Warum das Rohrgefaelle so entscheidend ist
Bei der Verlegung von Abwasserrohren ist das Gefaelle einer der kritischsten Parameter. Zu wenig Gefaelle und die Feststoffe bleiben im Rohr liegen, bilden Ablagerungen und fuehren frueher oder spaeter zu Verstopfungen. Zu viel Gefaelle und das Wasser fliesst so schnell, dass es die Feststoffe nicht mitnimmt. Das Ergebnis ist dasselbe: Verstopfungen.
Die DIN EN 12056 regelt die Schwerkraftentwaesserung innerhalb von Gebaeuden und gibt fuer jeden Rohrdurchmesser ein Mindestgefaelle vor. Diese Werte basieren auf Jahrzehnten von Forschung und Praxiserfahrung.
Mindestgefaelle nach Rohrdurchmesser
Die wichtigsten Werte im Ueberblick: DN50 (Spuele, Waschbecken): mindestens 2,5 %. DN75 (Badewanne): mindestens 2,0 %. DN100 (WC, Hauptleitung im Haus): mindestens 1,5 %. DN125: mindestens 1,0 %. DN150 (Sammelleitung): mindestens 0,8 %. DN200 (Grundleitung): mindestens 0,5 %. DN250: mindestens 0,4 %. DN300 (Kanalisation): mindestens 0,3 %.
Die Faustregel ist einfach: Je groesser der Rohrdurchmesser, desto weniger Gefaelle ist noetig. Der Grund: In groesseren Rohren bildet sich eine tiefere Wasserstroemung, die Feststoffe besser transportiert.
DN100: Der Haushaltstandard
DN100 ist der am haeufigsten verwendete Durchmesser im Haushalt. Er wird fuer WC-Anschluesse, Hauptsammelleitung im Haus und die Verbindung zum Grundleitungsnetz verwendet. Das Mindestgefaelle betraegt 1,5 %.
In der Praxis bedeutet das: Auf 1 m Rohrleitungslaenge muss das Rohr mindestens 1,5 cm fallen. Bei einer typischen Leitungsfuehrung von 8 m vom WC bis zum Fallleitungsanschluss ergibt sich eine Hoehendifferenz von mindestens 12 cm.
Diese 12 cm muessen bei der Planung der Rohrleitungsfuehrung beruecksichtigt werden. In Altbauten mit niedrigen Kellerdecken kann das zum Problem werden, wenn die Grundleitung bereits nah an der Decke liegt.
Maximales Gefaelle: Gibt es das?
Die DIN EN 12056 empfiehlt ein maximales Gefaelle von 5 % fuer Hausanschlussleitungen. Bei staerkerem Gefaelle fliesst das Wasser so schnell ab, dass die Schleppkraft nicht ausreicht, um Feststoffe mitzunehmen. Man spricht hier vom sogenannten Abtrockn-Effekt.
In der Praxis kommt es selten vor, dass ein zu steiles Gefaelle problematisch wird. Es ist aber wichtig zu wissen, dass steiler nicht automatisch besser ist. Das ideale Fenster liegt bei 1,5 bis 3 % fuer DN100-Rohre.
Rohrmaterial und Gefaelle
KG-Rohre (Kanalgrundrohr, orange fuer erdverlegte Leitungen) und HT-Rohre (Hochtemperatur-Abwasserrohr, grau fuer Innenbereich) haben unterschiedliche Innenoberflaechen. KG-Rohre haben eine etwas rauere Oberflaeche, was den Feststofftransport verbessert, aber auch hoehere Reibungsverluste verursacht.
Gusseiserne Rohre, wie sie in aelteren Gebaeuden vorkommen, haben eine deutlich rauere Innenwand. Hier kann ein etwas groesseres Gefaelle sinnvoll sein, um Ablagerungen zu vermeiden.
Praxistipps fuer die Rohrverlegung
Tipp 1: Verwende ein Gefaelle von 2 % statt dem Minimum von 1,5 % fuer DN100. Das gibt dir Sicherheitspuffer, falls sich das Rohr nach der Verlegung noch leicht setzt.
Tipp 2: Miss das Gefaelle waehrend der Verlegung alle 50 cm mit einer Wasserwaage. Nachtraegliche Korrekturen sind aufwaendig, besonders wenn die Rohre bereits eingebettet sind.
Tipp 3: Jeder Richtungswechsel (Bogen) erzeugt einen Widerstand, der das effektive Gefaelle reduziert. Plane nach Moeglichkeit gerade Leitungsfuehrungen. Wenn Boegen unvermeidlich sind, verwende 45-Grad-Boegen statt 90-Grad-Boegen.
Tipp 4: Revisionsoeeffnungen (Reinigungsoeffnungen) an jedem Richtungswechsel und alle 10-15 m erleichtern die spaetere Wartung erheblich.
