Was ist die Jahresarbeitszahl und warum ist sie so wichtig?
Die Jahresarbeitszahl ist die wichtigste Kennzahl, wenn es um die Effizienz einer Wärmepumpe geht. Sie gibt das Verhältnis von erzeugter Wärmeenergie zu eingesetztem Strom über ein ganzes Heizjahr an. Eine JAZ von 4,0 bedeutet: Aus 1 Kilowattstunde Strom werden 4 Kilowattstunden Wärme gewonnen. Die restlichen 3 Kilowattstunden stammen aus der Umweltwärme und sind praktisch kostenlos.
Die JAZ ist nicht zu verwechseln mit dem COP (Coefficient of Performance), der nur die Leistung unter optimalen Laborbedingungen bei einem bestimmten Temperaturpaar misst. Die JAZ hingegen bildet die tatsächliche Leistung über das gesamte Jahr ab, einschließlich kalter Wintertage, Abtauzyklen (bei Luft-Wärmepumpen) und der Warmwasserbereitung. Daher liegt die JAZ in der Praxis immer unter dem vom Hersteller angegebenen COP.
Typische JAZ-Werte nach Wärmepumpen-Typ
Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Jahresdurchschnitt eine JAZ von 2,8 bis 3,5. Die Streuung ist groß, da die Leistung stark von der Außentemperatur abhängt. An einem milden Frühlingstag bei 15 Grad kann der COP bei 5,0 liegen, an einem Frosttag bei minus 10 Grad fällt er auf 2,0 bis 2,5. Moderne Modelle mit Inverter-Technologie und R290-Kältemittel erreichen auch bei niedrigen Temperaturen bessere Werte.
Erdwärme-Wärmepumpen profitieren von der konstanten Erdreichtemperatur (8 bis 12 Grad ganzjährig) und erreichen JAZ-Werte von 3,5 bis 4,5. Da es keine Abtauzyklen gibt und die Quelltemperatur stabil bleibt, arbeiten sie gleichmäßiger und effizienter. Der höhere Anschaffungspreis amortisiert sich durch die niedrigeren Betriebskosten oft schon nach 8 bis 12 Jahren.
Wasser-Wasser-Wärmepumpen nutzen Grundwasser mit einer konstanten Temperatur von 8 bis 12 Grad und erreichen die höchsten JAZ-Werte von 4,0 bis 5,0. Sie sind die effizienteste Variante, aber auch die aufwendigste in der Installation und benötigen eine wasserrechtliche Genehmigung sowie ausreichende Grundwasserqualität.
Was beeinflusst die JAZ Ihres Gebäudes?
Der wichtigste Einflussfaktor auf die JAZ ist die Vorlauftemperatur des Heizsystems. Je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur, desto höher die JAZ. Fußbodenheizungen arbeiten typischerweise mit 30 bis 35 Grad Vorlauftemperatur, Niedertemperatur-Heizkörper mit 45 bis 50 Grad und konventionelle Heizkörper in Altbauten mit 55 bis 70 Grad. Jeder Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die JAZ um circa 2 bis 3 Prozent.
Der Dämmzustand des Gebäudes beeinflusst die JAZ indirekt: Ein gut gedämmtes Haus benötigt weniger Heizleistung, die Wärmepumpe kann mit niedrigerer Leistung und Vorlauftemperatur betrieben werden. Ein schlecht gedämmter Altbau erfordert hingegen hohe Heizleistung und Vorlauftemperatur, was die JAZ deutlich verschlechtert. In unserem Rechner wird die JAZ anhand des Dämmzustands korrigiert: Bei schlechter Dämmung wird die JAZ um 0,5 Punkte reduziert, bei guter Dämmung um 0,2 Punkte erhöht.
Weitere Einflussfaktoren sind die Dimensionierung der Wärmepumpe (eine zu große oder zu kleine Anlage arbeitet ineffizienter), die Qualität der Installation (fachgerechter hydraulischer Abgleich, optimale Einstellung der Heizkurve) und das Nutzerverhalten (häufiges Lüften, stark wechselnde Raumtemperaturen).
Wie kann ich die JAZ meiner Wärmepumpe verbessern?
Es gibt mehrere Maßnahmen, um die JAZ zu erhöhen. Die wirksamste Maßnahme ist die Senkung der Vorlauftemperatur durch Vergrößerung der Heizflächen (größere Heizkörper oder zusätzliche Fußbodenheizung), Verbesserung der Gebäudedämmung (Fassade, Dach, Fenster) und optimale Einstellung der Heizkurve durch einen Fachbetrieb.
Ein hydraulischer Abgleich stellt sicher, dass jeder Heizkörper genau die richtige Wassermenge erhält. Ohne Abgleich überversorgen die Pumpen naheliegende Heizkörper und unterversorgen weiter entfernte. Der Abgleich kostet 500 bis 1.500 Euro und ist Voraussetzung für die staatliche Heizungsförderung.
Schließlich kann eine PV-Anlage die effektiven Stromkosten senken und damit die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe verbessern, auch wenn die JAZ selbst dadurch nicht steigt. In Kombination mit einem intelligenten Energiemanagement-System kann der PV-Eigenverbrauchsanteil für die Wärmepumpe auf 30 bis 50 Prozent gesteigert werden.
JAZ-Mindestanforderung für die Heizungsförderung
Um die Heizungsförderung zu erhalten, muss die installierte Wärmepumpe eine rechnerische JAZ von mindestens 2,7 erreichen. Diese wird vorab anhand der Gebäudedaten und der Herstellerangaben berechnet (sogenannte JAZ-Berechnung nach VDI 4650). Die tatsächliche JAZ im Betrieb kann davon abweichen. Es lohnt sich, die JAZ nach dem ersten Betriebsjahr zu überprüfen und gegebenenfalls die Einstellungen optimieren zu lassen.
