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Minijob oder Midijob: Was bringt bei 600 EUR mehr netto?

Redaktion
6 Min. Lesezeit
2026-03-08
Minijob oder Midijob: Was bringt bei 600 EUR mehr netto?

Die 600-EUR-Frage: Lohnt sich der Midijob?

Wer bisher einen Minijob mit 538 EUR hat und nun 600 EUR verdienen koennte, steht vor einer wichtigen Entscheidung: Lohnt sich der Uebergang in den Midijob? Die Antwort ist fast immer: Ja. Denn bei 600 EUR brutto im Midijob fallen nur minimale Sozialabgaben an, waehrend man volle Sozialversicherungsansprueche erhaelt.

Das Rechenbeispiel im Detail

Bei 600 EUR brutto im Midijob (Steuerklasse I, 30 Jahre, keine Kinder, Zusatzbeitrag 1,7%): Die Sozialabgaben des Arbeitnehmers betragen etwa 15-25 EUR. Lohnsteuer faellt bei Steuerklasse I bei diesem Betrag in der Regel nicht an (der Grundfreibetrag liegt bei 12.084 EUR jaehrlich, das Jahresbrutto bei 7.200 EUR). Das Netto liegt somit bei etwa 575-585 EUR.

Vergleich mit dem Minijob (538 EUR): 538 EUR brutto = 538 EUR netto. Die Netto-Differenz betraegt also: Man bekommt 37-47 EUR mehr netto im Midijob als im Minijob — plus volle Sozialversicherung. Selbst wenn man das gleiche Gehalt verdienen wuerde (z.B. 540 EUR), wuerden nur etwa 1-2 EUR Sozialabgaben anfallen, waehrend man im Gegenzug Krankengeld-, ALG- und Rentenansprueche erhaelt.

Die versteckten Vorteile des Midijobs bei 600 EUR

Krankengeld ist ein enormer Vorteil: Wer im Minijob laenger als 6 Wochen krank wird, erhaelt kein Krankengeld von der Krankenkasse. Im Midijob gibt es nach der 6-woechigen Lohnfortzahlung des Arbeitgebers Krankengeld von der GKV — das sind rund 70% des Bruttoverdienstes. Bei einem Monatsgehalt von 600 EUR waeren das etwa 420 EUR monatlich. Im Minijob: null.

Arbeitslosengeldanspruch ist der zweite Vorteil: Wer aus einem Midijob arbeitslos wird, hat (bei ausreichender Vorbeschaeftigung) Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Im Minijob besteht dieser Anspruch nicht, da keine Beitraege zur Arbeitslosenversicherung geleistet werden. Das ALG I betraegt 60-67% des Nettogehalts und wird fuer bis zu 12 Monate gezahlt.

Rentenansprueche: Der langfristige Gewinn

Bei 600 EUR brutto monatlich erhaelt man im Midijob vollwertige Rentenpunkte auf Basis des Bruttogehalts. Pro Jahr sind das rund 0,1587 Rentenpunkte, was einer monatlichen Rentenanwartschaft von etwa 6,24 EUR pro Arbeitsjahr entspricht. Ueber 10 Arbeitsjahre sammelt man so rund 62 EUR monatliche Rente an. Im Minijob ohne freiwillige RV-Einzahlung: null Rente.

Wann lohnt sich der Minijob trotzdem?

Es gibt wenige Situationen, in denen der Minijob bei gleichem oder aehnlichem Verdienst vorteilhafter ist. Dazu gehoeren: Wenn man bereits ueber den Ehepartner familienversichert ist und kein eigenes Einkommen fuer die Sozialversicherung benoetigt. Wenn man nur voruebergehend arbeitet (wenige Monate) und die Sozialversicherungsansprueche ohnehin nicht relevant sind. Wenn der Minijob neben einem voll sozialversicherungspflichtigen Hauptjob ausgeubt wird — dann ist der Minijob steuer- und SV-frei, waehrend ein Midijob als Zweitjob voll verbeitragt und mit Steuerklasse VI besteuert wuerde.

Die Grauzone: 539 bis 600 EUR

Der Bereich direkt ueber der Minijob-Grenze ist besonders attraktiv. Die Sozialabgaben steigen gleitend, sind aber im unteren Bereich minimal. Bei 550 EUR brutto betragen die Arbeitnehmer-Sozialabgaben etwa 3-5 EUR. Bei 570 EUR etwa 8-10 EUR. Bei 600 EUR etwa 15-25 EUR. Der Netto-Vorteil gegenueber dem Minijob (538 EUR) waechst also schneller als die Abzuege. Und die vollstaendige soziale Absicherung gilt ab dem ersten Euro ueber der Grenze.

Typische Szenarien aus der Praxis

Szenario 1 — Studentin: Eine Studentin arbeitet als Werkstudentin und verdient bisher 538 EUR im Minijob. Ihr Arbeitgeber bietet ihr 700 EUR. Empfehlung: Annehmen. Die Abzuege betragen rund 30-40 EUR, sie bekommt also etwa 660 EUR netto statt 538 EUR. Zudem erwirbt sie Rentenansprueche und ist bei laengerer Krankheit abgesichert.

Szenario 2 — Rentnerin: Eine Rentnerin arbeitet im Supermarkt und verdient 538 EUR. Eine Stundenaufstockung wuerde 600 EUR bringen. Empfehlung: Abwaegen. Wenn sie bereits eine ausreichende Rente bezieht, ist der Krankengeldanspruch weniger relevant. Die zusaetzlichen Rentenpunkte sind aber auch im Alter noch wertvoll, da sie die laufende Rente erhoehen.

Szenario 3 — Arbeitnehmer mit Hauptjob: Ein Angestellter mit 3.500 EUR Hauptgehalt moechte einen Nebenjob aufnehmen. Empfehlung: Ein Minijob bis 538 EUR ist hier die bessere Wahl, da er steuer- und SV-frei ist. Ein Midijob als Zweitjob waere voll sozialversicherungspflichtig und wird mit Steuerklasse VI besteuert.

Fazit: 600 EUR im Midijob schlaegt 538 EUR im Minijob

Fuer die meisten Beschaeftigten ohne Hauptjob ist der Midijob ab 600 EUR die klar bessere Wahl. Die Netto-Differenz ist positiv (mehr Geld auf dem Konto), und die soziale Absicherung ist ungleich besser. Nur in speziellen Konstellationen (Familienversicherung, Zweitjob neben Hauptjob) kann der Minijob vorteilhafter sein. Nutze unseren Rechner, um dein persoenliches Ergebnis zu berechnen.