Kann man in jeden Altbau eine Wärmepumpe einbauen?
Die kurze Antwort: Ja, grundsätzlich kann in fast jedes Gebäude eine Wärmepumpe eingebaut werden. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern unter welchen Voraussetzungen sie effizient und wirtschaftlich arbeitet. In einem gut gedämmten Altbau mit angepasstem Heizsystem kann eine Wärmepumpe genauso effizient arbeiten wie in einem Neubau. In einem unsanierten Altbau mit kleinen Heizkörpern und hohem Wärmebedarf hingegen kann sie unwirtschaftlich werden.
Die drei entscheidenden Faktoren im Altbau
Drei Faktoren bestimmen, ob eine Wärmepumpe in Ihrem Altbau sinnvoll ist: die Vorlauftemperatur des Heizsystems, der Wärmebedarf des Gebäudes und die Heizflächen (Heizkörper oder Fußbodenheizung).
Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Parameter. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen bis 45 Grad Celsius. Fußbodenheizungen benötigen nur 30 bis 35 Grad, große Heizkörper 40 bis 50 Grad. Alte, kleine Heizkörper in unsanierten Altbauten benötigen jedoch oft 55 bis 70 Grad, um die Räume ausreichend zu heizen. Bei diesen hohen Temperaturen fällt die JAZ auf 2,0 bis 2,5, und die Betriebskosten steigen erheblich.
Der Wärmebedarf gibt an, wie viel Energie das Gebäude zum Heizen benötigt. In einem unsanierten Altbau (vor 1970) liegt der spezifische Wärmebedarf oft bei 150 bis 250 kWh pro Quadratmeter und Jahr, in einem gut sanierten Gebäude bei 50 bis 100 kWh. Je höher der Wärmebedarf, desto mehr Strom verbraucht die Wärmepumpe und desto höher sind die Betriebskosten.
Die Heizflächen müssen groß genug sein, um bei niedrigen Vorlauftemperaturen ausreichend Wärme abzugeben. In Altbauten sind die Heizkörper oft unterdimensioniert für den Betrieb mit einer Wärmepumpe. Ein Austausch gegen größere Heizkörper oder die Installation einer Fußbodenheizung kann dieses Problem lösen.
Welche Sanierungsmaßnahmen sollten Sie zuerst durchführen?
Bevor Sie eine Wärmepumpe installieren, empfehlen Energieberater häufig folgende Maßnahmen in dieser Reihenfolge nach Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Erstens: Hydraulischer Abgleich (500 bis 1.500 Euro). Die effektivste und günstigste Maßnahme, die die Wärmeverteilung optimiert und die Vorlauftemperatur senken kann. Zweitens: Dachdämmung (15.000 bis 25.000 Euro für ein typisches EFH). Bis zu 30 Prozent der Heizwärme entweichen über ein ungedämmtes Dach. Die Dämmung ist oft einfacher und günstiger als eine Fassadendämmung.
Drittens: Fenstereraustausch (800 bis 1.500 Euro pro Fenster). Alte Einfachverglasungen oder undichte Fenster verursachen große Wärmeverluste. Dreifachverglasung reduziert den Wärmebedarf und die Zugluft erheblich. Viertens: Fassadendämmung (150 bis 300 Euro pro Quadratmeter). Die wirksamste, aber auch teuerste Einzelmaßnahme. Senkt den Wärmebedarf um 20 bis 40 Prozent.
Fünftens: Heizkörpertausch oder Fußbodenheizung (3.000 bis 15.000 Euro). Wenn nach der Dämmung die Vorlauftemperatur immer noch über 50 Grad liegt, ist der Austausch der Heizkörper gegen größere Modelle oder die nachträgliche Installation einer Fußbodenheizung sinnvoll.
Was sagt der Energieberater?
Vor dem Einbau einer Wärmepumpe im Altbau ist die Beratung durch einen zertifizierten Energieberater dringend empfohlen. Der Energieberater erstellt einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der die optimale Reihenfolge und Kombination der Maßnahmen aufzeigt. Die Kosten für den iSFP (1.500 bis 2.500 Euro) werden zu 80 Prozent vom BAFA gefördert, und der iSFP bringt zusätzlich 5 Prozent Bonus auf die BEG-Förderung.
Fallbeispiel: Altbau Baujahr 1965
Ein typischer Fall: Reihenhaus, Baujahr 1965, 120 Quadratmeter, Ölheizung mit 25.000 kWh Verbrauch, kleine Heizkörper, kein Dämm-Standard. Ohne Sanierung wäre die effektive JAZ nur 2,2, die Stromkosten lägen bei circa 3.400 Euro pro Jahr, mehr als die bisherigen Ölkosten.
Nach Teilsanierung (Dachdämmung, Fenstertausch, Heizkörper-Vergrößerung) sinkt der Wärmebedarf auf 16.000 kWh, die Vorlauftemperatur auf 45 Grad, und die effektive JAZ steigt auf 3,2. Die Stromkosten liegen dann bei circa 1.500 Euro pro Jahr, deutlich unter den bisherigen Ölkosten von 2.750 Euro. Die Kombination aus Sanierung und Wärmepumpe spart also 1.250 Euro pro Jahr und verbessert gleichzeitig den Wohnkomfort.
Fazit: Erst dämmen, dann pumpen
Die goldene Regel für Wärmepumpen im Altbau lautet: Erst die Gebäudehülle verbessern, dann die Wärmepumpe installieren. Die Investition in Dämmung zahlt sich doppelt aus: durch geringeren Wärmebedarf und durch eine höhere JAZ der Wärmepumpe. Nutzen Sie unseren Rechner mit verschiedenen Dämmzustand-Einstellungen, um den Effekt der Sanierung auf die Wirtschaftlichkeit zu sehen.
