LPG und CNG: Die vergessenen Alternativen
Während die öffentliche Debatte sich auf Elektro vs. Verbrenner konzentriert, fristen LPG (Flüssiggas/Autogas) und CNG (Erdgas/Compressed Natural Gas) ein Nischendasein. Dabei bieten beide Antriebsarten einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Benzin und Diesel – und das bei geringeren Emissionen.
LPG (Autogas): Günstig durch Umrüstung
LPG ist ein Nebenprodukt der Erdölraffination und der günstigste Kraftstoff an der Tankstelle. Der aktuelle Preis liegt bei etwa 0,75 EUR/L – weniger als die Hälfte von Benzin. Allerdings verbraucht ein LPG-Fahrzeug etwa 15-20% mehr als mit Benzin, da LPG einen geringeren Energiegehalt hat.
Kostenvergleich LPG vs. Benzin bei 15.000 km/Jahr
Benzin: 7,5 L/100km × 1,75 EUR = 1.969 EUR/Jahr. LPG: 10,0 L/100km × 0,75 EUR = 1.125 EUR/Jahr. Ersparnis: 844 EUR pro Jahr.
Umrüstung: Kosten und Amortisation
Die Umrüstung eines Benziners auf LPG-Betrieb kostet zwischen 1.500 und 3.000 EUR, je nach Fahrzeug und Anlage. Die Anlage besteht aus einem Gastank (meist im Reserveradmulde), Verdampfer, Gaseinspritzung und Steuergerät. Das Fahrzeug behalt seinen Benzintank und kann jederzeit umschalten.
Bei einer jährlichen Ersparnis von 844 EUR amortisiert sich die Umrüstung in 1,8 bis 3,6 Jahren. Für Fahrzeuge mit hoher Restlaufzeit (mindestens 4-5 Jahre geplant) ist LPG daher eine wirtschaftlich sinnvolle Option.
Tankstellennetz
Mit rund 6.000 LPG-Tankstellen in Deutschland ist die Versorgung gut – deutlich besser als bei CNG oder Wasserstoff. An fast jeder größeren Tankstelle gibt es eine LPG-Säule. Für längere Strecken kann im Notfall jederzeit auf Benzin umgeschaltet werden.
CNG (Erdgas): Günstig ab Werk
CNG-Fahrzeuge werden von einigen Herstellern ab Werk angeboten. Erdgas hat einen höheren Energiegehalt als LPG, weshalb der Verbrauch vergleichbar mit Benzin ist – bei deutlich niedrigerem Preis.
Kostenvergleich CNG vs. Benzin bei 15.000 km/Jahr
Benzin: 7,5 L/100km × 1,75 EUR = 1.969 EUR/Jahr. CNG: 4,5 kg/100km × 1,35 EUR = 911 EUR/Jahr. Ersparnis: 1.058 EUR pro Jahr.
Die Ersparnis ist sogar höher als bei LPG, und es fällt keine Umrüstung an. Allerdings liegt der Aufpreis für ein CNG-Modell gegenüber dem Benziner-Äquivalent bei 1.500-3.000 EUR.
Das Problem: Dünnes Tankstellennetz
Mit nur rund 800 CNG-Tankstellen in Deutschland ist die Infrastruktur der größte Nachteil. Auf längeren Strecken muss sorgfältig geplant werden. Viele CNG-Fahrzeuge haben daher einen zusätzlichen Benzintank als Reserve. Die Zahl der Tankstellen stagniert, da der politische Fokus auf Elektromobilität liegt.
Emissionsvergleich
Beide alternativen Kraftstoffe sind sauberer als Benzin und Diesel: LPG: ca. 15% weniger CO2 als Benzin, weniger Feinstaub. CNG: ca. 25% weniger CO2 als Benzin, kaum Feinstaub. Zum Vergleich: Ein E-Auto im deutschen Strommix produziert etwa 60% weniger CO2 als ein Benziner. LPG und CNG sind also ein Mittelweg – besser als Benzin, aber nicht so sauber wie Elektro.
Fazit: Für wen lohnt sich der Umstieg?
LPG eignet sich besonders für Benzinfahrer, die ihr bestehendes Fahrzeug noch länger nutzen möchten und jährlich mindestens 12.000-15.000 km fahren. Die Amortisation ist schnell, das Tankstellennetz gut. CNG ist ideal für Neuwagenkaufer, die ein günstiges Fahrzeug ab Werk suchen und in einer Region mit akzeptabler CNG-Infrastruktur leben. Beide Optionen werden langfristig durch Elektromobilität verdrängt, bieten aber heute noch einen echten Kostenvorteil.
