Bodenrichtwert finden: Anleitung für alle Bundesländer (BORIS)

Redaktion
6 Min. Lesezeit
2026-01-25
Bodenrichtwert finden: Anleitung für alle Bundesländer (BORIS)

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Was ist der Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist ein Durchschnittswert für den Boden in einer bestimmten Zone (Bodenrichtwertzone). Er wird in Euro pro Quadratmeter angegeben und von den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte auf Basis tatsächlicher Kaufpreise ermittelt. Die Gutachterausschüsse werten alle notariellen Kaufverträge in ihrem Zuständigkeitsbereich aus und leiten daraus die Bodenrichtwerte ab.

Für die neue Grundsteuer ist der Bodenrichtwert eine Schlüsselgröße — zumindest im Bundesmodell und im baden-württembergischen Bodenwertmodell. In diesen Modellen fließt der Bodenrichtwert direkt in die Berechnung des Grundsteuerwerts ein. Je höher der Bodenrichtwert, desto höher die Grundsteuer.

In Bayern dagegen spielt der Bodenrichtwert für die Grundsteuer keine Rolle, da dort ein reines Flächenmodell gilt. In Niedersachsen und Hessen wird er indirekt über den Lage-Faktor berücksichtigt.

BORIS: Das zentrale Informationsportal

BORIS steht für Bodenrichtwertinformationssystem. Unter diesem Namen betreiben die meisten Bundesländer Online-Portale, über die Bürger kostenlos ihre Bodenrichtwerte abrufen können. Es gibt sowohl ein zentrales Bundesportal als auch länderspezifische Portale.

BORIS-D: Das Bundesportal

Unter www.boris-d.de betreibt die Arbeitsgemeinschaft der Gutachterausschüsse ein zentrales Portal für ganz Deutschland. Hier können Sie länderübergreifend nach Bodenrichtwerten suchen. Die Bedienung ist einfach: Geben Sie Ihre Adresse ein, und das Portal zeigt den Bodenrichtwert der zugehörigen Zone an.

Allerdings ist die Datenlage nicht in allen Bundesländern gleich aktuell. Einige Länder stellen die Daten zeitverzögert bereit. Für die genauesten und aktuellsten Werte empfiehlt sich daher der Zugriff über die Landesportale.

Bodenrichtwerte nach Bundesland finden

Nordrhein-Westfalen

NRW bietet über BORISplus.NRW eines der umfassendsten Landesportale. Die Bodenrichtwerte sind kostenlos abrufbar und werden jährlich aktualisiert. Geben Sie einfach Ihre Adresse ein und der Bodenrichtwert wird auf einer interaktiven Karte angezeigt.

Bayern

Obwohl der Bodenrichtwert in Bayern für die Grundsteuer nicht relevant ist, können Sie ihn über den BayernAtlas oder das BORIS-Portal Bayern abrufen. Dies kann für andere Zwecke nützlich sein, etwa für die Erbschaft- oder Schenkungsteuer.

Baden-Württemberg

Da Baden-Württemberg das Bodenwertmodell verwendet, ist der Bodenrichtwert hier besonders wichtig. Über BORIS-BW können Sie den Wert kostenlos abrufen. Achten Sie darauf, den Stichtag 1. Januar 2022 zu wählen, da dieser für die Grundsteuer maßgeblich ist.

Niedersachsen

In Niedersachsen finden Sie Bodenrichtwerte über das Geoportal Niedersachsen oder BORIS-Niedersachsen. Der Bodenrichtwert fließt hier indirekt über den Lage-Faktor in die Grundsteuer-Berechnung ein.

Hessen

Hessen stellt Bodenrichtwerte über BORIS-Hessen bereit. Auch hier wird der Bodenrichtwert für den gemeindespezifischen Lage-Faktor herangezogen.

Weitere Bundesländer

Die übrigen Bundesländer betreiben eigene BORIS-Portale, die in der Regel kostenlos zugänglich sind. Eine vollständige Übersicht mit Links zu allen Landesportalen finden Sie auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Gutachterausschüsse.

Welcher Stichtag gilt für die Grundsteuer?

Für die Grundsteuer-Reform wurde der Bodenrichtwert zum Stichtag 1. Januar 2022 herangezogen. Dieser Wert ist im Grundsteuerwertbescheid des Finanzamts ausgewiesen. Wenn Sie Ihren Bescheid prüfen, vergleichen Sie den dort genannten Bodenrichtwert mit dem BORIS-Wert zum Stichtag 1. Januar 2022.

Achtung: Die Bodenrichtwerte werden regelmäßig aktualisiert — häufig jährlich oder alle zwei Jahre. Der aktuelle Bodenrichtwert auf dem BORIS-Portal kann daher vom Stichtagswert abweichen. Für die Grundsteuer ist ausschließlich der Stichtagswert relevant.

Häufige Fehler beim Bodenrichtwert

Falscher Stichtag

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung des Stichtags. Das Finanzamt verwendet den Bodenrichtwert zum 1. Januar 2022, während das BORIS-Portal möglicherweise aktuellere Werte anzeigt. Prüfen Sie immer den Stichtag.

Falsche Bodenrichtwertzone

Ein weiterer Fehler entsteht, wenn das Finanzamt das Grundstück der falschen Bodenrichtwertzone zuordnet. Bodenrichtwertzonen können sehr kleinräumig sein — innerhalb weniger hundert Meter kann der Wert erheblich variieren. Prüfen Sie auf dem BORIS-Portal, ob Ihr Grundstück korrekt zugeordnet ist.

Unberücksichtigte Besonderheiten

Der Bodenrichtwert bezieht sich auf ein typisches Grundstück in der Zone. Ihr Grundstück kann Besonderheiten aufweisen, die den tatsächlichen Wert mindern — etwa eine ungünstige Zuschnittform, eine Hanglage, Lärmbelastung oder Altlasten. In solchen Fällen kann ein Gutachten des Gutachterausschusses den individuellen Bodenwert nach unten korrigieren.

Kann ich den Bodenrichtwert anfechten?

Den Bodenrichtwert selbst können Sie nicht direkt anfechten, da er keine verbindliche Feststellung für Ihr individuelles Grundstück darstellt. Wohl aber können Sie den im Grundsteuerwertbescheid zugrunde gelegten Bodenrichtwert im Rahmen eines Einspruchs überprüfen lassen. Wenn das Finanzamt einen falschen Bodenrichtwert verwendet hat — etwa durch Zuordnung zur falschen Zone — ist das ein Grund für eine Korrektur.

In Fällen, in denen der Bodenrichtwert den tatsächlichen Wert Ihres Grundstücks erheblich übersteigt, kann ein Verkehrswertgutachten eines öffentlich bestellten Sachverständigen hilfreich sein. Die Kosten eines solchen Gutachtens liegen typischerweise zwischen 1.000 und 3.000 Euro.

Fazit

Der Bodenrichtwert ist eine zentrale Größe für die neue Grundsteuer in vielen Bundesländern. Nutzen Sie die kostenlosen BORIS-Portale, um den Wert für Ihr Grundstück zu ermitteln und den Bescheid des Finanzamts zu prüfen. Achten Sie auf den korrekten Stichtag und die richtige Bodenrichtwertzone. Bei Unstimmigkeiten lohnt sich ein Einspruch innerhalb der Monatsfrist.

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