Rente mit 63: was der frühe Ausstieg kostet
Kaum ein Begriff hält sich so hartnäckig wie die „Rente mit 63“. Gemeint sind zwei völlig verschiedene Dinge, und die Verwechslung kostet Menschen jedes Jahr fünfstellige Beträge. Die eine Variante ist abschlagsfrei, die andere kostet dauerhaft 14,4 Prozent. Welche für Sie gilt, entscheidet allein die Zahl Ihrer Wartezeitjahre.
Zwei Rentenarten, ein Missverständnis
Die Altersrente für langjährig Versicherte setzt 35 Wartezeitjahre voraus und ist ab 63 möglich — allerdings mit vollem Abschlag bis zur Regelaltersgrenze. Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte verlangt 45 Wartezeitjahre und ist abschlagsfrei; für alle ab Jahrgang 1964 beginnt sie mit 65 Jahren, also zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze von 67.
Die umgangssprachliche „Rente mit 63“ meint eigentlich die zweite Variante. Ihr Startalter ist aber längst nicht mehr 63: Für den Jahrgang 1952 war es tatsächlich 63, seither steigt es stufenweise an. Wer heute Mitte fünfzig ist, sollte die Grenze für seinen Jahrgang genau kennen — der Rentenrechner weist sie aus, sobald Sie Ihr Alter und Ihre Beitragsjahre eingetragen haben.
Was die 45 Jahre wert sind
Nehmen wir jemanden mit 40 Entgeltpunkten, Jahrgang 1965, Regelaltersgrenze 67. Mit 45 Wartezeitjahren kann diese Person mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen und erhält 40 × 42,52 € = 1.700,80 € brutto. Zwei Jahre früher aufhören, ohne einen Cent Abschlag — der Wert dieser Regelung beträgt über 24 Monate rund 40.800 € an zusätzlich bezogener Rente.
Dieselbe Person mit nur 38 Wartezeitjahren müsste bis 67 warten oder mit Abschlag früher gehen. Bei einem Start mit 65 wären das 24 Monate × 0,3 Prozent = 7,2 Prozent Abschlag: 1.578,34 € statt 1.700,80 €, also 122,46 € weniger — für den Rest des Lebens. Über 20 Rentenjahre summiert sich das auf fast 30.000 €.
Der volle Abschlag: Start mit 63
Wer mit 35 Wartezeitjahren tatsächlich schon mit 63 aufhört, trifft auf den maximalen Abschlag von 14,4 Prozent — 48 Monate zu je 0,3 Prozent. Aus 1.700,80 € werden 1.455,88 €. Der Verlust beträgt 244,92 € im Monat oder 2.939,04 € im Jahr. Netto fällt der Unterschied etwas kleiner aus, weil auch Kranken-, Pflegeversicherung und Steuer sinken, doch die Größenordnung bleibt.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, der oft übersehen wird: In den vier Jahren zwischen 63 und 67 sammeln Sie keine weiteren Entgeltpunkte mehr. Bei einem Durchschnittsverdienst wären das rund 4,0 Punkte oder 170 € zusätzliche Monatsrente gewesen. Der frühe Ausstieg kostet also doppelt — durch den Abschlag und durch die entgangenen Beitragsjahre.
Rechnet sich der frühe Ausstieg trotzdem?
Rein rechnerisch überraschend oft. Wer mit 63 startet, bezieht 48 Monate lang Rente, die der Spätrentner gar nicht bekommt: 48 × 1.455,88 € = 69.882,24 €. Diesen Vorsprung muss die höhere Rente erst aufholen, und zwar mit 244,92 € Differenz pro Monat. Das dauert rund 285 Monate — knapp 24 Jahre. Der Break-even liegt damit erst jenseits des 90. Lebensjahres.
Wer überwiegend auf die Summe schaut, fährt mit dem frühen Start statistisch also nicht schlecht. Anders sieht es aus, wenn die Rente knapp ist: Ein dauerhaft um 245 € niedrigerer Monatsbetrag kann im hohen Alter, wenn Pflege- und Gesundheitskosten steigen, zum echten Problem werden. Und der Abschlag wirkt sich später auch auf eine Hinterbliebenenrente aus.
Wartezeitjahre und Ausgleichszahlungen
Für die 45 Jahre zählen Pflichtbeitragszeiten aus Beschäftigung und selbstständiger Tätigkeit, Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Wehr- und Zivildienst sowie Zeiten des Bezugs von Kranken- oder Übergangsgeld; Arbeitslosengeld in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn zählt bewusst nicht mit. Für die 35 Jahre ist der Maßstab großzügiger — dort zählen zusätzlich Schul- und Studienzeiten sowie Zeiten der Arbeitslosigkeit, sodass viele Menschen diese Wartezeit erfüllen, ohne es zu wissen. Ab dem 50. Lebensjahr können Sie außerdem Ausgleichszahlungen leisten, um einen geplanten Abschlag zurückzukaufen; sie sind im Jahr der Zahlung als Altersvorsorgeaufwendung absetzbar. Welche Summe dabei auf dem Spiel steht, zeigt Ihnen die Tabelle im Rentenrechner für jedes Eintrittsalter von 63 bis 70.
