Warum zahlen Diesel mehr Kfz-Steuer?
Auf den ersten Blick erscheint die Kfz-Steuer für Dieselfahrzeuge unfair: Der Hubraum-Satz beträgt 9,50 Euro pro angefangene 100 ccm — fast fünfmal so viel wie die 2,00 Euro für Benziner. Doch dieser Aufschlag hat einen konkreten Grund: Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) auf Dieselkraftstoff ist in Deutschland deutlich niedriger als auf Benzin. Pro Liter zahlen Dieselfahrer rund 18 Cent weniger Energiesteuer. Die höhere Kfz-Steuer soll diesen Vorteil an der Tankstelle teilweise kompensieren.
Vergleich der Hubraum-Sätze
Der Unterschied wird besonders bei größeren Motoren deutlich. Ein 1.500-ccm-Benziner zahlt 30 Euro Hubraum-Anteil pro Jahr. Ein 1.500-ccm-Diesel hingegen 150 Euro — also fünfmal so viel. Bei einem 2.000-ccm-Motor wird die Differenz noch größer: 40 Euro (Benzin) gegen 190 Euro (Diesel). Der Hubraum-Nachteil des Diesels ist also erheblich und beträgt je nach Motorisierung 120 bis 300 Euro pro Jahr.
Diesels haben oft niedrigeren CO₂-Ausstoß
Dieselmotoren sind in der Regel effizienter als Benziner gleicher Leistungsklasse und stoßen pro Kilometer weniger CO₂ aus. Bei einem typischen Kompaktwagen beispielsweise liegt der 1.5-Liter-Benziner bei etwa 130–140 g/km CO₂ (WLTP), während der 2.0-Liter-Diesel trotz größerem Hubraum nur auf 115–125 g/km kommt. Dadurch fällt der CO₂-Anteil der Kfz-Steuer beim Diesel niedriger aus — das kompensiert einen Teil des Hubraum-Nachteils.
Konkreter Vergleich: Kompaktwagen 1.5 TSI (Benzin) vs. 2.0 TDI (Diesel)
Rechnen wir ein konkretes Beispiel durch: Ein Kompaktwagen mit Benzinmotor (1.498 ccm, 130 g/km CO₂, Erstzulassung 2024) zahlt: Hubraum-Anteil: 15 × 2,00 Euro = 30,00 Euro. CO₂-Anteil: 20 g (96–115) × 2,00 Euro + 15 g (116–130) × 2,20 Euro = 40,00 + 33,00 = 73,00 Euro. Gesamt: 103,00 Euro pro Jahr.
Der gleiche Wagen mit Dieselmotor (1.968 ccm, 120 g/km CO₂, Erstzulassung 2024) zahlt: Hubraum-Anteil: 20 × 9,50 Euro = 190,00 Euro. CO₂-Anteil: 20 g (96–115) × 2,00 Euro + 5 g (116–120) × 2,20 Euro = 40,00 + 11,00 = 51,00 Euro. Gesamt: 241,00 Euro pro Jahr.
Der Diesel zahlt also 138 Euro mehr Kfz-Steuer pro Jahr — trotz niedrigerem CO₂-Ausstoß.
Break-Even-Analyse: Ab welcher Fahrleistung lohnt sich Diesel?
Die höhere Kfz-Steuer des Diesels wird durch den niedrigeren Verbrauch teilweise ausgeglichen. In diesem Vergleich verbraucht der TDI etwa 4,5 l/100 km, der TSI rund 5,8 l/100 km. Mit den bundesweiten Durchschnittspreisen von Ende September 2026 (Diesel rund 2,43 Euro, Super E10 rund 2,27 Euro je Liter) ist Diesel an der Zapfsäule derzeit sogar teurer, dank des geringeren Verbrauchs bleibt aber ein Kostenvorteil des Diesels von etwa 2,2 Cent pro Kilometer.
Um die 138 Euro Steuermehrbelastung auszugleichen, müsste der Diesel also mindestens rund 6.200 km pro Jahr gefahren werden. Ab dieser Fahrleistung ist der Diesel insgesamt günstiger. Bei der typischen Nutzung eines Neuwagens (12.000–15.000 km/Jahr) spart der Diesel damit unterm Strich rund 130–200 Euro jährlich gegenüber dem Benziner — trotz höherer Kfz-Steuer. Die Rechnung hängt stark von den Spritpreisen ab, die 2026 außergewöhnlich stark schwanken.
Fazit: Diesel lohnt sich nur für Vielfahrer
Die Kfz-Steuer allein spricht klar gegen den Diesel. Der deutlich höhere Hubraum-Satz von 9,50 Euro vs. 2,00 Euro sorgt für eine Mehrbelastung von 100–300 Euro pro Jahr. Erst ab einer Jahresfahrleistung von etwa 6.000–9.000 km (je nach Modell und Spritpreis) gleicht der günstigere Kraftstoffverbrauch diese Mehrkosten aus. Für Wenigfahrer, Stadtfahrer und Kurzstreckenpendler ist ein Benziner oder Hybrid steuerlich fast immer die bessere Wahl.
