Heizlast und Wärmebedarf sind zwei verschiedene Dinge
Die Heizlast ist die Leistung in Kilowatt, die eine Heizung am kältesten Auslegungstag liefern muss, damit alle Räume ihre Solltemperatur halten. Der Wärmebedarf ist dagegen die Energiemenge in Kilowattstunden, die übers Jahr anfällt. Ein Haus mit 12.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch kann eine Heizlast von 6 oder von 8 Kilowatt haben, je nach Lage und Nutzung. Für die Wahl einer Wärmepumpe zählt die Heizlast.
Weg 1: Faustformel nach Baujahr
Der schnellste Weg ist ein Richtwert pro Quadratmeter Wohnfläche. Häufig genannte Werte bei 20 Grad innen und etwa −12 Grad außen:
| Gebäudestandard | Richtwert [W/m²] |
|---|---|
| vor 1978, unsaniert | ca. 130 |
| vor 1978, teilsaniert | ca. 100 |
| 1978–1994 | ca. 80 |
| 1995–2001 | ca. 60 |
| 2002–2015 | ca. 45 |
| ab 2016, Neubau | ca. 35 |
| Passivhaus | max. 10 |
Ein Haus von 1985 mit 140 Quadratmetern käme so auf 140 × 80 = 11,2 Kilowatt. Der Rechner rechnet den Wert zusätzlich auf Ihre Norm-Außentemperatur um, weil ein Haus in Köln bei −7 Grad weniger Leistung braucht als dasselbe Haus in Hof bei −14,6 Grad. Die Faustformel ist allerdings grob: Zwei Häuser aus demselben Jahr können sich um 30 Prozent und mehr unterscheiden, je nachdem, ob schon Fenster getauscht oder das Dach gedämmt wurde.
Weg 2: Überschlag über die Hüllfläche
Genauer wird es, wenn Sie die Flächen und U-Werte der Außenbauteile kennen. Für jedes Bauteil gilt: Wärmeverlust = U-Wert × Fläche × Temperaturdifferenz. Dazu kommen ein Zuschlag für Wärmebrücken, meist pauschal 0,10 W/(m²K) auf die gesamte Hüllfläche, und die Lüftungswärmeverluste. Für die Lüftung gilt näherungsweise 0,34 × Luftwechsel × Luftvolumen. Bei einem Luftwechsel von 0,5 pro Stunde wird die Raumluft alle zwei Stunden einmal ausgetauscht.
Beispiel: 180 m² Wand mit U 0,22, 100 m² Dach mit 0,25, 90 m² Kellerdecke mit 0,40, 30 m² Fenster mit 1,3 und 350 m³ Luftvolumen ergeben bei 31 Grad Temperaturdifferenz rund 7 Kilowatt. Der Rechner zeigt dabei auch, welches Bauteil wie viel beiträgt. Oft sind Fenster und Lüftung überraschend große Posten.
Weg 3: Aus dem bisherigen Verbrauch
Wer eine alte Heizung ersetzt, kann den Jahresverbrauch nutzen. Er wird durch die Vollbenutzungsstunden geteilt, bei Einfamilienhäusern je nach Lage rund 1.800 bis 2.100 Stunden. 20.000 Kilowattstunden Gas ergeben so etwa 10 Kilowatt. Vorher sollten Sie den Warmwasseranteil abziehen und den Wirkungsgrad des alten Kessels berücksichtigen, denn nicht jede Kilowattstunde Gas kam als Wärme im Raum an.
Weg 4: Raumweise nach DIN EN 12831-1
Die Norm berechnet jeden Raum einzeln, mit seinen Bauteilen, Wärmebrücken, der Lüftung und der Norm-Innentemperatur, etwa 24 Grad im Bad. Nur so lassen sich Heizkörper oder Fußbodenheizkreise richtig dimensionieren und der hydraulische Abgleich durchführen. Für die Förderung einer Wärmepumpe und für ein belastbares Angebot ist diese Berechnung in der Regel Pflicht.
Warum zu groß teuer wird
Früher wurden Kessel großzügig ausgelegt, das kostete wenig. Bei Wärmepumpen ist Überdimensionierung dagegen ein echter Nachteil: Die Anschaffung wird teurer, das Gerät taktet in der Übergangszeit häufig an und aus, und die Effizienz sinkt. Eine Schätzung hilft Ihnen, Angebote zu plausibilisieren. Liegt ein Angebot deutlich über Ihrem Überschlag, lohnt die Nachfrage, wie die Leistung ermittelt wurde.
Zur Heizlast kommt bei Wärmepumpen oft ein Zuschlag für Warmwasser, als Faustwert etwa 0,2 Kilowatt pro Person. Ob ein Zuschlag für Sperrzeiten nötig ist, hängt vom Stromtarif ab. Mit dem Ergebnis können Sie im Wärmepumpe-Rechner Kosten und Förderung durchrechnen. Welche Außentemperatur für Ihren Ort gilt, steht im Beitrag zur Norm-Außentemperatur.
