Warum braucht jede Terrasse ein Gefälle?
Wasser ist der größte Feind jeder Terrasse. Ohne ausreichendes Gefälle bilden sich Pfützen, die im Sommer zu Algenbewuchs führen und im Winter zu Frostschäden. Stehendes Wasser dringt in Fugen und Poren des Belags ein, gefriert und sprengt den Stein oder Beton von innen. Die Reparaturkosten übersteigen schnell die Kosten einer korrekten Verlegung.
Nach DIN 18531 und den Fachregeln sollte das Gefälle einer Terrasse mindestens 1,5 % betragen. Die meisten Fachbetriebe empfehlen 2 % als idealen Kompromiss zwischen zuverlässiger Entwässerung und Komfort. Mehr als 2,5 % sind in der Regel unnötig und können dazu führen, dass Gartenmöbel auf glattem Belag rutschen.
So berechnest du das Terrassengefälle
Die Berechnung ist einfach:
Für eine 5 m tiefe Terrasse mit 2 % Gefälle brauchst du 10 cm Höhendifferenz. Das bedeutet: Die Terrassenkante am Haus liegt 10 cm höher als die Kante am Garten.
Bei der Planung solltest du die Türunterkante am Haus als Ausgangspunkt nehmen. Die Terrasse muss mindestens 15 cm unter der Türunterkante liegen (Spritzwasserschutz). Von diesem Punkt aus fällt die Terrasse dann mit 2 % Richtung Garten.
Praktisches Beispiel: Türunterkante auf 100 cm über Geländeniveau. Terrasse am Haus: 85 cm (15 cm Spritzwasserschutz). Terrasse am Gartenrand (5 m entfernt): 85 − 10 = 75 cm. Die Gesamthöhendifferenz von Türunterkante bis Terrassenrand beträgt also 25 cm.
Welcher Belag braucht welches Gefälle?
Nicht jeder Terrassenbelag hat die gleichen Anforderungen. Betonplatten und Naturstein mit geschlossener Oberfläche brauchen das volle Gefälle von 2 %, da Wasser auf der Oberfläche steht und nur über die Platten abfließt.
Holzterrassen und WPC-Dielen auf Unterkonstruktion brauchen weniger Gefälle (1,5 % genügen oft), weil ein Großteil des Wassers durch die Fugen zwischen den Dielen abläuft. Das Gefälle wird hier in der Unterkonstruktion hergestellt, nicht in den Dielen selbst.
Kies- und Splittbettungen brauchen das Gefälle im Unterbau (Tragschicht aus Schotter), nicht im Bettungsmaterial. Der Splitt selbst ist dränagefähig, aber ohne Gefälle im Unterbau staut sich das Wasser unter dem Belag.
Stelzlager-Systeme ermöglichen es, das Gefälle im Unterbau zu belassen und die Platten trotzdem waagerecht zu verlegen. Das ist optisch ansprechend, aber teurer und technisch aufwändiger.
Häufige Fehler bei der Terrassenentwässerung
Der häufigste Fehler: Das Gefälle wird zur Hauswand hin gebaut statt vom Haus weg. Das führt dazu, dass Regenwasser an der Hauswand entlang läuft und in den Keller eindringt.
Ein weiterer Fehler: Das Gefälle wird zwar korrekt geplant, aber beim Verlegen nicht kontrolliert. Unebenheiten im Untergrund können lokale Senken erzeugen, in denen sich Wasser sammelt, obwohl das Gesamtgefälle stimmt.
Dritter Fehler: Am tieferen Rand der Terrasse fehlt eine Ableitung. Das Wasser fließt zwar von der Terrasse, staut sich aber an der Bordsteinkante oder Rasenkante zurück. Eine Kiesrinne oder ein Drainagerohr am tiefsten Punkt löst das Problem.
Gefälle prüfen: Die Wasserwaage-Methode
Um das Gefälle einer bestehenden Terrasse zu prüfen, legst du eine 2 m Wasserwaage auf die Fläche. Das höhere Ende (Richtung Haus) hebst du an, bis die Libelle genau mittig steht. Dann misst du den Abstand zwischen dem angehobenen Ende und der Terrassenoberfläche.
Bei 2 % Gefälle beträgt der Abstand genau 40 mm auf 2 m Länge. Ist der Abstand kleiner als 30 mm, ist das Gefälle zu gering. Ist er größer als 50 mm, ist das Gefälle unnötig steil.
Prüfe an mehreren Stellen der Terrasse, nicht nur an einer. Das Gefälle muss gleichmäßig sein. Lokale Senken oder Erhöhungen deuten auf Probleme mit dem Unterbau hin.
