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E-Auto laden: Zuhause vs. öffentlich — was kostet der Strom wirklich?

Redaktion
7 Min. Lesezeit
2026-03-12
E-Auto laden: Zuhause vs. öffentlich — was kostet der Strom wirklich?

Was kostet der Strom fürs E-Auto wirklich?

Die Ladekosten sind der wichtigste variable Kostenfaktor bei einem Elektroauto. Doch anders als beim Verbrenner, wo der Literpreis an der Tankstelle klar sichtbar ist, variieren die Stromkosten je nach Ladequelle erheblich. Zwischen günstiger Heimladung und teurer Schnellladestation kann sich der Kilometerpreis verdoppeln.

Heimladung: Der günstigste Weg

Wer zu Hause an einer Wallbox lädt, profitiert von den niedrigsten Kosten. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis in Deutschland liegt 2026 bei etwa 35 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem typischen E-Auto-Verbrauch von 18 kWh pro 100 Kilometer ergeben sich Kosten von nur 6,30 Euro pro 100 km, also 6,3 Cent pro Kilometer.

Eine Wallbox für zu Hause kostet inklusive Installation typischerweise 800 bis 2.000 Euro. Bei einer jährlichen Ersparnis von 600 bis 800 Euro gegenüber öffentlichem Laden amortisiert sich die Investition bereits nach 1 bis 2 Jahren. Die meisten Wallboxen laden mit 11 kW, was bedeutet, dass eine volle Ladung von 20% auf 80% (typisch 40 kWh) etwa 3,5 Stunden dauert — perfekt über Nacht.

Noch günstiger mit Photovoltaik

Wer eine eigene PV-Anlage auf dem Dach hat, kann Teile seines Strombedarfs selbst erzeugen. Die Gestehungskosten für Solarstrom liegen bei 8 bis 12 Cent pro kWh. In der Praxis lassen sich 30 bis 50% des Ladebedarfs über die eigene PV-Anlage decken, besonders im Sommer und mit einem Batteriespeicher im Haus.

Ein Rechenbeispiel: Bei 50% Solarstrom (10 ct/kWh) und 50% Netzstrom (35 ct/kWh) ergibt sich ein Durchschnittspreis von 22,5 ct/kWh. Das sind nur 4,05 Euro pro 100 km. Gegenüber einem Benziner (12,25 Euro/100km) spart das über 67% der Energiekosten.

Öffentliches Laden: Preise und Fallstricke

An öffentlichen Ladesäulen variieren die Preise stark je nach Anbieter, Ladeleistung und Tarifmodell. Eine Übersicht der typischen Preise 2026:

AC-Ladesäulen (11-22 kW, Wechselstrom) kosten zwischen 0,45 und 0,55 Euro pro kWh. DC-Schnelllader (50-150 kW) liegen bei 0,55 bis 0,69 Euro pro kWh. HPC-Ultraschnelllader (150-350 kW) an Autobahnraststätten kosten 0,65 bis 0,79 Euro pro kWh.

Bei 18 kWh/100km und einem Schnellladepreis von 0,65 Euro/kWh kostet jeder Kilometer 11,7 Cent. Das liegt fast auf dem Niveau eines sparsamen Benziners. Wer häufig Schnelllader nutzt, verliert einen Großteil des Kostenvorteils gegenüber dem Verbrenner.

Ladekarten und Tarife vergleichen lohnt sich

Die Wahl des richtigen Ladetarifs kann hunderte Euro pro Jahr sparen. Es gibt zwei Modelle: Tarife ohne Grundgebühr (höherer kWh-Preis, gut für Gelegenheitslader) und Tarife mit Grundgebühr (niedrigerer kWh-Preis, lohnt sich für Vielfahrer).

Empfehlung: Mindestens zwei Ladekarten für verschiedene Netzwerke nutzen. ADAC e-Charge, EnBW mobility+ und Maingau EinfachStromLaden bieten gute Konditionen ohne Grundgebühr. Für Vielfahrer lohnt sich ein Abo-Tarif bei großen Netzwerken.

Das optimale Lademix

Die meisten E-Auto-Fahrer laden 60 bis 80 Prozent zu Hause und den Rest unterwegs. Dieser Mix ist wirtschaftlich optimal. Wer 70% zu Hause lädt (35 ct/kWh) und 30% öffentlich (55 ct/kWh), kommt auf einen Durchschnittspreis von 41 ct/kWh — das sind 7,38 Euro pro 100 km. Deutlich günstiger als jeder Verbrenner.

Fazit: Der Schlüssel zur wirtschaftlichen E-Mobilität ist die Heimlademöglichkeit. Wer zu Hause laden kann, fährt mit dem E-Auto signifikant günstiger als mit einem Verbrenner. Wer ausschließlich auf öffentliche Lader angewiesen ist, sollte sorgfältig rechnen, ob sich der Umstieg finanziell lohnt.