R

Gefälle berechnen: Formel, Normen und praktische Anleitung

Redaktion
15 Min. Lesezeit
2026-03-06
Gefälle berechnen: Formel, Normen und praktische Anleitung

Was ist Gefaelle und wie wird es gemessen?

Das Gefaelle (auch Neigung oder Steigung genannt) beschreibt, wie stark eine Flaeche oder eine Leitung gegenueber der Horizontalen geneigt ist. Im Bauwesen ist das Gefaelle entscheidend fuer die Entwaesserung von Terrassen, Daechern und Nassbereichen sowie fuer die korrekte Verlegung von Rohrleitungen.

Im deutschsprachigen Raum wird das Gefaelle in der Regel in Prozent angegeben. Es drueckt das Verhaeltnis von Hoehendifferenz zu horizontaler Strecke aus. Ein Gefaelle von 2 % bedeutet: Auf 100 cm horizontaler Strecke faellt die Flaeche um 2 cm. Das klingt wenig, reicht aber voellig aus, damit Regenwasser zuverlaessig abfliesst.

Neben der Prozentangabe gibt es zwei weitere gaengige Darstellungen: die Gradangabe (der tatsaechliche Winkel zur Horizontalen) und das Verhaeltnis (z.B. 1:50). Fuer kleine Gefaelle, wie sie im Hochbau ueblich sind, sind Prozent und Grad nahezu identisch: 2 % entsprechen 1,15 Grad.

Gefaelle berechnen: Die Formel

Die Grundformel ist denkbar einfach:

Gefaelle (%) = (Hoehendifferenz / horizontale Strecke) x 100

Dabei muessen Hoehendifferenz und Strecke in der gleichen Einheit angegeben werden. In der Praxis misst man die Strecke haeufig in Metern und die Hoehendifferenz in Zentimetern, daher lautet die angepasste Formel:

Gefaelle (%) = (Hoehendifferenz in cm / (Strecke in m x 100)) x 100

Oder vereinfacht: Gefaelle (%) = Hoehendifferenz (cm) / Strecke (m)

Beispiel: Eine Terrasse ist 5 m lang. Am Ende soll sie 10 cm tiefer liegen als am Hausanschluss. Das Gefaelle betraegt: 10 cm / 5 m = 2 %.

Moechte man umgekehrt die benoetigte Hoehendifferenz berechnen, stellt man die Formel um:

Hoehendifferenz (cm) = Gefaelle (%) x Strecke (m)

Bei 2 % Gefaelle auf 8 m Strecke: 2 x 8 = 16 cm Hoehendifferenz.

Und fuer die Streckenberechnung bei gegebener Hoehe und Gefaelle:

Strecke (m) = Hoehendifferenz (cm) / Gefaelle (%)

Gefaelle-Normen nach Anwendung (DIN)

In Deutschland regeln verschiedene DIN-Normen die Mindest- und Hoechstgefaelle fuer unterschiedliche Anwendungen. Die Einhaltung dieser Normen ist nicht nur technisch sinnvoll, sondern haeufig auch bauordnungsrechtlich vorgeschrieben.

Die DIN 18195 regelt die Bauwerksabdichtung und schreibt fuer Terrassen und Balkone ein Gefaelle von mindestens 1,5 % vor. Empfohlen werden 2 % als Idealwert. Bei weniger als 1,5 % kann stehendes Wasser entstehen, das langfristig die Abdichtung schaedigt und zu Frostschaeden fuehrt.

Die DIN 18534 befasst sich mit der Abdichtung von Innenbereichen und gibt fuer bodengleiche Duschen ein Gefaelle von 1,5 bis 2 % vor. Weniger als 1,5 % fuehrt zu stehendem Wasser auf den Fliesen; mehr als 2 % kann das Stehen in der Dusche unbequem machen.

Die DIN EN 12056 regelt Schwerkraftentwaesserungsanlagen innerhalb von Gebaeuden. Das Mindestgefaelle fuer Abwasserrohre haengt vom Nenndurchmesser ab: DN50 benoetigt 2,5 %, DN100 (der Haushaltstandard) benoetigt 1,5 %, DN200 kommt mit 0,5 % aus. Zu wenig Gefaelle fuehrt zu Ablagerungen und Verstopfungen; zu viel Gefaelle laesst das Wasser zu schnell abfliessen, sodass Feststoffe zurueckbleiben.

Die DIN 4095 behandelt Draenung zum Schutz baulicher Anlagen und empfiehlt fuer Drainagerohre ein Gefaelle von 0,5 bis 2 %.

Die DIN 18040-1 fuer barrierefreies Bauen begrenzt die Steigung von Rollstuhlrampen auf maximal 6 %. Im Aussenbereich werden haeufig maximal 4 % empfohlen. Die maximale Lauflange einer Rampe betraegt 6 m, danach ist ein Zwischenpodest von mindestens 1,50 m Laenge erforderlich.

