Wann braucht man Ausgleichsmasse?
Ausgleichsmasse wird eingesetzt, wenn der Bodenuntergrund nicht eben genug fuer den geplanten Belag ist. Unebenheiten, Gefaelle oder alte Kleberreste muessen ausgeglichen werden, bevor Fliesen, Laminat, Vinyl oder Parkett verlegt werden koennen.
Die Toleranzen haengen vom Belag ab: Fliesen erfordern eine Ebenheit von max. 3mm Abweichung auf 1m Messlaenge. Laminat und Vinyl sind toleranter (max. 3mm auf 2m), reagieren aber empfindlich auf punktuelle Erhebungen. Teppich ist am tolerantesten, zeigt aber Unebenheiten optisch am staerksten.
Schritt 1: Untergrund pruefen und vorbereiten
Bevor die Ausgleichsmasse aufgetragen wird, muss der Untergrund sauber, trocken, tragfaehig und frei von losen Teilen sein. Alte Kleberreste werden mechanisch entfernt (Bodenschaber). Lose Stellen werden abgeklopft und entfernt. Risse werden mit Reparaturmoertel verfuellt.
Die Restfeuchte des Untergrundes messen: Zementestrich max. 2% CM (bei Fussbodenheizung max. 1,8%). Calciumsulfatestrich max. 0,5% CM (bei FBH max. 0,3%). Zu feuchte Boeden fuehren zu Blasenbildung unter der Ausgleichsmasse.
Staub gruendlich entfernen: Am besten mit einem Industriestaubsauger. Reststaub verhindert die Haftung der Grundierung und damit der Ausgleichsmasse.
Schritt 2: Grundieren
Der Untergrund muss vor dem Auftrag der Ausgleichsmasse grundiert werden. Auf Zementestrich und Beton wird Tiefengrund verwendet, auf Calciumsulfatestrich eine spezielle CAF-Grundierung.
Den Tiefengrund gleichmaessig mit einer Rolle auftragen. Auf stark saugenden Untergrnden zwei Gaenge: erst 1:1 mit Wasser verduennt, dann unverduennt. Trockenzeit: mindestens 4 Stunden, besser ueber Nacht.
Auf glatten Untergrnden (z.B. alte Fliesen) statt Tiefengrund einen Haftgrund (Quarzgrund) verwenden. Die raue Oberflaeche gibt der Ausgleichsmasse mechanischen Halt.
Schritt 3: Ausgleichsmasse anruehren
Die Ausgleichsmasse wird als Pulver geliefert und mit Wasser angeruehrt. Das Mischverhaeltnis steht auf der Verpackung, typisch sind 25 kg Pulver auf 5,5-6,5 Liter Wasser.
Wichtig: Immer das Wasser zuerst in den Eimer geben, dann das Pulver einstreuen. Nie umgekehrt! Mit einem Ruehrquirl (an der Bohrmaschine) mindestens 2 Minuten homogen verruehren. 2 Minuten stehen lassen, dann nochmals kurz durchruehren.
Die Konsistenz sollte duennfluessig sein, aehnlich wie Pfannkuchenteig. Zu dick = laesst sich nicht selbst nivellieren. Zu duenn = sinkt in Poren ein und bildet keine geschlossene Schicht.
Schritt 4: Ausgiessen und nivellieren
Die Masse wird streifenweise auf den Boden gegossen, beginnend an der Wand gegenueber der Tuer. Mit einer Rakel (Nivellierlatte) oder einem Zahnspachtel gleichmaessig verteilen.
Eine Stachelwalze (Entluefterrolle) ueber die frisch aufgetragene Masse rollen. Sie entfernt Luftblasen, die sonst als Krater in der Oberflaeche sichtbar wuerden. Die Walze wird in ueberlappenden Bahnen langsam ueber die gesamte Flaeche gefuehrt.
Maximale Schichtdicke pro Lage: 10mm. Bei groesseren Unebenheiten in mehreren Lagen arbeiten, jeweils nach vollstaendiger Trocknung der vorherigen Lage (24 Stunden bei Standardmasse, 4 Stunden bei schnelltrocknender Masse).
Schritt 5: Trocknen und schleifen
Standardmasse: Begehbar nach 4-6 Stunden, belegreif nach 24 Stunden. Schnelltrocknende Masse: Begehbar nach 2 Stunden, belegreif nach 4 Stunden. Calciumsulfat-Masse: Begehbar nach 6-8 Stunden, belegreif nach 48 Stunden.
Nach dem Trocknen die Oberflaeche mit einem Spachtel auf Noppen und Unebenheiten pruefen. Einzelne Erhebungen mit Schleifpapier (Koernung 80) glatt schleifen. Staub wieder absaugen.
Vor dem Verlegen des Belags die Ebenheit mit einer 2-Meter-Richtlatte pruefen. Abweichungen ueber 3mm/m erfordern einen weiteren Ausgleich.
Verbrauchsberechnung: Formel und Beispiel
Die Grundformel: Verbrauch (kg) = Flaeche (m2) x Schichtdicke (mm) x Verbrauch pro m2 pro mm. Typische Verbrauchswerte: Standardmasse 1,5 kg/m2/mm, Faserverstaerkt 1,6 kg/m2/mm, Calciumsulfat 1,8 kg/m2/mm.
Beispiel: 20 m2 Boden, durchschnittlich 5mm ausgleichen, Standardmasse. Verbrauch: 20 x 5 x 1,5 = 150 kg = 6 Saecke a 25 kg. Wasser: 6 x 6 L = 36 Liter. Kosten: 6 Saecke a ca. 15 EUR = 90 EUR.
Tipp: Messen Sie die Unebenheit an mehreren Stellen und rechnen Sie mit dem Durchschnitt. Planen Sie 10% Reserve ein. Bei grossen Flaechen ueber 30 m2 lohnt sich eine Estrichpumpe, die die Masse maschinell aufbringt.
