Minusstunden: Wann Sie nacharbeiten müssen und wann nicht

Redaktion
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2026-09-24
Minusstunden: Wann Sie nacharbeiten müssen und wann nicht

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Was sind Minusstunden?

Minusstunden entstehen, wenn Sie in einem Zeitraum weniger arbeiten als vertraglich vereinbart. Bei 40 Soll-Stunden pro Woche und 37 tatsächlich geleisteten Stunden stehen 3 Minusstunden auf dem Konto. Ob diese Stunden überhaupt zählen und ob Sie sie nacharbeiten müssen, hängt vor allem von zwei Fragen ab: Wer hat den Ausfall verursacht, und was steht im Arbeitsvertrag, in der Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag?

Grundregel: Der Arbeitgeber trägt das Betriebsrisiko

Weist Ihnen der Arbeitgeber keine Arbeit zu, etwa weil Aufträge fehlen, eine Maschine ausfällt oder er Sie früher nach Hause schickt, behalten Sie nach § 615 BGB Ihren Lohn. Die ausgefallene Zeit müssen Sie nicht nacharbeiten. Der Arbeitgeber darf solche Stunden deshalb grundsätzlich nicht als Minusstunden verbuchen, denn das Risiko, Sie nicht beschäftigen zu können, liegt bei ihm.

Anders ist es, wenn Sie selbst weniger arbeiten: Sie kommen später, gehen früher oder erledigen Privates während der Arbeitszeit. Gibt es ein Arbeitszeitkonto oder eine Gleitzeitregelung, werden diese Stunden als Minusstunden gezählt und später ausgeglichen. Fehlt eine solche Regelung, kann der Arbeitgeber für die nicht geleistete Zeit grundsätzlich den Lohn kürzen.

Krankheit, Urlaub und Feiertage erzeugen keine Minusstunden

Sind Sie arbeitsunfähig krank, erhalten Sie nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz bis zu sechs Wochen Ihr Gehalt so, als hätten Sie gearbeitet. Angerechnet wird die Zeit, die Sie ohne Krankheit gearbeitet hätten. Dasselbe gilt für gesetzliche Feiertage (§ 2 EFZG) und für Urlaubstage. Ein Arbeitgeber, der für einen Krankheitstag Minusstunden bucht, handelt also in aller Regel falsch.

Das Arbeitszeitkonto

Viele Betriebe führen ein Arbeitszeitkonto, auf dem Plus- und Minusstunden gegeneinander verrechnet werden. Dafür braucht es eine Grundlage im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag. Sie legt meist fest, wie viele Minusstunden höchstens auflaufen dürfen und in welchem Zeitraum das Konto ausgeglichen werden muss.

Auch auf einem Arbeitszeitkonto sollten grundsätzlich nur Minusstunden landen, über die Sie selbst entschieden haben, zum Beispiel weil Sie in der Gleitzeit früher gegangen sind. Fehlt Arbeit, weil der Betrieb schlecht ausgelastet ist, bleibt das nach der Rechtsprechung im Grundsatz das Risiko des Arbeitgebers. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen können hier eigene Regeln enthalten. Lesen Sie deshalb die Vereinbarung genau.

Was passiert mit Minusstunden bei einer Kündigung?

Endet das Arbeitsverhältnis mit einem negativen Arbeitszeitkonto, stellt sich die Frage, ob der Arbeitgeber die Minusstunden vom letzten Gehalt abziehen darf. Das Bundesarbeitsgericht behandelt ein negatives Konto wie einen Vorschuss auf das Gehalt. Eine Verrechnung ist danach möglich, wenn das Konto auf einer Vereinbarung beruht und Sie selbst bestimmen konnten, ob und wann die Minusstunden entstehen. Hat dagegen der Arbeitgeber Ihre Arbeit nicht abgerufen, darf er die Stunden nicht einfach abziehen.

Unser Tipp: Bauen Sie Minusstunden vor dem Ausscheiden möglichst ab, und lassen Sie sich den Kontostand schriftlich bestätigen. Bei Streit helfen Betriebsrat, Gewerkschaft oder eine Fachanwältin für Arbeitsrecht.

Minusstunden richtig berechnen

Ein Beispiel: Sie arbeiten von Montag bis Donnerstag jeweils von 8:00 bis 16:30 Uhr mit 30 Minuten Pause, also 8 Stunden am Tag. Am Freitag gehen Sie um 13:00 Uhr, ohne Pause sind das 5 Stunden. In der Woche kommen Sie auf 37 Stunden. Bei 40 Soll-Stunden ergibt das 3 Minusstunden, als Dezimalzahl −3,00.

Im Arbeitszeitrechner tragen Sie dafür Ihre tatsächlichen Zeiten und Ihre Soll-Stunden ein. Der Rechner zeigt Über- oder Minusstunden sofort in Stunden und Minuten und als Dezimalwert. Welche Regeln für Pausen und Höchstarbeitszeit gelten, lesen Sie im Ratgeber Arbeitszeitgesetz 2026. Und falls Ihr Konto im Plus steht, zeigt der Überstunden-Rechner, was die Mehrarbeit netto wert ist.

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.

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