Warum Lüften im Winter so wirksam ist
Es klingt paradox: Draußen ist es nebelig, die Luft fühlt sich nass an — und trotzdem soll Lüften die Wohnung trocknen? Die Erklärung liegt im Unterschied zwischen relativer und absoluter Luftfeuchte. Kalte Luft kann nur wenig Wasser aufnehmen. Selbst wenn sie fast gesättigt ist, enthält sie absolut betrachtet wenig Wasserdampf.
Ein Beispiel: Außenluft mit 0 °C und 85 % relativer Feuchte enthält rund 4,1 g Wasser pro Kubikmeter. Wird diese Luft in der Wohnung auf 20 °C erwärmt, bleibt die Wassermenge gleich, aber die Aufnahmefähigkeit steigt auf rund 17,2 g/m³. Die relative Feuchte der frischen Luft sinkt dadurch auf etwa 22 %. Bei −5 °C und 80 % draußen sind es nach dem Erwärmen sogar nur rund 14 %. Die verbrauchte Raumluft mit 20 °C und 50 % enthält dagegen rund 8,6 g/m³ — jeder ausgetauschte Kubikmeter trägt also mehrere Gramm Wasser nach draußen.
Wie oft und wie lange lüften?
Das Umweltbundesamt empfiehlt für die kalte Jahreszeit, zwei- bis dreimal täglich für etwa fünf Minuten pro Raum mit weit geöffneten Fenstern zu lüften. Schlafräume sollten morgens nach dem Aufstehen fünf bis zehn Minuten gelüftet werden. Nach dem Kochen und Duschen gilt: während oder direkt danach für fünf bis zehn Minuten die Fenster weit öffnen.
In der warmen Jahreszeit dauert der Luftaustausch länger, weil der Temperaturunterschied zwischen innen und außen gering ist. Hier nennt das Umweltbundesamt zehn bis zwanzig Minuten pro Lüftungsvorgang.
Stoßlüften statt Kippfenster
Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht wenig Luft aus, kühlt aber die Wand rund um das Fenster stark ab. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass dies den Energieverbrauch deutlich erhöht und die Fensterlaibung so weit abkühlen kann, dass sich dort Schimmel bildet. Besser ist kurzes, kräftiges Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern; noch schneller geht der Luftaustausch beim Querlüften über gegenüberliegende Fenster. Die Wände und Möbel kühlen dabei kaum aus und geben ihre Wärme danach schnell wieder an die frische Luft ab.
Während des Lüftens sollten Sie die Heizkörperventile schließen, damit das Thermostat nicht gegen die kalte Luft anheizt. Danach wieder auf die gewohnte Stufe drehen.
Nicht über andere Räume heizen
Ein häufiger Fehler: Das kühle Schlafzimmer wird nicht beheizt, sondern „nebenbei“ über die offene Tür zum Wohnzimmer mitgewärmt. Das Umweltbundesamt rät davon ab, denn mit der warmen Luft gelangt auch deren Feuchte in den kühlen Raum. Dort steigt die relative Feuchte, und an den kalten Außenwänden wird schnell die schimmelkritische Grenze von 80 % Oberflächenfeuchte erreicht. Halten Sie Türen zu kühleren Räumen geschlossen und heizen Sie jeden Raum für sich.
Wann Lüften nicht trocknet
Im Sommer kann sich die Rechnung umdrehen. Warme Außenluft mit 28 °C und 60 % enthält rund 16,3 g Wasser pro Kubikmeter. Strömt sie in einen Keller mit 14 °C, kann die kühlere Luft dort nur etwa 12 g/m³ halten — der Rest schlägt sich an Wänden und Gegenständen nieder. Kellerräume lüften Sie im Sommer deshalb besser in den kühlen Nacht- und frühen Morgenstunden.
Ob Lüften gerade trocknet, zeigt der Lüftungs-Check im Taupunkt-Rechner: Er vergleicht die absolute Feuchte innen mit der Außenluft, die im Raum auf Raumtemperatur erwärmt wird.
Das Hygrometer als Kontrolle
Ein einfaches Hygrometer hilft laut Umweltbundesamt, die Raumluftfeuchte im Blick zu behalten. Als Richtwert empfiehlt die Behörde 40 bis 60 % relative Luftfeuchte. Steigt der Wert trotz regelmäßigen Lüftens dauerhaft darüber, lohnt es sich, nach zusätzlichen Feuchtequellen zu suchen — Wäschetrocknen in der Wohnung, viele Zimmerpflanzen oder ein Aquarium. Bei schlecht gedämmten Wänden kann auch schon ein Wert im oberen Bereich kritisch sein; mehr dazu im Beitrag Schimmel an Außenwänden.
Kurz zusammengefasst
1. Im Winter trocknet Lüften fast immer, auch bei Regen oder Nebel.
2. Zwei- bis dreimal täglich rund fünf Minuten stoßlüften, Schlafzimmer morgens fünf bis zehn Minuten.
3. Nach Duschen und Kochen sofort lüften, Kippfenster vermeiden.
4. Kühle Räume nicht über warme Nachbarräume mitheizen.
5. Keller im Sommer nachts oder morgens lüften.
