Warum jede Taxifahrt ihren festen Preis hat
Wer in Deutschland ein Taxi nimmt, verhandelt in der Regel nicht über den Preis. Anders als bei vielen anderen Dienstleistungen ist der Fahrpreis gesetzlich festgelegt: Nach § 51 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) setzen die Länder bzw. die von ihnen ermächtigten Städte und Kreise die Beförderungsentgelte für Taxis per Rechtsverordnung fest. Diese Verordnung heißt je nach Ort Taxitarifordnung, Taxentarif oder Beförderungsentgeltverordnung. Sie gilt für alle Taxis, die in diesem Gebiet zugelassen sind — und innerhalb des sogenannten Pflichtfahrgebiets darf der Tarif weder über- noch unterschritten werden.
Das hat zwei Folgen. Erstens ist der Preis für dieselbe Strecke in derselben Stadt für alle Fahrgäste gleich, egal ob Sie das Taxi am Stand nehmen, heranwinken oder telefonisch bestellen. Zweitens unterscheiden sich die Preise von Stadt zu Stadt teils deutlich, weil jede Kommune ihren Tarif selbst kalkuliert und in eigenen Abständen anpasst. Mit dem Taxi-Rechner können Sie Ihre Fahrt nach dem aktuellen Tarif von 14 Großstädten schätzen und die Städte direkt vergleichen.
Die vier Bausteine des Taxipreises
Fast jeder deutsche Taxitarif besteht aus denselben Bausteinen. Wer sie kennt, kann jeden Taxipreis nachvollziehen.
- Grundpreis: Er fällt einmal an, sobald das Taxameter eingeschaltet wird. In den großen Städten liegt er zwischen 4,00 € (Frankfurt am Main) und 5,90 € (München). In einigen Städten, etwa Berlin, München, Köln, Bremen, Nürnberg und Duisburg, ist darin bereits ein kurzes erstes Streckenstück enthalten.
- Kilometerpreis: Er wird für die gefahrene Strecke berechnet, meist zwischen 2,00 € und 3,30 € pro Kilometer. Viele Städte staffeln ihn nach Entfernung: Die ersten Kilometer sind teurer, danach wird es günstiger.
- Wartezeit: Steht das Taxi im Stau, an einer roten Ampel oder wartet es auf Ihren Wunsch, läuft statt des Kilometerpreises ein Zeitpreis — je nach Stadt zwischen 25 € (Dresden) und 43 € (Düsseldorf) pro Stunde.
- Zuschläge: Für bestimmte Leistungen, vor allem das Großraumtaxi ab dem fünften Fahrgast, erlaubt der Tarif pauschale Aufschläge. Welche Zuschläge es gibt, legt jede Stadt selbst fest.
Wichtig: Kilometer- und Wartezeitpreis laufen nicht gleichzeitig. Das Taxameter rechnet entweder nach Strecke oder nach Zeit. Viele Verordnungen legen dafür eine Umschaltgeschwindigkeit fest; fährt das Taxi langsamer, zählt die Zeit.
Ein Rechenbeispiel Schritt für Schritt
Nehmen wir eine Fahrt über 10 Kilometer in Hamburg, bei der das Taxi insgesamt 5 Minuten an Ampeln und im Stau steht. Der Hamburger Tarif sieht einen Grundpreis von 4,50 €, einen Kilometerpreis von 2,70 € bis zum 9. Kilometer und 2,00 € darüber sowie 38 € pro Stunde Wartezeit vor.
1. Grundpreis: 4,50 €
2. Kilometer 1 bis 9: 9 × 2,70 € = 24,30 €
3. Kilometer 10: 1 × 2,00 € = 2,00 €
4. Wartezeit: 5/60 Stunde × 38 € = 3,17 €
Zusammen ergibt das rund 33,97 €. Auf dem Taxameter stehen am Ende meist ein paar Cent mehr oder weniger, weil es in festen Schritten von 10 oder 20 Cent weiterschaltet. Genau diese Rechnung führt der Taxi-Rechner für jede der 14 Städte aus und zeigt die einzelnen Posten in einer Tabelle.
Wie stark unterscheiden sich die Städte?
Für dieselbe Fahrt über 10 km mit 5 Minuten Wartezeit ergibt sich nach den aktuellen Tarifen (Stand September 2026) folgendes Bild:
- Dortmund: ca. 30,60 €
- Frankfurt am Main: ca. 31,17 €
- Berlin: ca. 32,45 €
- Duisburg: ca. 32,55 €
- Essen: ca. 33,40 €
- Hamburg: ca. 33,97 €
- Stuttgart: ca. 34,37 €
- Leipzig: ca. 34,53 €
- Nürnberg: ca. 34,83 €
- Bremen: ca. 34,87 €
- München: ca. 35,35 €
- Dresden: ca. 35,38 €
- Düsseldorf: ca. 35,58 €
- Köln: ca. 36,80 €
Der Abstand zwischen der günstigsten und der teuersten Stadt beträgt also gut 6 € oder rund 20 %. Die Reihenfolge ist aber nicht in Stein gemeißelt: Bei kurzen Fahrten zählt der Grundpreis stärker, bei langen Strecken die Staffelung des Kilometerpreises. Bei 25 km rücken etwa Hamburg und Berlin nach vorn, weil dort ab dem 9. bzw. 7. Kilometer ein niedrigerer Kilometerpreis gilt. In Nürnberg dagegen ist der erste Kilometer mit 5,10 € ungewöhnlich teuer, danach sinkt der Preis auf 2,70 € und ab dem 6. Kilometer auf 2,20 €.
