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CO₂-basierte Kfz-Steuer: So funktionieren die progressiven Stufen

Redaktion
5 Min. Lesezeit
2026-02-12
CO₂-basierte Kfz-Steuer: So funktionieren die progressiven Stufen

Das CO2-Stufenmodell: Warum progressiv?

Seit dem 1. Januar 2021 gilt für alle neu zugelassenen PKW ein progressives CO2-Stufenmodell bei der Kfz-Steuer. Das Ziel: Fahrzeuge mit besonders hohem CO2-Ausstoß sollen überproportional belastet werden, um einen Anreiz für den Kauf emissionsarmer Fahrzeuge zu schaffen. Anders als beim alten linearen Modell (2018–2020) steigt der Preis pro Gramm CO2 mit zunehmendem Ausstoß an.

Die sechs Stufen im Überblick

Grundsätzlich gilt: Die ersten 95 g/km CO2 sind steuerfrei. Dieser Freibetrag wird jedem PKW gewährt, unabhängig von Antrieb oder Motorisierung. Oberhalb des Freibetrags staffeln sich die Kosten in sechs Stufen: Stufe 1 (96–115 g/km): 2,00 Euro pro g/km, das ergibt maximal 40,00 Euro. Stufe 2 (116–135 g/km): 2,50 Euro pro g/km, maximal 50,00 Euro. Stufe 3 (136–155 g/km): 3,00 Euro pro g/km, maximal 60,00 Euro. Stufe 4 (156–175 g/km): 3,50 Euro pro g/km, maximal 70,00 Euro. Stufe 5 (176–195 g/km): 4,00 Euro pro g/km, maximal 80,00 Euro. Stufe 6 (ab 196 g/km): 4,50 Euro pro g/km, ohne Obergrenze.

Berechnungsbeispiele für verschiedene CO2-Werte

Die Progression wird besonders bei höheren Werten spürbar. Ein Fahrzeug mit 100 g/km zahlt nur: 5 g x 2,00 Euro = 10,00 Euro CO2-Anteil. Ein Fahrzeug mit 150 g/km zahlt: 20 g x 2,00 + 20 g x 2,50 + 15 g x 3,00 = 40 + 50 + 45 = 135,00 Euro. Ein Fahrzeug mit 200 g/km zahlt: 20 g x 2,00 + 20 g x 2,50 + 20 g x 3,00 + 20 g x 3,50 + 20 g x 4,00 + 5 g x 4,50 = 40 + 50 + 60 + 70 + 80 + 22,50 = 322,50 Euro. Die Verdoppelung des CO2-Ausstoßes von 100 auf 200 g/km führt also zu einer Vervierunddreißigfachung des CO2-Steueranteils — von 10 auf 322,50 Euro.

WLTP: Das Messverfahren hinter dem CO2-Wert

WLTP steht für Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure und ist seit dem 1. September 2018 das verbindliche Messverfahren für den CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU. Es ersetzt den alten NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus), der als wenig realitätsnah galt.

Unterschiede zwischen WLTP und NEFZ

Der WLTP-Test ist deutlich strenger als der NEFZ: Die Testdauer beträgt 30 statt 20 Minuten, die gefahrene Strecke 23,25 km statt 11 km. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist höher (46,5 km/h statt 34 km/h), und die Maximalgeschwindigkeit steigt von 120 auf 131 km/h. Zudem wird die Sonderausstattung des Fahrzeugs berücksichtigt, was beim NEFZ nicht der Fall war.

In der Praxis liegen WLTP-Werte typischerweise 10 bis 25 Prozent höher als die alten NEFZ-Werte für das gleiche Fahrzeug. Ein Auto, das nach NEFZ 120 g/km CO2 ausstieß, kommt nach WLTP oft auf 135–150 g/km. Das wirkt sich direkt auf die Kfz-Steuer aus, insbesondere in den höheren Progressionsstufen.

Warum neuere Modelle höhere CO2-Werte haben können

Viele Käufer sind überrascht, dass das Nachfolgemodell ihres bisherigen Fahrzeugs auf dem Papier einen höheren CO2-Wert aufweist, obwohl es technisch moderner ist. Der Grund liegt fast immer in der Umstellung des Messverfahrens von NEFZ auf WLTP. Der tatsächliche Verbrauch und die realen Emissionen sind bei neueren Modellen in der Regel gesunken — nur die Messmethode ist realistischer geworden.

Strategischer Fahrzeugkauf mit Blick auf die CO2-Stufen

Wer beim Fahrzeugkauf die CO2-Stufen im Blick behält, kann erheblich sparen. Besonders lohnend ist es, knapp unter einer Stufengrenze zu bleiben. Ein Auto mit 115 g/km (Obergrenze Stufe 1) zahlt deutlich weniger CO2-Steuer als eines mit 120 g/km (Stufe 2). Prüfen Sie bei der Konfiguration eines Neuwagens, ob eine andere Motorvariante, kleinere Räder oder ein leichteres Ausstattungspaket den CO2-Wert unter die nächste Stufengrenze drücken können.