Warum ein Mitbewohnerwechsel Planung braucht
In einer WG ist Fluktuation normal — durchschnittlich wechselt ein Mitbewohner alle 18 bis 24 Monate. Ob Studierende, die nach dem Abschluss umziehen, Berufstätige, die in eine andere Stadt wechseln, oder Paare, die zusammenziehen: Ein Mitbewohnerwechsel bringt eine Reihe finanzieller und organisatorischer Fragen mit sich, die rechtzeitig geklärt werden müssen.
Ohne klare Absprachen entstehen offene Posten, Missverständnisse und im schlimmsten Fall Streit zwischen dem alten, dem neuen und den verbleibenden Mitbewohnern. Diese Checkliste führt durch alle wichtigen Schritte.
Schritt 1: Mietvertrag prüfen und anpassen
Der wichtigste Punkt: Was steht im Mietvertrag? Es gibt drei gängige Konstellationen bei WGs.
Alle als Hauptmieter
Wenn alle Bewohner gemeinsam im Mietvertrag stehen, muss der ausziehende Mitbewohner aus dem Vertrag entlassen und der neue aufgenommen werden. Das erfordert die Zustimmung des Vermieters und aller anderen Hauptmieter. Der Vermieter kann die Aufnahme eines neuen Mieters verweigern — allerdings nur aus berechtigten Gründen.
Ein Hauptmieter, Untervermietung
Wenn ein Bewohner der Hauptmieter ist und die anderen untervermietet, muss nur der Untermietvertrag gekündigt und ein neuer abgeschlossen werden. Der Hauptmieter haftet gegenüber dem Vermieter, die Untermieter haften gegenüber dem Hauptmieter. Vorteil: Flexibler bei Wechseln. Nachteil: Der Hauptmieter trägt das volle Risiko.
WG-Klausel im Mietvertrag
Einige moderne Mietverträge enthalten eine WG-Klausel, die den Austausch von Mitbewohnern vereinfacht. Der Vermieter stimmt grundsätzlich zu, dass Mitbewohner wechseln dürfen, solange die Gesamtzahl der Bewohner gleich bleibt.
Schritt 2: Kaution regeln
Die Mietkaution beträgt in der Regel zwei bis drei Monatsmieten (Kaltmiete) und ist oft der größte Einzelbetrag beim Mitbewohnerwechsel.
Variante A: Direkte Übergabe
Der neue Mitbewohner zahlt seinen Kautionsanteil direkt an den ausziehenden Bewohner. Der Gesamtbetrag bei Vermieter bleibt unverändert. Das ist die gängigste Praxis und die einfachste Lösung. Wichtig: Schriftlich festhalten, dass der Kautionsanteil übertragen wurde.
Variante B: Über den Vermieter
Der ausziehende Bewohner erhält seinen Kautionsanteil vom Vermieter zurück, der neue zahlt seinen Anteil an den Vermieter. Korrekt, aber langsam — Vermieter haben bis zu 6 Monate Zeit für die Kautionsrückzahlung. In der Praxis ist Variante A deshalb üblicher.
Typische Kautionshöhe 2026
Bei einer Kaltmiete von 900 EUR für eine 3er-WG-Wohnung: Gesamtkaution ca. 2.700 EUR, Anteil pro Person ca. 900 EUR. In teuren Großstädten (München, Frankfurt) kann der Anteil leicht 1.200-1.500 EUR betragen.
Schritt 3: Nebenkosten anteilig abrechnen
Der ausziehende Mitbewohner hat Anspruch auf eine anteilige Nebenkostenabrechnung — oder muss einen anteiligen Betrag nachzahlen. Da die offizielle Nebenkostenabrechnung des Vermieters erst Monate später kommt, empfiehlt sich eine interne Zwischenabrechnung.
Vorauszahlungen
Die monatlichen Nebenkostenvorauszahlungen werden bis zum Auszugsdatum anteilig berechnet. Wenn der ausziehende Bewohner seine Anteile regelmäßig gezahlt hat, ist dieser Posten ausgeglichen. Schuldet er noch Beträge, müssen diese beglichen werden.
Jahresabrechnung
Kommt die Nebenkostenabrechnung des Vermieters nach dem Auszug, muss der Anteil des ausziehenden Bewohners berechnet werden — anteilig nach Wohnmonaten. Unser WG-Rechner macht das im Tab 'Nebenkosten' automatisch.
Schritt 4: Laufende Verträge anpassen
Neben dem Mietvertrag müssen weitere Verträge geprüft und gegebenenfalls angepasst werden: Strom (wenn auf den Namen des Ausziehenden, Vertrag übertragen oder neuen abschließen), Internet (dito), GEZ (Ummeldung beim Beitragsservice), Hausratversicherung (wenn vorhanden, Bewohnerkreis aktualisieren) und WG-Konto/WG-Kasse (Zugang ändern, offene Beträge ausgleichen).
Schritt 5: Offene Ausgaben abrechnen
Vor dem Auszug müssen alle gemeinsamen Ausgaben abgerechnet werden. Dazu gehören: WG-Kasse (Restbetrag auszahlen oder einfordern), gemeinsame Einkäufe (letzte Abrechnung durchführen), Putzmittel und Haushaltsbedarf (anteilig verrechnen) und geliehene Gegenstände (zurückgeben). Unser WG-Rechner im Tab 'Abrechnung' ist ideal für diese Endabrechnung: Alle offenen Posten eintragen und die minimale Anzahl an Überweisungen berechnen lassen.
Schritt 6: Neue Kostenaufteilung festlegen
Mit dem Einzug des neuen Mitbewohners muss die Kostenaufteilung neu berechnet werden — insbesondere wenn sich die Zimmergröße ändert. Wenn der neue Bewohner ein anderes Zimmer bezieht als der ausziehende, verschiebt sich die Miete nach Quadratmeter-Schlüssel. Unser WG-Rechner berechnet die neue Aufteilung in Sekunden.
Checkliste für den neuen Mitbewohner
Kautionsanteil zahlen (an ausziehenden Bewohner oder Vermieter). Mietvertrag unterschreiben (Hauptmietvertrag oder Untermietvertrag). Nebenkostenvorauszahlung ab Einzugsdatum zahlen. Anteiligen Strom, Internet und GEZ ab Einzugsdatum übernehmen. Bei der WG-Kasse einsteigen. Putzplan-Rotation übernehmen.
Fazit
Ein Mitbewohnerwechsel ist kein Drama, wenn die Finanzen sauber geregelt sind. Die Kernpunkte: Kaution direkt übergeben, Nebenkosten anteilig abrechnen, laufende Verträge anpassen und die Kostenaufteilung mit dem neuen Mitbewohner neu berechnen. Mit unserer Checkliste und dem WG-Rechner erledigen Sie das in einem Nachmittag.
