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Wärmepumpe im Altbau: Was muss ich vorher sanieren?

Redaktion
10 Min. Lesezeit
2026-02-28
Wärmepumpe im Altbau: Was muss ich vorher sanieren?

Kann man in jeden Altbau eine Waermepumpe einbauen?

Die kurze Antwort: Ja, grundsaetzlich kann in fast jedes Gebaeude eine Waermepumpe eingebaut werden. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern unter welchen Voraussetzungen sie effizient und wirtschaftlich arbeitet. In einem gut gedaemmten Altbau mit angepasstem Heizsystem kann eine Waermepumpe genauso effizient arbeiten wie in einem Neubau. In einem unsanierten Altbau mit kleinen Heizkoerpern und hohem Waermebedarf hingegen kann sie unwirtschaftlich werden.

Die drei entscheidenden Faktoren im Altbau

Drei Faktoren bestimmen, ob eine Waermepumpe in Ihrem Altbau sinnvoll ist: die Vorlauftemperatur des Heizsystems, der Waermebedarf des Gebaeudes und die Heizflaechen (Heizkoerper oder Fussbodenheizung).

Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Parameter. Waermepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen bis 45 Grad Celsius. Fussbodenheizungen benoetigen nur 30 bis 35 Grad, grosse Heizkoerper 40 bis 50 Grad. Alte, kleine Heizkoerper in unsanierten Altbauten benoetigen jedoch oft 55 bis 70 Grad, um die Raeume ausreichend zu heizen. Bei diesen hohen Temperaturen faellt die JAZ auf 2,0 bis 2,5, und die Betriebskosten steigen erheblich.

Der Waermebedarf gibt an, wie viel Energie das Gebaeude zum Heizen benoetigt. In einem unsanierten Altbau (vor 1970) liegt der spezifische Waermebedarf oft bei 150 bis 250 kWh pro Quadratmeter und Jahr, in einem gut sanierten Gebaeude bei 50 bis 100 kWh. Je hoeher der Waermebedarf, desto mehr Strom verbraucht die Waermepumpe und desto hoeher sind die Betriebskosten.

Die Heizflaechen muessen gross genug sein, um bei niedrigen Vorlauftemperaturen ausreichend Waerme abzugeben. In Altbauten sind die Heizkoerper oft unterdimensioniert fuer den Betrieb mit einer Waermepumpe. Ein Austausch gegen groessere Heizkoerper oder die Installation einer Fussbodenheizung kann dieses Problem loesen.

Welche Sanierungsmassnahmen sollten Sie zuerst durchfuehren?

Bevor Sie eine Waermepumpe installieren, empfehlen Energieberater haeufig folgende Massnahmen in dieser Reihenfolge nach Kosten-Nutzen-Verhaeltnis.

Erstens: Hydraulischer Abgleich (500 bis 1.500 Euro). Die effektivste und guenstigste Massnahme, die die Waermeverteilung optimiert und die Vorlauftemperatur senken kann. Zweitens: Dachdaemmung (15.000 bis 25.000 Euro fuer ein typisches EFH). Bis zu 30 Prozent der Heizwaerme entweichen ueber ein ungedaemmtes Dach. Die Daemmung ist oft einfacher und guenstiger als eine Fassadendaemmung.

Drittens: Fenstereraustausch (800 bis 1.500 Euro pro Fenster). Alte Einfachverglasungen oder undichte Fenster verursachen grosse Waermeverluste. Dreifachverglasung reduziert den Waermebedarf und die Zugluft erheblich. Viertens: Fassadendaemmung (150 bis 300 Euro pro Quadratmeter). Die wirksamste, aber auch teuerste Einzelmassnahme. Senkt den Waermebedarf um 20 bis 40 Prozent.

Fuenftens: Heizkoerpertausch oder Fussbodenheizung (3.000 bis 15.000 Euro). Wenn nach der Daemmung die Vorlauftemperatur immer noch ueber 50 Grad liegt, ist der Austausch der Heizkoerper gegen groessere Modelle oder die nachtraegliche Installation einer Fussbodenheizung sinnvoll.

Was sagt der Energieberater?

Vor dem Einbau einer Waermepumpe im Altbau ist die Beratung durch einen zertifizierten Energieberater dringend empfohlen. Der Energieberater erstellt einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der die optimale Reihenfolge und Kombination der Massnahmen aufzeigt. Die Kosten fuer den iSFP (1.500 bis 2.500 Euro) werden zu 80 Prozent vom BAFA gefoerdert, und der iSFP bringt zusaetzlich 5 Prozent Bonus auf die BEG-Foerderung.

Fallbeispiel: Altbau Baujahr 1965

Ein typischer Fall: Reihenhaus, Baujahr 1965, 120 Quadratmeter, Oelheizung mit 25.000 kWh Verbrauch, kleine Heizkoerper, kein Daemm-Standard. Ohne Sanierung waere die effektive JAZ nur 2,2, die Stromkosten laegen bei circa 3.400 Euro pro Jahr, mehr als die bisherigen Oelkosten.

Nach Teilsanierung (Dachdaemmung, Fenstertausch, Heizkoerper-Vergroesserung) sinkt der Waermebedarf auf 16.000 kWh, die Vorlauftemperatur auf 45 Grad, und die effektive JAZ steigt auf 3,2. Die Stromkosten liegen dann bei circa 1.500 Euro pro Jahr, deutlich unter den bisherigen Oelkosten von 2.750 Euro. Die Kombination aus Sanierung und Waermepumpe spart also 1.250 Euro pro Jahr und verbessert gleichzeitig den Wohnkomfort.

Fazit: Erst daemmen, dann pumpen

Die goldene Regel fuer Waermepumpen im Altbau lautet: Erst die Gebaeudehuelle verbessern, dann die Waermepumpe installieren. Die Investition in Daemmung zahlt sich doppelt aus: durch geringeren Waermebedarf und durch eine hoehere JAZ der Waermepumpe. Nutzen Sie unseren Rechner mit verschiedenen Daemmzustand-Einstellungen, um den Effekt der Sanierung auf die Wirtschaftlichkeit zu sehen.