Das Problem mit der Gleichaufteilung
In vielen WGs wird die Miete einfach durch die Anzahl der Bewohner geteilt. Das klingt fair — ist es aber oft nicht. In einer typischen Altbauwohnung unterscheiden sich die Zimmergrößen erheblich: Das größte Zimmer hat nicht selten doppelt so viele Quadratmeter wie das kleinste. Wer das kleine Zimmer bewohnt, zahlt pro Quadratmeter dann deutlich mehr als der Mitbewohner im großen Zimmer.
Konkretes Beispiel
3er-WG, 85 m², Kaltmiete 1.100 EUR. Zimmer A: 22 m². Zimmer B: 16 m². Zimmer C: 11 m². Gemeinschaftsfläche: 36 m². Bei Gleichaufteilung zahlt jeder 366,67 EUR. Person C zahlt also 366,67 EUR für 11 m² eigenes Zimmer — das sind 33,33 EUR pro m² eigenem Raum. Person A zahlt 366,67 EUR für 22 m² — nur 16,67 EUR pro m². Person C zahlt pro Quadratmeter Privatfläche doppelt so viel wie Person A. Das ist kaum fair.
Die Quadratmeter-Methode im Detail
Die Quadratmeter-Methode löst dieses Problem, indem sie die Miete proportional zur genutzten Fläche verteilt. Dabei wird zwischen privater Fläche (eigenes Zimmer) und Gemeinschaftsfläche unterschieden.
Schritt für Schritt
- Gesamtfläche der Wohnung ermitteln (aus dem Mietvertrag). 2. Alle Zimmer ausmessen oder die Angaben aus dem Grundriss verwenden. 3. Gemeinschaftsfläche berechnen: Gesamtfläche minus Summe aller privaten Zimmer. 4. Mietpreis pro Quadratmeter berechnen: Kaltmiete geteilt durch Gesamtfläche. 5. Für jeden Bewohner: (eigene Zimmerfläche plus anteilige Gemeinschaftsfläche) mal Preis pro Quadratmeter:
Unser Beispiel mit Quadratmeter-Methode
Mietpreis pro m²: 1.100 EUR / 85 m² = 12,94 EUR. Gemeinschaftsfläche pro Person: 36 m² / 3 = 12 m². Person A: (22 + 12) m² × 12,94 EUR = 440 EUR. Person B: (16 + 12) m² × 12,94 EUR = 362 EUR. Person C: (11 + 12) m² × 12,94 EUR = 298 EUR.
Person C spart gegenüber der Gleichaufteilung fast 70 EUR monatlich — über 800 EUR im Jahr. Person A zahlt 73 EUR mehr, erhält dafür aber auch ein Zimmer, das doppelt so groß ist. Beide Seiten können mit der Aufteilung leben, weil die Logik nachvollziehbar ist.
Varianten und Anpassungen
Gewichtung der Gemeinschaftsfläche
In manchen WGs wird die Gemeinschaftsfläche nicht gleichmäßig aufgeteilt, sondern proportional zur Zimmergröße. Die Überlegung: Wer ein größeres Zimmer hat, nutzt tendenziell auch mehr Gemeinschaftsfläche (mehr Stauraum, mehr Platz im Kühlschrank). Diese Methode führt zu größeren Unterschieden in der Miete, was manche als fairer empfinden.
Zu- und Abschläge
Nicht jeder Quadratmeter ist gleich viel wert. Typische Anpassungen sind: Balkonzimmer: 5-10 % Aufschlag. Durchgangszimmer: 10-15 % Abschlag. Straßenlärm: 5-10 % Abschlag. Eigenes Bad (Ensuite): 15-20 % Aufschlag. Dachschrägen: Flächen unter 1 m Höhe zählen gar nicht, Flächen zwischen 1 und 2 m Höhe zählen zur Hälfte.
Die Wiener Methode
Eine alternative Berechnungsmethode teilt die Miete in zwei Hälften: Die erste Hälfte wird gleichmäßig auf alle aufgeteilt (Grundkosten), die zweite Hälfte nach Zimmergröße (Flächenkosten). Das Ergebnis liegt zwischen Gleichaufteilung und reiner Quadratmeter-Methode und wird oft als besonders fair empfunden.
Häufige Einwände und Antworten
'Ich habe mir das große Zimmer nicht ausgesucht'
Doch — wer einzieht, wählt sein Zimmer. Wenn das große Zimmer frei war und man es genommen hat, hat man sich aktiv dafür entschieden. Alternativ könnte man bei jedem WG-Wechsel die Zimmer neu verteilen — meistens möchte das aber niemand.
'Die Gemeinschaftsräume nutzen wir alle gleich'
Genau deshalb wird die Gemeinschaftsfläche gleichmäßig aufgeteilt. Die Quadratmeter-Methode betrifft nur die privaten Zimmer. Wer ein größeres Zimmer hat, zahlt mehr für das Zimmer — nicht für die Küche.
'Das ist zu kompliziert'
Die Berechnung dauert mit unserem WG-Rechner weniger als eine Minute. Zimmergrößen und Kaltmiete eingeben — fertig. Das Ergebnis ist dann für die gesamte WG-Dauer gültig und muss nur bei Mieterhöhungen oder Zimmerwechseln angepasst werden.
Fazit
Die Aufteilung nach Zimmergröße ist die fairste Methode, die Miete in einer WG zu verteilen. Sie ist mathematisch nachvollziehbar, für alle transparent und leicht zu berechnen. Nutzen Sie den Tab 'WG-Kosten' in unserem WG-Rechner — tragen Sie die Zimmergrößen und die Gesamtmiete ein, und Sie erhalten sofort die faire Aufteilung für jeden Mitbewohner.
