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Altersvorsorgedepot oder freier ETF-Sparplan? Der ehrliche Vergleich

Redaktion
7 Min. Lesezeit
2026-09-24
Altersvorsorgedepot oder freier ETF-Sparplan? Der ehrliche Vergleich

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Gefördert und gebunden oder frei und ohne Zulage?

Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot: Sie sparen in Fonds und ETFs, der Staat legt Zulagen dazu, und die Erträge bleiben bis zur Auszahlung steuerfrei (Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. 2026 I Nr. 156; Stand 24. September 2026). Viele Anlegerinnen und Anleger besitzen aber bereits einen gewöhnlichen ETF-Sparplan. Lohnt sich der Wechsel oder die Ergänzung? Wir vergleichen beide Wege ehrlich – mit ihren Stärken und Schwächen.

Was für das Altersvorsorgedepot spricht

  • Zulagen: Bis zu 540 € Grundzulage im Jahr, dazu bis zu 300 € pro Kind. Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag beträgt die Förderquote 50 %.
  • Steuerfreie Ansparphase: Keine Abgeltungsteuer und keine Vorabpauschale, solange das Geld im Depot liegt.
  • Zusätzlicher Steuervorteil: Bei höherem Grenzsteuersatz erstattet das Finanzamt über die Günstigerprüfung einen Teil zusätzlich.
  • Kostendeckel: Das Standarddepot darf höchstens 1,0 % Effektivkosten im Jahr verlangen.

Was für den freien ETF-Sparplan spricht

  • Flexibilität: Sie kommen jederzeit an Ihr Geld – für eine Immobilie, eine Auszeit oder einen Notfall.
  • Keine Obergrenze: Sie können so viel sparen, wie Sie möchten; beim Altersvorsorgedepot sind höchstens 6.840 € im Jahr erlaubt, gefördert werden 1.800 €.
  • Günstige Besteuerung: Gewinne werden mit der Abgeltungsteuer belastet; bei Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung), und der Sparerpauschbetrag bleibt komplett steuerfrei.
  • Sehr niedrige Kosten: Breit gestreute ETFs kosten oft weniger als 0,3 % im Jahr.

Der Rechenvergleich

Unser Altersvorsorgedepot-Rechner stellt beide Wege nebeneinander: gleicher Eigenbeitrag, gleiche Rendite, gleiche Kosten. Beim Altersvorsorgedepot wird die Auszahlung mit Ihrem persönlichen Steuersatz im Ruhestand belastet, beim ETF-Sparplan fällt Abgeltungsteuer auf die Gewinne an.

Beispiel: 35 Jahre alt, 150 € im Monat bis 67, 6 % Rendite, 0,8 % Kosten, Grenzsteuersatz heute 30 %, Steuersatz im Ruhestand 20 %, keine Kinder. Das Altersvorsorgedepot erreicht vor Steuern rund 186.000 €, der ETF-Sparplan rund 144.000 €. Nach Steuern bleiben beim geförderten Depot rund 149.000 € plus gut 5.000 € Steuererstattungen während der Ansparphase; beim ETF-Sparplan rund 128.000 €. Der Vorteil des Altersvorsorgedepots liegt damit bei gut 26.000 €.

Mit Kindern wird der Abstand deutlich größer. Eine Mutter von zwei Kindern, die nur 25 € im Monat spart, erhält 750 € Zulagen im Jahr – mehr als das Doppelte ihres Eigenbeitrags. Über 37 Jahre summiert sich das nach unserer Modellrechnung auf einen Vorteil von über 40.000 € gegenüber einem gleich hohen ETF-Sparplan.

Wann der ETF-Sparplan vorne liegen kann

  • Sehr hohe Beiträge: Wer 570 € im Monat einzahlt, erhält trotzdem nur 540 € Grundzulage. Die Förderquote sinkt dann unter 8 %, und der Vorteil hängt stark vom Steuersatz im Alter ab.
  • Hoher Steuersatz im Ruhestand: Wer im Alter hohe Einkünfte erwartet, zahlt auf die Auszahlungen entsprechend mehr Steuern.
  • Deutlich höhere Kosten im Altersvorsorgedepot: Liegen die Kosten nahe am Deckel, während Ihr ETF-Sparplan fast nichts kostet, schrumpft der Vorsprung.
  • Geld vor 65 benötigt: Eine schädliche Verwendung kann dazu führen, dass Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.

Die Kombination als Strategie

Für viele wird die beste Lösung eine Kombination sein: Den geförderten Teil – bis 150 € im Monat oder, mit Kindern, mindestens 25 € – ins Altersvorsorgedepot, alles darüber hinaus in einen freien ETF-Sparplan. So nehmen Sie die Zulagen mit und bleiben trotzdem flexibel. Was ein freier Sparplan langfristig bringen kann, berechnen Sie mit dem ETF-Sparplan-Rechner. Den Gesamtüberblick über Zulagen, Steuern und Auszahlung finden Sie im Leitfaden Altersvorsorgedepot 2027.

Fazit

Bei kleinen und mittleren Beiträgen, mit Kindern und bei langer Laufzeit spricht vieles für das Altersvorsorgedepot. Der freie ETF-Sparplan bleibt die bessere Wahl für Geld, das Sie vor dem Ruhestand brauchen könnten, und für Beträge oberhalb der Fördergrenze. Die Zahlen in diesem Artikel sind Modellrechnungen mit konstanter Rendite und vereinfachter Besteuerung; alle Angaben ohne Gewähr und ohne Anlageberatung.

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