Warum grundieren?
Grundierungen erfuellen mehrere wichtige Funktionen: Sie binden losen Staub und Partikel auf der Oberflaeche, regulieren die Saugfaehigkeit des Untergrundes (damit Farbe oder Kleber gleichmaessig aufgenommen werden), verbessern die Haftung des nachfolgenden Materials und koennen Verfaerbungen blockieren.
Ohne Grundierung kann Farbe fleckig trocknen, Putz sich loesen, Fliesenkleber nicht richtig haften und Tapete abblaetern. Die Grundierung ist also kein optionaler Schritt, sondern eine Investition in die Haltbarkeit der gesamten Oberflaechenbehandlung.
Tiefengrund: Der Allrounder
Tiefengrund (auch Tiefgrund oder Grundiermittel genannt) ist eine waessrige Dispersion auf Acrylatbasis. Er dringt tief in den Untergrund ein, verfestigt ihn und reguliert die Saugfaehigkeit. Er ist die Standardgrundierung fuer mineralische Untergrnde.
Anwendungsgebiete: Putz (Kalk, Gips, Zement), Beton, Porenbeton, Gipskartonplatten, Mauerwerk. Nicht geeignet fuer: Metall, Holz, Kunststoff, bereits gestrichene Flaechen mit intaktem Anstrich.
Verbrauch: 100-250 ml/m2 je nach Saugfaehigkeit. Normal saugende Flaechen: ca. 150 ml/m2. Stark saugende Flaechen: 200-300 ml/m2. Auf stark saugenden Untergrnden in zwei Gaengen arbeiten: Erster Gang 1:1 mit Wasser verduennt, zweiter Gang unverduennt.
Trockenzeit: 2-4 Stunden bei 20 Grad Celsius und normaler Luftfeuchtigkeit. Bei kuehlen oder feuchten Bedingungen bis zu 12 Stunden. Vor dem Ueberstreichen oder Verputzen muss die Grundierung vollstaendig durchgetrocknet sein.
Haftgrund: Fuer glatte Flaechen
Haftgrund (auch Quarzgrund oder Haftvermittler) enthaelt feinen Quarzsand, der eine raue Oberflaeche erzeugt. Dadurch erhaelt der nachfolgende Putz mechanischen Halt auf glatten Flaechen, an denen er sonst nicht haften wuerde.
Anwendungsgebiete: Glatter Beton (Sichtbeton, Betondecken), Betonfertigteile, alte Fliesen vor dem Ueberputzen, Kalksandsteinmauerwerk, Naturstein. Haftgrund wird immer unverduennt und mit einer Rolle oder Quast aufgetragen.
Verbrauch: 200-300 ml/m2. Der Auftrag muss deckend sein, damit eine gleichmaessig raue Oberflaeche entsteht. Nicht zu dick auftragen, da sonst die Quarzknoerner in der Dispersion schwimmen und keinen Halt bieten.
Trockenzeit: 12-24 Stunden. Haftgrund muss laenger trocknen als Tiefengrund, da die dickere Schicht und die Quarzknoerner mehr Trockenzeit benoetigen.
Betonkontakt: Die Premiumloesung
Betonkontakt ist die staerkste Form des Haftgrundes. Er enthaelt groeberen Quarzsand und eine hoeher konzentrierte Dispersion. Das Ergebnis ist eine extrem griffige Oberflaeche, die selbst auf spiegelglattem Beton zuverlaessig haftet.
Anwendungsgebiete: Betondecken vor dem Verputzen, alte Fliesen als Untergrund fuer neuen Putz, extrem glatte Betonoberflaechen. Betonkontakt ist teurer als Haftgrund, bietet aber die beste Haftung.
Verbrauch: 250-350 ml/m2. Trockenzeit: 4-6 Stunden (laenger als Tiefengrund). Wichtig: Betonkontakt darf nicht ueberstrichen werden, er ist nur als Putzgrund gedacht.
Sperrgrund: Gegen Verfaerbungen
Sperrgrund (auch Isoliergrund oder Nikotinsperre) versiegelt den Untergrund und verhindert, dass Verfaerbungen durch den neuen Anstrich durchschlagen. Typische Problemstellen: Nikotinablagerungen, Wasserflecken, Russflecken, Holzinhaltsstoffe (Gerbsaeure).
Sperrgrund basiert auf Loesemittel oder Schellack und bildet eine undurchlaessige Sperrschicht. Er wird unverduennt aufgetragen, oft in zwei Schichten. Verbrauch: ca. 100-150 ml/m2 pro Schicht.
Trockenzeit: 1-4 Stunden je nach Produkt. Loesemittelbasierte Sperrgrnde trocknen schneller, riechen aber staerker. Wasserbasierte Sperrgrnde sind geruchsaermer, brauchen aber laenger zum Trocknen und sind weniger wirksam bei starken Verfaerbungen.
Holzgrundierung: Spezialfall Holz
Holz erfordert eine spezielle Grundierung, da es andere Eigenschaften hat als mineralische Untergrnde: Es ist saugfaehig (unterschiedlich in Laengs- und Querrichtung), enthaelt Inhaltsstoffe (Harze, Gerbsaeuren), die durchschlagen koennen, und arbeitet (quillt und schwindet) mit der Luftfeuchtigkeit.
Holzgrundierungen sind meist auf Alkyd- oder Acrylatbasis und enthaelt Biozide gegen Schimmel und Blaeue. Sie regulieren die Saugfaehigkeit, isolieren Holzinhaltsstoffe und bieten eine gute Basis fuer den Decklack.
Verbrauch: ca. 100-150 ml/m2. Bei harzreichen Hoelzern (Kiefer, Laerche) kann ein Voranstrich mit Schellack erforderlich sein, um Harzflecken zu blockieren.
