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Bürgergeld beantragen: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste

Redaktion
9 Min. Lesezeit
2026-01-22
Bürgergeld beantragen: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste

Vorabcheck: Habe ich überhaupt Anspruch?

Bevor Sie den Antrag stellen, lohnt sich ein Vorabcheck. Nutzen Sie unseren Bürgergeld-Rechner, um Ihren voraussichtlichen Anspruch zu berechnen. So vermeiden Sie unnötigen Aufwand, falls Ihr Einkommen oder Vermögen deutlich über den Grenzen liegt. Der Rechner berücksichtigt alle aktuellen Regelsätze, Freibeträge und die Vermögensprüfung für 2026.

Grundsätzlich haben Sie Anspruch, wenn Sie erwerbsfähig und zwischen 15 und 66 Jahre alt sind, Ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten können und Ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Auch wenn Sie arbeiten, aber zu wenig verdienen, können Sie als sogenannter Aufstocker ergänzendes Bürgergeld erhalten.

Schritt 1: Zuständiges Jobcenter finden

Zuständig ist das Jobcenter an Ihrem Wohnort. In den meisten Städten gibt es ein zentrales Jobcenter, in größeren Städten auch mehrere Standorte. Sie finden Ihr zuständiges Jobcenter über die Website der Bundesagentur für Arbeit unter jobcenter.digital, über eine Internetsuche nach Jobcenter plus Ihrem Wohnort oder über das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit.

Vereinbaren Sie nach Möglichkeit vorab einen Termin, um Wartezeiten zu vermeiden. Viele Jobcenter bieten inzwischen auch Online-Terminvereinbarungen an.

Schritt 2: Antrag ausfüllen

Der Bürgergeld-Antrag besteht aus einem Hauptantrag und mehreren Anlagen. Der Hauptantrag enthält Ihre persönlichen Daten, Angaben zur Bedarfsgemeinschaft (Partner, Kinder) und den Bewilligungszeitraum. Die Anlage EK (Einkommen) erfasst alle Einkünfte aller Haushaltsmitglieder: Lohn, Rente, Kindergeld, Unterhalt, Mieteinnahmen und sonstige Einkünfte. Die Anlage VM (Vermögen) erfasst Bankguthaben, Wertpapiere, Fahrzeuge, Immobilien und sonstige Vermögenswerte. Die Anlage KDU (Kosten der Unterkunft) erfasst Kaltmiete, Nebenkosten und Heizkosten.

Füllen Sie alle Felder vollständig und wahrheitsgemäß aus. Unvollständige Anträge führen zu Rückfragen und verzögern die Bearbeitung. Wenn Sie bei einzelnen Feldern unsicher sind, lassen Sie diese frei und klären Sie die Fragen im persönlichen Gespräch.

Schritt 3: Unterlagen zusammenstellen — Checkliste

Für den Antrag benötigen Sie folgende Unterlagen: Personalausweis oder Reisepass aller Haushaltsmitglieder, aktueller Mietvertrag mit Angabe von Kaltmiete, Nebenkosten und Heizkosten, die letzte Betriebskostenabrechnung, Einkommensnachweise aller Haushaltsmitglieder der letzten drei Monate (Lohnabrechnungen, Rentenbescheid, BAföG-Bescheid), Kontoauszüge aller Konten aller Haushaltsmitglieder der letzten drei Monate, Nachweise über Vermögen (Sparbuch, Depot-Auszüge, Fahrzeugbrief), Kindergeldbescheid (falls zutreffend), Bescheinigung über Schwangerschaft (falls zutreffend), Schwerbehindertenausweis (falls vorhanden), Aufenthaltsgenehmigung bei ausländischen Staatsangehörigen sowie Nachweise über laufende Versicherungen.

Tipp: Machen Sie von allen eingereichten Unterlagen Kopien für Ihre eigenen Akten. So können Sie bei Rückfragen schnell nachsehen und haben im Streitfall Belege.

Schritt 4: Antrag einreichen

Reichen Sie den Antrag mit allen Unterlagen beim Jobcenter ein. Sie haben mehrere Möglichkeiten: persönlich beim Jobcenter abgeben und sich den Eingang quittieren lassen, per Post als Einschreiben mit Rückschein senden, oder online über jobcenter.digital einreichen (in vielen Kommunen möglich).

Wichtig: Das Bürgergeld wird ab dem Monat der Antragstellung gewährt, nicht rückwirkend. Wenn Sie also am 15. März den Antrag stellen, erhalten Sie Bürgergeld ab dem 1. März. Stellen Sie den Antrag daher so früh wie möglich, auch wenn noch nicht alle Unterlagen komplett sind. Fehlende Dokumente können nachgereicht werden.

Schritt 5: Bearbeitung und Bescheid

Nach der Antragstellung prüft das Jobcenter Ihre Angaben. Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel drei bis sechs Wochen, kann in Einzelfällen aber auch länger dauern. Während der Bearbeitung kann das Jobcenter zusätzliche Unterlagen anfordern oder Rückfragen stellen. Reagieren Sie auf solche Anfragen möglichst schnell.

Nach Abschluss der Prüfung erhalten Sie einen Bewilligungsbescheid. Dieser enthält die Höhe des monatlichen Bürgergelds, die Aufschlüsselung nach Regelbedarf und KdU, den Bewilligungszeitraum (in der Regel 12 Monate) und die Berechnungsgrundlagen. Prüfen Sie den Bescheid sorgfältig. Wenn Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Schritt 6: Weiterleistungsantrag rechtzeitig stellen

Der Bewilligungszeitraum beträgt in der Regel 12 Monate. Etwa zwei Monate vor Ablauf erinnert das Jobcenter schriftlich an die Möglichkeit eines Weiterleistungsantrags. Stellen Sie diesen rechtzeitig, um eine lückenlose Zahlung sicherzustellen. Für den Weiterleistungsantrag benötigen Sie aktualisierte Einkommensnachweise und Kontoauszüge.

Beachten Sie auch: Bei wesentlichen Änderungen Ihrer Verhältnisse (Einkommenserhöhung, Umzug, Änderung der Bedarfsgemeinschaft) müssen Sie das Jobcenter unverzüglich informieren. Nicht gemeldete Änderungen können zu Rückforderungen führen.