Das CO₂-Stufenmodell: Warum progressiv?
Seit dem 1. Januar 2021 gilt für alle neu zugelassenen PKW ein progressives CO₂-Stufenmodell bei der Kfz-Steuer. Das Ziel: Fahrzeuge mit besonders hohem CO₂-Ausstoß sollen überproportional belastet werden, um einen Anreiz für den Kauf emissionsarmer Fahrzeuge zu schaffen. Anders als beim alten linearen Modell (Erstzulassung Juli 2009 bis Ende 2020) steigt der Preis pro Gramm CO₂ mit zunehmendem Ausstoß an.
Die sechs Stufen im Überblick
Grundsätzlich gilt: Die ersten 95 g/km CO₂ sind steuerfrei. Dieser Freibetrag wird jedem PKW gewährt, unabhängig von Antrieb oder Motorisierung. Oberhalb des Freibetrags staffeln sich die Kosten in sechs Stufen: Stufe 1 (96–115 g/km): 2,00 Euro pro g/km, das ergibt maximal 40,00 Euro. Stufe 2 (116–135 g/km): 2,20 Euro pro g/km, maximal 44,00 Euro. Stufe 3 (136–155 g/km): 2,50 Euro pro g/km, maximal 50,00 Euro. Stufe 4 (156–175 g/km): 2,90 Euro pro g/km, maximal 58,00 Euro. Stufe 5 (176–195 g/km): 3,40 Euro pro g/km, maximal 68,00 Euro. Stufe 6 (ab 196 g/km): 4,00 Euro pro g/km, ohne Obergrenze.
Berechnungsbeispiele für verschiedene CO₂-Werte
Die Progression wird besonders bei höheren Werten spürbar. Ein Fahrzeug mit 100 g/km zahlt nur: 5 g × 2,00 Euro = 10,00 Euro CO₂-Anteil. Ein Fahrzeug mit 150 g/km zahlt: 20 g × 2,00 + 20 g × 2,20 + 15 g × 2,50 = 40 + 44 + 37,50 = 121,50 Euro. Ein Fahrzeug mit 200 g/km zahlt: 20 g × 2,00 + 20 g × 2,20 + 20 g × 2,50 + 20 g × 2,90 + 20 g × 3,40 + 5 g × 4,00 = 40 + 44 + 50 + 58 + 68 + 20 = 280,00 Euro. Die Verdoppelung des CO₂-Ausstoßes von 100 auf 200 g/km führt also zu einer Verachtundzwanzigfachung des CO₂-Steueranteils — von 10 auf 280 Euro.
WLTP: Das Messverfahren hinter dem CO₂-Wert
WLTP steht für Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure und ist seit dem 1. September 2018 das verbindliche Messverfahren für den CO₂-Ausstoß von Neuwagen in der EU. Es ersetzt den alten NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus), der als wenig realitätsnah galt.
Unterschiede zwischen WLTP und NEFZ
Der WLTP-Test ist deutlich strenger als der NEFZ: Die Testdauer beträgt 30 statt 20 Minuten, die gefahrene Strecke 23,25 km statt 11 km. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist höher (46,5 km/h statt 34 km/h), und die Maximalgeschwindigkeit steigt von 120 auf 131 km/h. Zudem wird die Sonderausstattung des Fahrzeugs berücksichtigt, was beim NEFZ nicht der Fall war.
In der Praxis liegen WLTP-Werte typischerweise 10 bis 25 Prozent höher als die alten NEFZ-Werte für das gleiche Fahrzeug. Ein Auto, das nach NEFZ 120 g/km CO₂ ausstieß, kommt nach WLTP oft auf 135–150 g/km. Das wirkt sich direkt auf die Kfz-Steuer aus, insbesondere in den höheren Progressionsstufen.
Warum neuere Modelle höhere CO₂-Werte haben können
Viele Käufer sind überrascht, dass das Nachfolgemodell ihres bisherigen Fahrzeugs auf dem Papier einen höheren CO₂-Wert aufweist, obwohl es technisch moderner ist. Der Grund liegt fast immer in der Umstellung des Messverfahrens von NEFZ auf WLTP. Der tatsächliche Verbrauch und die realen Emissionen sind bei neueren Modellen in der Regel gesunken — nur die Messmethode ist realistischer geworden.
Strategischer Fahrzeugkauf mit Blick auf die CO₂-Stufen
Wer beim Fahrzeugkauf die CO₂-Stufen im Blick behält, kann erheblich sparen. Besonders lohnend ist es, knapp unter einer Stufengrenze zu bleiben. Ein Auto mit 115 g/km (Obergrenze Stufe 1) zahlt deutlich weniger CO₂-Steuer als eines mit 120 g/km (Stufe 2). Prüfen Sie bei der Konfiguration eines Neuwagens, ob eine andere Motorvariante, kleinere Räder oder ein leichteres Ausstattungspaket den CO₂-Wert unter die nächste Stufengrenze drücken können.
