Warum braucht jede Terrasse ein Gefaelle?
Wasser ist der groesste Feind jeder Terrasse. Ohne ausreichendes Gefaelle bilden sich Pfuetzen, die im Sommer zu Algenbewuchs fuehren und im Winter zu Frostschaeden. Stehendes Wasser dringt in Fugen und Poren des Belags ein, gefriert und sprengt den Stein oder Beton von innen. Die Reparaturkosten uebersteigen schnell die Kosten einer korrekten Verlegung.
Nach DIN 18195 muss das Gefaelle einer Terrasse mindestens 1,5 % betragen. Die meisten Fachbetriebe empfehlen 2 % als idealen Kompromiss zwischen zuverlaessiger Entwaesserung und Komfort. Mehr als 2,5 % sind in der Regel unnoetig und koennen dazu fuehren, dass Gartenmoebel auf glattem Belag rutschen.
So berechnest du das Terrassengefaelle
Die Berechnung ist einfach: Gefaelle (%) = Hoehendifferenz (cm) / Strecke (m). Fuer eine 5 m tiefe Terrasse mit 2 % Gefaelle brauchst du 10 cm Hoehendifferenz. Das bedeutet: Die Terrassenkante am Haus liegt 10 cm hoeher als die Kante am Garten.
Bei der Planung solltest du die Tuerunterkante am Haus als Ausgangspunkt nehmen. Die Terrasse muss mindestens 15 cm unter der Tuerunterkante liegen (Spritzwasserschutz). Von diesem Punkt aus faellt die Terrasse dann mit 2 % Richtung Garten.
Praktisches Beispiel: Tuerunterkante auf 100 cm ueber Gelaendeniveau. Terrasse am Haus: 85 cm (15 cm Spritzwasserschutz). Terrasse am Gartenrand (5 m entfernt): 85 - 10 = 75 cm. Die Gesamthoehendifferenz von Tuerunterkante bis Terrassenrand betraegt also 25 cm.
Welcher Belag braucht welches Gefaelle?
Nicht jeder Terrassenbelag hat die gleichen Anforderungen. Betonplatten und Naturstein mit geschlossener Oberflaeche brauchen das volle Gefaelle von 2 %, da Wasser auf der Oberflaeche steht und nur ueber die Platten abfliesst.
Holzterrassen und WPC-Dielen auf Unterkonstruktion brauchen weniger Gefaelle (1,5 % genuegen oft), weil ein Grossteil des Wassers durch die Fugen zwischen den Dielen ablaeuft. Das Gefaelle wird hier in der Unterkonstruktion hergestellt, nicht in den Dielen selbst.
Kies- und Splittbettungen brauchen das Gefaelle im Unterbau (Tragschicht aus Schotter), nicht im Bettungsmaterial. Der Splitt selbst ist draenagehfaehig, aber ohne Gefaelle im Unterbau staut sich das Wasser unter dem Belag.
Stelzlager-Systeme ermoeglichen es, das Gefaelle im Unterbau zu belassen und die Platten trotzdem waagerecht zu verlegen. Das ist optisch ansprechend, aber teurer und technisch aufwaendiger.
Haeufige Fehler bei der Terrassenentwaesserung
Der haeufigste Fehler: Das Gefaelle wird zur Hauswand hin gebaut statt vom Haus weg. Das fuehrt dazu, dass Regenwasser an der Hauswand entlang laeuft und in den Keller eindringt.
Ein weiterer Fehler: Das Gefaelle wird zwar korrekt geplant, aber beim Verlegen nicht kontrolliert. Unebenheiten im Untergrund koennen lokale Senken erzeugen, in denen sich Wasser sammelt, obwohl das Gesamtgefaelle stimmt.
Dritter Fehler: Am tieferen Rand der Terrasse fehlt eine Ableitung. Das Wasser fliesst zwar von der Terrasse, staut sich aber an der Bordsteinkante oder Rasenkante zurueck. Eine Kiesrinne oder ein Drainagerohr am tiefsten Punkt loest das Problem.
Gefaelle pruefen: Die Wasserwaage-Methode
Um das Gefaelle einer bestehenden Terrasse zu pruefen, legst du eine 2 m Wasserwaage auf die Flaeche. Das hoehere Ende (Richtung Haus) hebst du an, bis die Libelle genau mittig steht. Dann misst du den Abstand zwischen dem angehobenen Ende und der Terrassenoberflaeche.
Bei 2 % Gefaelle betraegt der Abstand genau 40 mm auf 2 m Laenge. Ist der Abstand kleiner als 30 mm, ist das Gefaelle zu gering. Ist er groesser als 50 mm, ist das Gefaelle unnoetig steil.
Pruefe an mehreren Stellen der Terrasse, nicht nur an einer. Das Gefaelle muss gleichmaessig sein. Lokale Senken oder Erhoehungen deuten auf Probleme mit dem Unterbau hin.