Die DIN 18531 regelt die Abdichtung von Flachbaedchern und schreibt ein Mindestgefaelle von 2 % vor, maximal 5 %.

Terrasse und Balkon: Entwaesserungsgefaelle richtig planen

Bei der Planung einer Terrasse ist das Gefaelle einer der wichtigsten Faktoren. Es muss vom Haus weg gefuehrt werden, damit Regenwasser zuverlaessig abfliesst. Stehendes Wasser auf der Terrasse fuehrt zu Algenbewuchs, Frostschaeden im Winter und langfristig zur Zerstoerung des Belags.

Fuer Betonplatten und Naturstein empfehlen sich 2 % Gefaelle. Bei WPC-Dielen oder Holzterrassen auf Unterkonstruktion genuegen oft 1,5 %, da das Wasser durch die Fugen ablaeuft. Bei Kies oder Splitt als Bettung sollte das Gefaelle im Unterbau hergestellt werden, nicht erst im Belag.

Praktischer Tipp: Bei einer 4 m tiefen Terrasse mit 2 % Gefaelle betraegt die Hoehendifferenz nur 8 cm. Das ist mit blossem Auge kaum sichtbar, reicht aber voellig fuer die Entwaesserung aus. Bei laengeren Terrassen (z.B. 8 m) steigt die Hoehendifferenz auf 16 cm, was bereits eine merkliche Stufe ergibt.

Wenn die Terrasse an ein Blumenbeet grenzt, sollte am tiefsten Punkt eine Rinne oder ein Kiesbett zur Ableitung des Wassers vorgesehen werden. Ohne Ableitung staut sich das Wasser am Rand und versickert unkontrolliert.

Rohrleitungen: Mindestgefaelle nach Durchmesser

Bei der Verlegung von Abwasserrohren ist das richtige Gefaelle entscheidend. Zu wenig Gefaelle fuehrt dazu, dass Feststoffe im Rohr liegen bleiben und Verstopfungen verursachen. Zu viel Gefaelle laesst das Wasser so schnell fliessen, dass es die Feststoffe nicht mitnimmt. Es gibt also ein optimales Fenster.

Die gaengigsten Rohrdurchmesser im Haushalt sind DN50 (Spuele, Waschbecken), DN75 (Badewanne), DN100 (WC-Anschluss) und DN150 (Sammelleitung). Die Mindestgefaelle betragen: DN50: 2,5 %, DN75: 2,0 %, DN100: 1,5 %, DN125: 1,0 %, DN150: 0,8 %, DN200: 0,5 %.

In der Praxis bedeutet das: Ein DN100-Rohr muss auf 1 m Laenge mindestens 1,5 cm fallen. Bei einer Leitungslaenge von 10 m ergibt sich eine Hoehendifferenz von mindestens 15 cm. Das muss bei der Planung von Kellerleitungen und Grundleitungen beruecksichtigt werden.

Gussrohre und KG-Rohre (Kanalgrundrohr, orange) werden in der Regel mit einer Laenge von 50 cm, 100 cm oder 200 cm geliefert. Die Muffen erhoehen die Laenge geringfuegig. Bei der Verlegung wird das Gefaelle mit Hilfe von Abstandshaltern oder einem vorbereiteten Sandbett hergestellt.

Gefaelle messen: Wasserwaage und Richtlatte

Die zuverlaessigste Methode, ein Gefaelle auf der Baustelle zu messen, ist die Kombination aus Wasserwaage (oder Richtlatte) und einem Massstab.

So geht es Schritt fuer Schritt: Lege eine 2 m Wasserwaage auf die Flaeche. Hebe das hoehere Ende an, bis die Luftblase genau mittig steht (die Wasserwaage ist jetzt waagerecht). Miss den Abstand zwischen dem angehobenen Ende der Wasserwaage und der Flaeche in Millimetern.

Dann rechnest du: Gefaelle (%) = Abstand (mm) / Laenge der Wasserwaage (mm) x 100. Bei 40 mm Abstand auf einer 2 m Wasserwaage: 40 / 2000 x 100 = 2 %.

Umgekehrt kannst du vorab berechnen, wie viel Abstand du brauchst: Abstand (mm) = Gefaelle (%) / 100 x Laenge (mm). Fuer 2 % auf 2 m: 2/100 x 2000 = 40 mm.

Moderne digitale Wasserwaagen zeigen das Gefaelle direkt in Grad oder Prozent an. Das ist bequemer, aber die klassische Methode mit Richtlatte und Massstab ist guenstiger und auf jeder Baustelle verfuegbar.

Eine Schlauchwaage (zwei verbundene Wasserbehaelter) ist eine Alternative fuer grosse Entfernungen, bei denen eine 2 m Wasserwaage nicht ausreicht. Sie nutzt das Prinzip kommunizierender Roehren: Das Wasser steht in beiden Behaeltern auf gleicher Hoehe, unabhaengig von der Entfernung.