Tag, Nacht, Wochenende
Früher war der Nachtzuschlag die Regel. Heute haben die meisten Großstädte einen einheitlichen Tarif rund um die Uhr. Ausnahmen unter den hier erfassten Städten sind Leipzig, Dresden und Duisburg: Dort gilt nachts sowie an Sonn- und Feiertagen ein höherer Kilometerpreis. Wie viel das ausmacht, lesen Sie im Beitrag Nachts, am Wochenende, an Feiertagen: Wann wird das Taxi teurer?
Zuschläge: Großraumtaxi, Gepäck, Flughafen
Den wichtigsten Zuschlag gibt es fast überall für das Großraumtaxi, wenn mehr als vier Personen mitfahren oder Sie ein solches Fahrzeug ausdrücklich bestellen. Er liegt zwischen 3,00 € und 10,00 € pro Fahrt. Normales Gepäck, Kinderwagen und Rollstühle fahren dagegen in fast allen Großstädten kostenlos mit. Einen Flughafenzuschlag kennt unter den 14 Städten nur Düsseldorf (2,00 €); Berlin berechnet 1,50 € ab dem Taxi-Nachrückplatz am Flughafen BER. Details finden Sie in den Beiträgen zu Großraumtaxi und Gepäck sowie zu Flughafenfahrten.
Festpreis statt Taxameter
Seit der Reform des Personenbeförderungsrechts 2021 dürfen die Städte für vorab bestellte Fahrten Festpreise oder einen Preiskorridor zulassen. Viele haben das umgesetzt: In Berlin darf der vereinbarte Preis bis zu 20 % über oder 10 % unter dem Taxameterpreis für die kürzeste Strecke liegen, in Köln ±20 %, in Dortmund ±15 %, in Duisburg ±10 %. Der Vorteil: Sie kennen den Preis vor Fahrtantritt, und Stau geht nicht zu Ihren Lasten. Wer dagegen ein Taxi am Stand nimmt oder heranwinkt, zahlt immer nach Taxameter.
So schätzen Sie Ihre Fahrt realistisch
Die größte Unsicherheit jeder Schätzung ist die Wartezeit. Für eine Fahrt durch die Innenstadt zur Hauptverkehrszeit sind pro 10 Kilometer 5 bis 10 Minuten Stillstand realistisch, nachts oder auf Schnellstraßen oft deutlich weniger. Die Strecke ermitteln Sie am einfachsten mit einem Routenplaner — der Taxifahrer muss grundsätzlich den kürzesten oder den mit Ihnen abgestimmten Weg nehmen. Mit diesen beiden Werten liefert der Taxi-Rechner einen belastbaren Richtwert. Verbindlich ist am Ende aber immer der Betrag auf dem geeichten Taxameter.
Taxi oder eigenes Auto?
Für gelegentliche Fahrten ist das Taxi oft günstiger, als es scheint, wenn Sie die Vollkosten des eigenen Autos gegenrechnen: Neben Sprit fallen Parkgebühren, Wertverlust, Versicherung und Wartung an. Wie viel eine Strecke mit dem eigenen Wagen allein an Kraftstoff kostet, zeigt der Spritkosten-Rechner; für Elektroautos hilft der E-Auto-Kostenrechner. Wer regelmäßig pendelt, fährt mit dem eigenen Fahrzeug oder öffentlichen Verkehrsmitteln fast immer günstiger. Für die Fahrt zum Flughafen mit schwerem Gepäck, nach einer Feier oder wenn mehrere Personen sich die Kosten teilen, ist das Taxi dagegen häufig die bequemste und nicht einmal die teuerste Wahl.
Das Wichtigste in Kürze
Taxipreise sind in Deutschland amtlich festgelegt und innerhalb des Pflichtfahrgebiets verbindlich. Sie bestehen aus Grundpreis, Kilometerpreis, Wartezeit und wenigen Zuschlägen. Zwischen den Großstädten liegen bei einer 10-km-Fahrt rund 6 €. Nachtzuschläge sind selten geworden, Festpreise bei Bestellung dagegen fast überall möglich. Und weil Stau und Umwege den Preis verändern, bleibt jede Vorabberechnung eine Schätzung — eine gute Schätzung hilft aber, böse Überraschungen und überhöhte Pauschalangebote außerhalb des Tarifs zu erkennen.
