Die Temperatur, für die eine Heizung ausgelegt wird
Eine Heizung muss nicht für den kältesten Tag des Jahrhunderts ausgelegt werden, sondern für eine statistisch festgelegte tiefe Außentemperatur. Diese Norm-Außentemperatur ist der wichtigste Klimawert der Heizlastberechnung. Sie bestimmt, wie groß die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen ist, und damit direkt die nötige Heizleistung.
Seit April 2020 gilt dafür in Deutschland die technische Spezifikation DIN/TS 12831-1. Sie ordnet jeder Postleitzahl einen Wert zu und löst die älteren Tabellen nach Städten ab. Die Norm-Außentemperatur ist dabei ein Zweitagesmittel. Einzelne Nächte können deutlich kälter sein, doch die Speichermasse des Gebäudes gleicht kurze Kältespitzen aus.
Werte für größere Städte
Die folgenden Werte stammen aus der Klimakarte des Bundesverbands Wärmepumpe, die die Norm-Außentemperatur nach DIN/TS 12831-1 je Postleitzahl ausgibt. Maßgeblich ist jeweils das angegebene Postleitzahlgebiet, in den Außenbezirken und in höheren Lagen weichen die Werte ab.
| Ort (PLZ) | Norm-Außentemperatur |
|---|---|
| Düsseldorf (40213) | −6,9 °C |
| Köln (50667) | −7,0 °C |
| Essen (45127) | −7,1 °C |
| Kiel (24103) | −7,9 °C |
| Hamburg (20095) | −8,2 °C |
| Bremen (28195) | −8,6 °C |
| Frankfurt am Main (60311) | −9,2 °C |
| Stuttgart (70173) | −9,3 °C |
| Freiburg im Breisgau (79098) | −9,7 °C |
| Hannover (30159) | −10,0 °C |
| Rostock (18055) | −10,7 °C |
| Berlin-Mitte (10115) | −11,1 °C |
| München (80331) | −11,1 °C |
| Nürnberg (90402) | −11,3 °C |
| Leipzig (04109) | −11,7 °C |
| Erfurt (99084) | −11,9 °C |
| Dresden (01067) | −12,3 °C |
| Chemnitz (09111) | −13,0 °C |
| Augsburg (86150) | −13,5 °C |
| Hof (95028) | −14,6 °C |
| Oberstdorf (87561) | −16,7 °C |
Abgerufen am 24. September 2026. Für Ihre genaue Adresse fragen Sie den Wert über die Postleitzahl ab oder lassen ihn von Ihrer Heizungsfachfirma bestätigen.
Was der Unterschied ausmacht
Die Spanne ist größer, als viele erwarten. Ein Haus mit 20 Grad Innentemperatur hat in Köln eine Auslegungsdifferenz von 27 Kelvin, in Oberstdorf von fast 37 Kelvin. Bei sonst gleichem Gebäude braucht es dort also rund ein Drittel mehr Heizleistung. Auch innerhalb einer Region zählen Höhenlage und Stadtklima: Innenstädte sind im Winter oft wärmer als das Umland.
Häufige Missverständnisse
- Die Norm-Außentemperatur ist nicht der Rekordwert. Gemessene Tiefstwerte liegen fast überall tiefer. Eine richtig ausgelegte Heizung schafft auch diese Tage, weil das Gebäude Wärme speichert und die Nutzung selten alle Räume gleichzeitig maximal fordert.
- Ältere Werte sind oft kälter. Viele Planungsunterlagen nutzen noch die früheren Tabellenwerte nach Städten. Die neuen Werte beruhen auf einer aktuelleren Klimareihe und liegen an vielen Orten etwas milder. Wer mit alten Werten rechnet, legt die Heizung tendenziell größer aus.
- Ein paar Grad mehr Sicherheit sind keine Sicherheit. Wer zur Vorsicht fünf Kelvin kälter rechnet, erhöht die Heizlast um 15 bis 20 Prozent. Bei einer Wärmepumpe bedeutet das ein teureres Gerät, das häufiger taktet.
Auch die Innentemperatur zählt
Die Temperaturdifferenz hat zwei Enden. Die Norm setzt für Wohn- und Schlafräume 20 Grad an, für Bäder 24 Grad. Wer die Heizlast für 22 Grad im ganzen Haus rechnet, erhöht die Differenz in Berlin von 31,1 auf 33,1 Kelvin und damit die Heizlast um gut 6 Prozent. Im Rechner stellen Sie die Raumtemperatur deshalb getrennt ein.
Norm-Außentemperatur im Rechner
Im zweiten Teil des U-Wert-Rechners wählen Sie eine der Städte aus der Tabelle oder geben Ihren eigenen Wert ein. Der Rechner nutzt ihn für die Heizlast und für den Temperaturverlauf durch Ihr Bauteil. So sehen Sie, wie warm die Innenoberfläche Ihrer Wand am Auslegungstag bleibt. Wie sich aus der Temperaturdifferenz die Heizleistung ergibt, erklärt der Beitrag Heizlast berechnen.
