historischen und mit einer Inflation von mindestens 2 %.
  • Mischung: Ein Anteil schwankungsärmerer Anlagen dämpft Verluste zu Beginn der Entnahme, senkt aber die erwartete Rendite.
  • Regelmäßig prüfen: Rechnen Sie den Plan einmal im Jahr mit dem aktuellen Depotwert neu.

Warum der Rechner trotzdem mit Durchschnittswerten arbeitet

Simulationen mit Zufallsrenditen liefern Wahrscheinlichkeiten, sind aber schwer zu interpretieren und hängen stark von ihren Annahmen ab. Eine konstante Rendite zeigt dagegen klar, wie Kapital, Entnahme, Laufzeit und Inflation zusammenwirken. Nutzen Sie den Rechner deshalb mit Puffer: Rechnen Sie ein vorsichtiges Szenario und prüfen Sie, ob Ihr Plan auch dann noch trägt. Wie stark eine niedrigere Rendite wirkt, sehen Sie sofort, wenn Sie den Regler verschieben.

Fazit

Inflation und Rendite-Reihenfolge sind die beiden Risiken, die in einfachen Rechnungen oft unterschätzt werden. Mit einer Liquiditätsreserve, flexibler Entnahme und vorsichtigen Annahmen lassen sie sich deutlich abmildern. Grundlagen zum Entnahmeplan finden Sie im Leitartikel Entnahmeplan: So wird aus Ihrem Depot ein monatliches Einkommen. Keine Anlageberatung; Stand: 24. September 2026.

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