Warum es mehrere Zinsmethoden gibt
Die Zinsformel Z = K · p · t / 100 ist eindeutig, solange die Zeit in ganzen Jahren angegeben ist. Sobald es um Tage geht, stellt sich eine Frage, die überraschend viele Antworten hat: Wie viele Tage hat ein Monat und wie viele ein Jahr? Die sogenannten Zinsmethoden oder Tageszählkonventionen beantworten genau das. Je nach Methode bringt dieselbe Anlage leicht unterschiedliche Zinsen.
Im Zinsrechner können Sie alle vier gängigen Methoden auswählen und die Ergebnisse direkt vergleichen.
Die vier Methoden im Überblick
30/360: die deutsche Methode
Jeder Monat hat 30 Tage, das Jahr 360 Tage. Der 31. eines Monats wird wie der 30. behandelt, der letzte Februartag ebenfalls. Die Methode heißt auch kaufmännische Zinsrechnung. Sie ist bequem, weil sich Monate sauber umrechnen lassen: Drei Monate sind immer 90 Zinstage, ein halbes Jahr immer 180. Deshalb ist sie in Schulbüchern Standard und wird bei vielen Sparbüchern und Sparverträgen verwendet.
act/360: die Eurozinsmethode
Hier zählen die tatsächlichen Kalendertage (actual), geteilt wird aber durch 360. Weil ein echtes Jahr 365 Tage hat, ergibt ein volles Jahr nach act/360 etwas mehr als den Nominalzins: 365 / 360 = 1,0139. Aus 3 % werden so effektiv rund 3,04 %. Die Methode ist am Geldmarkt und bei vielen Tagesgeld- und Festgeldkonten in der Eurozone üblich.
act/365: die englische Methode
Tatsächliche Tage geteilt durch 365, auch im Schaltjahr. Ein volles Jahr entspricht damit genau dem Nominalzins, außer im Schaltjahr, wo 366 / 365 herauskommt. Die Methode ist in Großbritannien verbreitet und wird in Deutschland häufig für Verzugszinsen nach § 288 BGB verwendet.
act/act: taggenau
Tatsächliche Tage geteilt durch die tatsächliche Länge des Jahres, also 365 oder 366 Tage. Läuft der Zeitraum über einen Jahreswechsel, wird jedes Kalenderjahr getrennt gerechnet. Diese Methode ist die genaueste und bei Anleihen üblich, etwa bei der Berechnung von Stückzinsen.
Rechenbeispiel: 10.000 € zu 3 % vom 1. Februar bis 1. August 2026
Der Zeitraum umfasst 181 tatsächliche Tage (Februar 28, März 31, April 30, Mai 31, Juni 30, Juli 31) und nach der deutschen Methode 180 Zinstage.
- 30/360: 10.000 · 3 · 180 / 36.000 = 150,00 €
- act/360: 10.000 · 3 · 181 / 36.000 = 150,83 €
- act/365: 10.000 · 3 · 181 / 36.500 = 148,77 €
- act/act: 2026 ist kein Schaltjahr, also wie act/365 = 148,77 €
Die Spanne beträgt gut 2 €. Bei größeren Beträgen oder längeren Laufzeiten wächst sie entsprechend: Bei 100.000 € wären es rund 20 €.
Wo die Unterschiede besonders auffallen
Monatsende und Februar
Vom 31. Januar bis 28. Februar 2026 liegen 28 tatsächliche Tage. Nach der deutschen Methode sind es 30 Zinstage, weil beide Daten als 30. gelten. In Monaten mit 31 Tagen ist es umgekehrt: Vom 1. bis 31. März zählt act 30 Tage, die deutsche Methode nur 29, weil der 31. als 30. gilt. Solche Effekte gleichen sich über ein Jahr aus, bei kurzen Zeiträumen können sie aber auffallen.
Schaltjahre
Im Schaltjahr 2028 hat der Februar 29 Tage. act/365 teilt trotzdem durch 365, act/act durch 366. Ein ganzes Schaltjahr ergibt nach act/365 also 366 / 365 des Jahreszinses, nach act/act genau den Jahreszins.
Volle Jahre
Bei einem vollen Kalenderjahr liefern 30/360 und act/act genau den Nominalzins. act/360 liefert etwas mehr, act/365 im Schaltjahr ebenfalls.
Welche Methode soll ich wählen?
- Schulaufgaben: 30/360, sofern die Aufgabe nichts anderes sagt.
- Tagesgeld, Festgeld: steht in den Vertragsbedingungen, häufig act/360 oder act/365.
- Verzugszinsen: in der Praxis meist act/365.
- Anleihen: in der Regel act/act.
- Private Darlehen: frei vereinbar, am einfachsten 30/360 oder act/365.
Wenn Sie nachrechnen möchten, was Ihre Bank gutgeschrieben hat, lohnt ein Blick in die Vertragsbedingungen. Die dort genannte Methode stellen Sie im Rechner ein, dann sollte das Ergebnis auf den Cent passen.
Fazit
Die Zinsmethode entscheidet, wie aus Tagen ein Jahresanteil wird. Für die Schule ist 30/360 der Standard, Banken und Gerichte rechnen meist mit den tatsächlichen Tagen. Die Unterschiede sind klein, aber messbar. Mehr zur Zinsformel und ihren Umstellungen lesen Sie im Ratgeber Zinsrechnung einfach erklärt.
