Reifen altern, auch wenn sie nicht fahren
Ein Reifen verliert nicht nur durch Abrieb an Qualität. Gummi enthält Weichmacher und Schutzstoffe, die mit der Zeit verfliegen. Sauerstoff, Ozon, UV-Licht und Temperaturschwankungen lassen die Mischung aushärten. Ein harter Reifen greift schlechter, vor allem auf nasser und kalter Fahrbahn. Deshalb lohnt es sich, das Alter zu kennen, auch wenn das Profil noch tief genug aussieht.
So lesen Sie die DOT-Nummer
Auf der Reifenflanke steht eine Zeichenfolge, die mit DOT beginnt. DOT steht für das US-Verkehrsministerium, dessen Kennzeichnung sich weltweit durchgesetzt hat. Die Folge enthält einen Code für das Werk, oft Größe und Bauart, und am Ende vier Ziffern, meist in einem ovalen Feld. Nur diese vier Ziffern brauchen Sie:
- Die ersten beiden Ziffern sind die Kalenderwoche der Produktion.
- Die letzten beiden Ziffern sind das Jahr.
Beispiel: <strong>2219</strong> bedeutet Kalenderwoche 22 im Jahr 2019, also Ende Mai 2019. Die vollständige DOT-Nummer steht oft nur auf einer Seite des Reifens. Findet sich außen nur ein Teil, schauen Sie auf der Innenseite nach.
Stehen am Ende nur drei Ziffern, stammt der Reifen aus der Zeit vor dem Jahr 2000. Damals gab es nur eine Ziffer für das Jahr, Reifen aus den 1990er-Jahren erkennt man zusätzlich an einem kleinen Dreieck. Solche Reifen gehören nicht mehr auf die Straße.
Im Reifenrechner geben Sie die vier Ziffern ein und sehen sofort Produktionswoche, Jahr und das genaue Alter in Jahren und Monaten.
Wie alt dürfen Reifen sein?
Für Pkw-Reifen gibt es in Deutschland kein gesetzliches Höchstalter. Vorgeschrieben ist nur eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm (§ 36 StVZO). Fachleute, Reifenhersteller und Automobilclubs geben aber übereinstimmende Empfehlungen:
| Alter | Empfehlung |
|---|---|
| bis 3 Jahre | Vom Alter her neuwertig |
| 3 bis 6 Jahre | Unkritisch, Profil und Zustand prüfen |
| 6 bis 10 Jahre | Mindestens jährlich prüfen lassen |
| über 10 Jahre | Austausch dringend empfohlen, auch bei gutem Profil |
Diese Grenzen sind Richtwerte. Ein Reifen, der jahrelang in der Sonne stand oder oft mit zu wenig Luft gefahren wurde, kann früher ausgedient haben. Ein kühl und dunkel gelagerter Reifen hält länger.
Eine feste Altersgrenze gibt es dagegen für Anhänger mit Tempo-100-Zulassung: Deren Reifen müssen jünger als sechs Jahre sein. Bei Wohnwagen und Pferdeanhängern lohnt sich deshalb vor jeder Saison ein Blick auf die DOT-Nummer.
Woran Sie gealterte Reifen erkennen
- Feine Risse in der Flanke oder zwischen den Profilblöcken
- Harte, glänzende Oberfläche, die sich mit dem Fingernagel kaum eindrücken lässt
- Beulen oder Verformungen an der Flanke
- Spürbar schlechterer Grip bei Nässe und Kälte
Beulen sind ein Warnsignal für einen Schaden in der Karkasse. Ein solcher Reifen muss sofort ersetzt werden.
Worauf Sie beim Reifenkauf achten
Neue Reifen sind nicht immer frisch produziert. Reifen können vor dem Verkauf einige Zeit im Lager liegen. Bei richtiger Lagerung schadet das kaum. Im Handel gelten Reifen bis etwa drei Jahre nach Produktion üblicherweise als neu. Wenn Sie Wert auf ein junges Datum legen, fragen Sie vor dem Kauf nach der DOT-Nummer. Bei Gebrauchtreifen ist das Alter noch wichtiger: Ein Satz mit gutem Profil, aber acht Jahren auf dem Buckel, ist selten ein Schnäppchen.
Reifen richtig lagern
Wer Sommer- und Winterreifen wechselt, kann die Alterung bremsen. Lagern Sie die Räder kühl, trocken und dunkel, fern von Heizungen, Elektromotoren und Lösungsmitteln. Reifen mit Felgen hängen Sie am besten auf oder stapeln sie liegend. Reifen ohne Felgen stehen aufrecht und werden alle paar Wochen etwas gedreht.
Fazit
Die vier Ziffern am Ende der DOT-Nummer verraten das Alter jedes Reifens. Ab sechs Jahren sollten Sie regelmäßig prüfen lassen, nach spätestens zehn Jahren wechseln. Welche Größe der neue Reifen haben darf, erklärt der Leitartikel Reifengröße umrechnen. Und vor dem Winter lohnt ein Blick auf die Regeln zur Winterreifenpflicht.
