Steuerklassen 2026: Welche Kombination lohnt sich für Paare?
Kaum ein Thema sorgt bei frisch verheirateten Paaren für so viel Verwirrung wie die Steuerklassenwahl. Muss der Höherverdiener in die III? Bringt III/V wirklich mehr Geld? Und was hat es mit dem Faktorverfahren auf sich? Dieser Ratgeber räumt mit den häufigsten Missverständnissen auf und zeigt, worauf es bei der Wahl tatsächlich ankommt — und worauf eben nicht.
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Ob Sie IV/IV oder III/V wählen, entscheidet nicht darüber, wie viel Steuern Sie am Ende zahlen. Es entscheidet nur darüber, wann und bei wem das Geld unterm Jahr landet. Wer das verstanden hat, trifft die Wahl deutlich gelassener. Ihre persönlichen Zahlen können Sie jederzeit im <a href="/steuerklassen-rechner">Steuerklassen-Rechner</a> vergleichen.
Welche Kombinationen gibt es überhaupt?
Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften stehen drei Varianten zur Auswahl. Erstens die Kombination IV/IV: Beide Partner haben Steuerklasse IV und werden im Grunde wie Alleinstehende besteuert — jeder behält seinen vollen Grundfreibetrag. Zweitens III/V: Ein Partner wählt Klasse III mit doppeltem Grundfreibetrag und niedriger Lohnsteuer, der andere Klasse V mit entsprechend höheren Abzügen. Und drittens IV/IV mit Faktor, eine Sonderform, bei der beide in Klasse IV bleiben, aber ein individueller Faktor die Steuerlast fair verteilt.
Warum III/V mehr Netto im Monat bringen kann
In Klasse III wird dem Höherverdiener der doppelte Grundfreibetrag zugerechnet. Die monatlich einbehaltene Lohnsteuer fällt dadurch deutlich niedriger aus. Der Geringverdiener in Klasse V zahlt zwar überproportional viel, doch weil er insgesamt weniger verdient, überwiegt in der Summe oft der Vorteil beim Höherverdiener. Das gemeinsame Netto steigt — allerdings nur scheinbar, denn es handelt sich lediglich um eine Vorauszahlung, die später verrechnet wird.
Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt entscheidend vom Einkommensverhältnis ab. Liegen die Gehälter weit auseinander, etwa 4.000 zu 2.000 Euro, ist der Liquiditätsvorteil von III/V spürbar. Verdienen beide ähnlich viel, schrumpft er auf nahezu null — und dann ist IV/IV die unkompliziertere Wahl.
Der große Haken: die Nachzahlung
Weil bei III/V unterm Jahr tendenziell zu wenig Lohnsteuer einbehalten wird, holt sich das Finanzamt die Differenz über die Einkommensteuererklärung zurück. Für Paare mit dieser Kombination besteht deshalb eine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung. Wer den monatlichen Liquiditätsvorteil ausgibt, statt ihn zurückzulegen, erlebt am Jahresende eine unangenehme Überraschung. Planen Sie eine Nachzahlung von vornherein ein.
Das Faktorverfahren als fairer Mittelweg
Seit einigen Jahren gibt es mit dem Faktorverfahren eine dritte Option, die die Vorteile beider Welten verbindet. Beide Partner bleiben in Klasse IV, das Finanzamt trägt zusätzlich einen Faktor kleiner als 1 ein. Dieser sorgt dafür, dass die monatliche Lohnsteuer bereits ziemlich genau der voraussichtlichen gemeinsamen Jahressteuer entspricht. Ergebnis: mehr Netto als bei reiner IV/IV, faire Verteilung zwischen den Partnern und meist keine Nachzahlung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel zum Faktorverfahren.
Steuerklasse und Lohnersatzleistungen
Ein oft übersehener Punkt: Die Steuerklasse beeinflusst nicht nur die monatliche Auszahlung, sondern auch Lohnersatzleistungen wie Elterngeld, Kranken-, Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Diese orientieren sich am Netto. Wer vor der Elternzeit oder einer drohenden Arbeitslosigkeit in eine günstigere Steuerklasse wechselt, kann seine spätere Leistung spürbar erhöhen. Entscheidend ist das Timing — der Wechsel muss rechtzeitig vor dem Bemessungszeitraum erfolgen.
Fazit: erst rechnen, dann wählen
Die richtige Steuerklassen-Kombination ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern von Timing, Liquidität und persönlicher Planung. Für die reine Steuerlast ist die Wahl neutral, für Ihren monatlichen Kontostand und für Lohnersatzleistungen aber durchaus relevant. Vergleichen Sie IV/IV, III/V und das Faktorverfahren mit Ihren eigenen Gehältern im <a href="/steuerklassen-rechner">Steuerklassen-Rechner</a> und entscheiden Sie dann bewusst.
