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Perzentilenkurven lesen: So deuten Sie die Kurven im Vorsorgeheft

Redaktion
5 Min. Lesezeit
2026-09-24
Perzentilenkurven lesen: So deuten Sie die Kurven im Vorsorgeheft

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Die Kurven im Vorsorgeheft

Im gelben Kinderuntersuchungsheft finden Eltern Diagramme mit mehreren geschwungenen Linien. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung trägt die Kinderärztin oder der Kinderarzt dort Körpergröße, Gewicht und oft auch den BMI ein. Diese Linien sind Perzentilenkurven. Sie zeigen, wie sich die entsprechenden Werte bei gesunden Kindern gleichen Alters und Geschlechts verteilen. Wer die Kurven lesen kann, versteht besser, was bei der Untersuchung besprochen wird.

Was die einzelnen Linien bedeuten

Jede Linie steht für eine Perzentile. Üblich sind die 3., 10., 25., 50., 75., 90. und 97. Perzentile. Die mittlere Linie, die 50. Perzentile, ist der Median: Die Hälfte der Kinder liegt darunter, die andere Hälfte darüber. Die äußeren Linien markieren die Bereiche, in denen nur noch wenige Kinder liegen. Unterhalb der 3. Perzentile befinden sich drei von 100 Kindern, oberhalb der 97. ebenfalls drei von 100.

Beim BMI haben die Linien eine besondere Bedeutung. Nach der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) markiert die 90. Perzentile die Grenze zum Übergewicht, die 97. die Grenze zur Adipositas. Nach unten gilt die 10. Perzentile als Grenze zum Untergewicht, die 3. als Grenze zum starken Untergewicht.

So lesen Sie einen Punkt ab

Auf der waagerechten Achse steht das Alter, auf der senkrechten der Messwert. Suchen Sie zuerst das Alter Ihres Kindes und gehen Sie dann senkrecht nach oben bis zum gemessenen Wert. Der Punkt liegt meist zwischen zwei Linien. Liegt er beispielsweise zwischen der 50. und der 75. Perzentile, hat Ihr Kind einen etwas höheren Wert als der Durchschnitt, liegt aber klar im Normalbereich.

Für genaue Zahlen ist das Ablesen im Diagramm etwas mühsam. Der BMI-Rechner für Kinder berechnet die Perzentile deshalb direkt und zeichnet den Punkt Ihres Kindes in die Kurven ein.

Der Verlauf zählt mehr als der einzelne Punkt

Die wichtigste Regel beim Lesen der Kurven: Ein einzelner Punkt ist eine Momentaufnahme. Aussagekräftig wird das Diagramm erst, wenn mehrere Messungen eingetragen sind. Die meisten Kinder bewegen sich über Jahre ungefähr parallel zu einer bestimmten Linie. Ein Kind, das immer um die 25. Perzentile wächst, ist einfach etwas zierlicher als der Durchschnitt — und das ist völlig in Ordnung.

Aufmerksam sollten Eltern werden, wenn der Verlauf deutlich die Richtung ändert. Kreuzt die Kurve innerhalb kurzer Zeit zwei oder mehr Perzentilenlinien nach oben oder unten, sollte die Ursache abgeklärt werden. Das kann ganz harmlos sein, zum Beispiel ein früh einsetzender Wachstumsschub. Es kann aber auch ein Hinweis sein, dass etwas genauer angeschaut werden sollte.

Größe, Gewicht und BMI zusammen betrachten

Im Vorsorgeheft stehen meist getrennte Kurven für Größe und Gewicht. Beide Werte hängen zusammen: Ein großes Kind wiegt in der Regel auch mehr. Der BMI fasst beides zusammen und macht Kinder unterschiedlicher Größe vergleichbar. Ein Kind, das bei der Größe auf der 90. und beim Gewicht ebenfalls auf der 90. Perzentile liegt, kann beim BMI durchaus im mittleren Bereich landen.

Typische Muster in den Kurven

Im ersten Lebensjahr steigt der BMI stark an, danach sinkt er bis etwa zum vierten oder fünften Lebensjahr, bevor er wieder zunimmt. Dieser Knick ist normal und in den Kurven eingezeichnet. In der Pubertät verlaufen die Kurven von Mädchen und Jungen unterschiedlich, weil die Entwicklung zu verschiedenen Zeitpunkten beginnt. Mädchen haben zwischen etwa 11 und 16 Jahren im Median einen etwas höheren BMI als Jungen, danach kehrt sich das Verhältnis um.

Wenn Fragen bleiben

Perzentilenkurven sind ein Werkzeug für das Gespräch, keine Diagnose. Wenn Sie beim Blick in das Vorsorgeheft unsicher sind, fragen Sie bei der nächsten Untersuchung nach. Kinderärztinnen und Kinderärzte erklären gern, wie sie den Verlauf Ihres Kindes einschätzen. Und falls Ihr Kind bereits erwachsen ist, hilft der BMI-Rechner für Erwachsene weiter.

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