Goldstempel lesen: So erkennen Sie den Feingehalt
Bevor Sie den Wert eines Schmuckstücks berechnen können, müssen Sie wissen, wie viel Gold darin steckt. Den ersten Hinweis gibt der Stempel, auch Punze genannt. Er ist oft winzig und sitzt versteckt an der Innenseite eines Rings, am Verschluss einer Kette oder an der Öse eines Anhängers. Mit einer Lupe und etwas Übung lässt er sich aber meist gut lesen. Dieser Beitrag zeigt, welche Stempel es gibt, was sie bedeuten und was Sie tun können, wenn keiner zu finden ist.
Die gängigen Feingehaltsstempel
In Deutschland wird der Feingehalt in Tausendstel angegeben. Die häufigsten Stempel bei Gold sind 333, 375, 585, 750, 900, 916 und 999. Bei Silber finden Sie 800, 835, 925 und 999. In anderen Ländern ist die Angabe in Karat üblich:
1. 8 K oder 8 kt entspricht 333er Gold.
2. 9 K entspricht 375er Gold.
3. 14 K entspricht 585er Gold.
4. 18 K entspricht 750er Gold.
5. 22 K entspricht 916er Gold.
6. 24 K entspricht Feingold (999).
Ältere Stücke tragen manchmal abweichende Zahlen wie 583 oder 750 mit zusätzlichen Zeichen. Oft steht neben dem Feingehalt auch ein Hersteller- oder Meisterzeichen. Das ist kein Hinweis auf den Goldanteil, hilft aber bei der Einordnung eines Stücks.
Was schreibt das Gesetz vor?
Das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren schreibt keine Stempelpflicht vor. Wer den Feingehalt aber angibt, muss sich an die gesetzlichen Vorgaben halten: Die Angabe erfolgt in Tausendteilen, und der tatsächliche Gehalt darf nur geringfügig darunter liegen. Für Schmucksachen erlaubt das Gesetz beim Einschmelzen des ganzen Stücks eine Abweichung von höchstens 10 Tausendteilen. Ein korrekt gestempeltes Stück ist also ein recht verlässlicher Anhaltspunkt, eine Garantie gegen Fälschungen ist es nicht.
Vorsicht bei diesen Stempeln
Manche Stempel sehen nach Gold aus, bedeuten aber, dass nur eine dünne Goldschicht vorhanden ist:
1. GP oder GEP (gold plated, vergoldet): galvanisch vergoldet, der Kern ist unedles Metall.
2. GF (gold filled) oder RG (rolled gold): eine aufgewalzte Goldschicht, meist mit Angabe wie 1/20 12K. Der Goldanteil am Gesamtgewicht ist gering.
3. HGE (heavy gold electroplate): ebenfalls nur vergoldet.
4. Doublé oder Dublee: ältere Bezeichnung für Stücke mit Goldauflage.
Solche Stücke haben meist nur einen sehr geringen Materialwert. Ankäufer nehmen sie oft gar nicht an. Bei Silberbestecken stehen Zahlen wie 90 oder 100 für die Menge Silber in Gramm, die für die Versilberung von 24 Quadratdezimetern Fläche verwendet wurde. Es handelt sich also um versilberte, nicht massive Bestecke.
Kein Stempel: Was nun?
Fehlt der Stempel oder ist er abgenutzt, gibt es mehrere Wege, den Feingehalt zu bestimmen:
1. Magnettest: Gold und Silber sind nicht magnetisch. Zieht ein Magnet das Stück an, steckt ein Eisenkern darin. Umgekehrt beweist ein nicht magnetisches Stück aber noch nicht, dass es Gold ist.
2. Strichprobe: Das Stück wird auf einem Prüfstein abgerieben, der Strich mit Prüfsäuren für verschiedene Feingehalte behandelt. Die Methode ist bei Goldschmieden und Ankäufern üblich und hinterlässt kaum Spuren.
3. Röntgenfluoreszenzanalyse: Ein Messgerät bestimmt die Zusammensetzung der Oberfläche in Sekunden, ohne das Stück zu beschädigen. Viele Ankäufer nutzen solche Geräte.
Lassen Sie sich bei einer Prüfung das Ergebnis zeigen, bevor Sie verkaufen. Hat ein Stück keinen Stempel, rechnen Sie im Goldwert-Rechner zur Sicherheit mit dem niedrigsten plausiblen Feingehalt, etwa 333, und vergleichen Sie danach mit dem Prüfergebnis.
Tipps zum Lesen kleiner Stempel
Nutzen Sie eine Lupe mit mindestens zehnfacher Vergrößerung und gutes, seitlich einfallendes Licht. Reinigen Sie das Stück vorher vorsichtig mit warmem Wasser und einem weichen Tuch. Fotografieren Sie den Stempel mit dem Smartphone und vergrößern Sie das Bild. Notieren Sie für jedes Stück Stempel und Gewicht, dann lässt sich die ganze Sammlung schnell im Rechner erfassen.
Mehr zur Berechnung und zum Ankauf finden Sie im Ratgeber Goldwert berechnen.
