Warum Fensterscheiben beschlagen
An kalten Morgen sind die Scheiben oft von innen beschlagen, im Sommer manchmal von außen. Beides hat dieselbe Ursache: Die Glasoberfläche ist kälter als der Taupunkt der angrenzenden Luft. Die Luft kühlt direkt am Glas ab, erreicht ihre Sättigung, und der überschüssige Wasserdampf schlägt sich als feine Tröpfchen nieder.
Bei Raumluft mit 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei rund 9,3 °C, bei 60 % schon bei etwa 12,0 °C. Jede Scheibe, jeder Rahmen und jeder Glasrand, der kälter ist, wird nass.
Wie kalt wird eine Scheibe?
Die innere Oberflächentemperatur einer Verglasung hängt von ihrem U-Wert ab. Für Fenster wird dabei üblicherweise ein innerer Wärmeübergangswiderstand von 0,13 m²·K/W angesetzt. Grob gerechnet ergeben sich bei 20 °C innen und 0 °C außen folgende Werte für die Scheibenmitte:
Einfachverglasung, U ≈ 5,8 W/(m²·K): rund 4,9 °C — beschlägt bei fast jeder üblichen Raumluftfeuchte.
Ältere Zweifachverglasung, U ≈ 2,8 W/(m²·K): rund 12,7 °C — bleibt bei 50 % meist trocken, bei 60 % knapp.
Moderne Wärmeschutzverglasung, U ≈ 1,1 W/(m²·K): rund 17,1 °C — beschlägt in der Scheibenmitte kaum.
Sinkt die Außentemperatur auf −10 °C, kommt die ältere Zweifachverglasung nur noch auf rund 9,1 °C und beschlägt schon bei 50 % Luftfeuchte. Diese Werte sind Näherungen für die Glasmitte. Der Glasrand, an dem der Abstandhalter zwischen den Scheiben sitzt, ist meist deutlich kälter. Deshalb bildet sich Kondenswasser oft zuerst als Streifen am unteren Rand.
Beschlag innen, außen oder zwischen den Scheiben
Innen beschlagen: Die Raumluft ist für diese Verglasung zu feucht. Das ist im Winter ein häufiges Signal, dass mehr gelüftet werden sollte — besonders morgens im Schlafzimmer, nach dem Duschen und nach dem Kochen.
Außen beschlagen: Das tritt vor allem bei sehr gut gedämmten Fenstern auf. Die äußere Scheibe bekommt kaum Wärme aus dem Raum ab und kühlt nachts unter den Taupunkt der Außenluft. Das ist kein Mangel, sondern ein Zeichen für guten Wärmeschutz.
Zwischen den Scheiben beschlagen: Dann ist meist der Randverbund undicht, und feuchte Luft ist in den Scheibenzwischenraum gelangt. Die Verglasung hat ihre Dämmwirkung dann teilweise verloren und sollte fachlich geprüft werden.
Ist Kondenswasser am Fenster gefährlich?
Einmal beschlagene Scheiben sind unproblematisch. Kritisch wird es, wenn sich regelmäßig Wasser sammelt und auf Fensterbank, Dichtungen oder die Fensterlaibung läuft. Dort kann sich Schimmel bilden, und Holz- oder Putzoberflächen nehmen dauerhaft Schaden. Außerdem sind beschlagene Fenster ein Hinweis darauf, dass die Luftfeuchte auch an anderen kalten Stellen hoch ist — etwa in Außenecken oder hinter Möbeln. Mehr dazu im Beitrag Schimmel an Außenwänden.
Was Sie tun können
1. Kondenswasser morgens mit einem Tuch oder Abzieher entfernen, damit es nicht in Rahmen und Laibung zieht.
2. Regelmäßig stoßlüften statt Fenster dauerhaft zu kippen. Gekippte Fenster kühlen die Laibung aus. Mehr im Beitrag Richtig lüften im Winter.
3. Heizkörper unter dem Fenster nicht mit Vorhängen, Verkleidungen oder breiten Fensterbänken zustellen, damit warme Luft an der Scheibe aufsteigen kann.
4. Luftfeuchte mit einem Hygrometer kontrollieren. Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 %.
5. Langfristig: Alte Einfach- oder frühe Zweifachverglasungen gegen moderne Wärmeschutzverglasung tauschen. Die Kosten können Sie im Renovierungskosten-Rechner abschätzen.
Den eigenen Taupunkt kennen
Mit dem Taupunkt-Rechner sehen Sie sofort, bei welcher Oberflächentemperatur Ihre Raumluft kondensiert. Messen Sie die Temperatur am Glasrand mit einem Infrarot-Thermometer und vergleichen Sie sie mit dem Taupunkt: Liegt sie darunter, wird die Scheibe beschlagen — und Sie wissen, um wie viel Grad oder Prozent Luftfeuchte Sie nachsteuern müssen.
