Die Schrittmaßregel: Warum 2h + a = 63 cm die wichtigste Treppenformel ist
Jeder, der eine Treppe plant oder baut, kommt an der Schrittmaßregel nicht vorbei. Diese einfache Formel ist seit Jahrhunderten das Fundament des Treppenbaus und sorgt dafür, dass Treppen bequem und sicher sind. In diesem Artikel erklären wir, wie die Formel funktioniert, woher sie kommt und was passiert, wenn man sie ignoriert.
Die Formel im Detail
Die Schrittmaßregel lautet:
Dabei ist die Steigungshöhe einer Stufe in Zentimetern und die Auftrittsbreite (Tritttiefe) einer Stufe in Zentimetern. Der Sollwert von 63 cm entspricht der durchschnittlichen Schrittlänge eines Erwachsenen auf ebener Fläche. Der akzeptable Bereich liegt zwischen 59 und 65 cm, wobei 63 cm als idealer Mittelwert gilt.
Die Logik hinter dem Faktor 2 ist einfach: Beim Treppensteigen muss der Körper nicht nur vorwärts, sondern auch nach oben bewegt werden. Die Hubbewegung kostet Energie, die sonst in die Schrittlänge fließen würde. Empirisch hat sich gezeigt, dass ein Zentimeter Steigung ungefähr zwei Zentimeter Schrittlänge kostet. Daher wird die Steigung doppelt gewichtet.
Historischer Hintergrund
Die Schrittmaßregel geht auf den französischen Architekten Francois Blondel zurück, der sie im 17. Jahrhundert in seinem Werk "Cours d'Architecture" erstmals beschrieb. Blondel untersuchte systematisch das Steigverhalten von Menschen auf Treppen und leitete daraus die Beziehung zwischen Steigung und Auftritt ab. Bemerkenswert ist, dass seine Formel trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte bis heute unverändert gültig ist. Moderne biomechanische Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Schrittlänge und Steigungshöhe.
Praktische Anwendung mit Beispielen
Die Schrittmaßregel wird am häufigsten verwendet, um bei gegebener Steigung den optimalen Auftritt zu berechnen. Hier einige typische Kombinationen:
Bei einer Steigung von 16 cm ergibt sich ein Auftritt von 63 − (2 × 16) = 31 cm. Diese Kombination ist sehr bequem und braucht viel Platz. Bei einer Steigung von 17 cm ergibt sich ein Auftritt von 63 − (2 × 17) = 29 cm. Das ist der Idealfall für Wohntreppen. Bei einer Steigung von 18 cm ergibt sich ein Auftritt von 63 − (2 × 18) = 27 cm. Das ist der häufigste Wert in der Praxis. Bei einer Steigung von 19 cm ergibt sich ein Auftritt von 63 − (2 × 19) = 25 cm. Das ist das Minimum für komfortable Wohntreppen. Bei einer Steigung von 20 cm ergibt sich ein Auftritt von 63 − (2 × 20) = 23 cm. Das ist steil und nur für Nebentreppen geeignet.
Was passiert bei Abweichungen?
Wenn die Schrittmaßregel nicht eingehalten wird, hat das spürbare Folgen. Ist der Wert zu klein (unter 59 cm), sind die Stufen zu steil und der Auftritt zu schmal. Man hat das Gefühl, mit den Zehen an der Stufenvorderkante zu stolpern, und der Abstieg fühlt sich unsicher an. Besonders für ältere Menschen und Kinder wird eine solche Treppe zum Risiko.
Ist der Wert zu groß (über 65 cm), sind die Stufen zu flach und der Auftritt zu breit. Man muss unnötig große Schritte machen, was die Treppe lästig und ermüdend wirken lässt. Der Platzbedarf steigt ebenfalls erheblich. Im Extremfall hat man das Gefühl, eine Rampe mit gelegentlichen Stufen zu begehen.
Sicherheitsregel und Bequemlichkeitsregel
Neben der Schrittmaßregel gibt es zwei ergänzende Prüfformeln. Die Sicherheitsregel lautet:
Sie stellt sicher, dass beim Abwärtsgehen der Fuß genug Auftrittsfläche hat, um sicher aufzusetzen. Eine Treppe, die die Schrittmaßregel erfüllt, aber die Sicherheitsregel verletzt, sollte überarbeitet werden.
Die Bequemlichkeitsregel lautet:
Sie drückt aus, dass der Auftritt deutlich größer sein sollte als die Steigung. Je größer die Differenz, desto bequemer ist die Treppe, aber desto mehr Platz benötigt sie auch.
Die ideale Treppe erfüllt alle drei Regeln gleichzeitig. Das ist bei einer Steigung von etwa 17 cm und einem Auftritt von 29 cm der Fall: 2 × 17 + 29 = 63, 17 + 29 = 46, 29 − 17 = 12. Diese Werte sollten daher immer der Ausgangspunkt Ihrer Treppenplanung sein.
Schrittmaßregel in der Praxis
In der Baupraxis stellt sich die Frage oft andersherum: Die Geschosshöhe ist vorgegeben und man sucht die optimale Stufenzahl. Teilen Sie die Geschosshöhe durch verschiedene Stufenzahlen und prüfen Sie, welche Variante die Schrittmaßregel am besten erfüllt.
Beispiel: Bei einer Geschosshöhe von 265 cm ergeben 15 Stufen eine Steigung von 17,67 cm und einen Auftritt von 27,67 cm (Schrittmaß: 63,0). Mit 14 Stufen wäre die Steigung 18,93 cm und der Auftritt 25,14 cm (Schrittmaß: 63,0). Beide Varianten erfüllen die Schrittmaßregel, aber die Version mit 15 Stufen bietet den besseren Komfort wegen des größeren Auftritts.
Unser Treppen-Rechner nimmt Ihnen diese Probiererei ab und findet automatisch die beste Kombination für Ihre Geschosshöhe und den verfügbaren Platz.
