Schneelastzonen Deutschland: Karte und Berechnung

Redaktion
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2026-03-02
Schneelastzonen Deutschland: Karte und Berechnung

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Was sind Schneelastzonen?

Deutschland ist in fünf Schneelastzonen eingeteilt: Zone 1, Zone 1a, Zone 2, Zone 2a und Zone 3. Die Einteilung basiert auf langjährigen Schneemessungen und gibt an, wie viel Schneelast pro Quadratmeter Bodenfläche in einem bestimmten Gebiet maximal zu erwarten ist.

Die Zonen sind in der DIN EN 1991-1-3 mit dem Nationalen Anhang (NA) definiert. Jeder Baustandort in Deutschland ist einer Zone zugeordnet. Die Zuordnung erfolgt nach Verwaltungsgrenzen (Landkreise und kreisfreie Städte).

Welche Zone gilt wo?

Zone 1 umfasst große Teile Norddeutschlands: die Küsten, das norddeutsche Tiefland, das Rheintal und Teile des Rhein-Main-Gebiets. Hier fällt wenig Schnee und er bleibt selten lange liegen.

Zone 1a betrifft Übergangsbereiche zwischen Tiefland und Mittelgebirge, etwa Teile von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Zone 2 umfasst die Mittelgebirgsregionen: Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge, Schwarzwald (tiefere Lagen), Rhön und Teile der Schwäbischen Alb.

Zone 2a betrifft höhere Lagen der Mittelgebirge und das nördliche Alpenvorland.

Zone 3 umfasst die höchsten Schneelastgebiete: südliches Alpenvorland, Alpenrand und Bayerische Alpen. Hier können extreme Schneemengen auftreten.

Die Berechnungsformeln

Die charakteristische Schneelast auf dem Boden sks_k wird für jede Zone mit einer eigenen Formel berechnet, die die Geländehöhe hh (in Metern über NN) berücksichtigt:

Zone 1 (mindestens 0,65 kN/m²):

sk=0,19+0,91⋅(h+140760)2s_k = 0{,}19 + 0{,}91 \cdot \left(\frac{h + 140}{760}\right)^2

Zone 1a (mindestens 0,81 kN/m²):

sk=1,25⋅sk, Zone 1s_k = 1{,}25 \cdot s_{k,\,\text{Zone 1}}

Zone 2 (mindestens 0,85 kN/m²):

sk=0,25+1,91⋅(h+140760)2s_k = 0{,}25 + 1{,}91 \cdot \left(\frac{h + 140}{760}\right)^2

Zone 2a (mindestens 1,06 kN/m²):

sk=1,25⋅sk, Zone 2s_k = 1{,}25 \cdot s_{k,\,\text{Zone 2}}

Zone 3 (mindestens 1,10 kN/m²):

sk=0,31+2,91⋅(h+140760)2s_k = 0{,}31 + 2{,}91 \cdot \left(\frac{h + 140}{760}\right)^2

Beispielrechnungen

Standort in Zone 2, ca. 520 m ü. NN:

sk=0,25+1,91⋅(520+140760)2=0,25+1,91⋅0,8682=0,25+1,91⋅0,754=1,69 kN/m2s_k = 0{,}25 + 1{,}91 \cdot \left(\frac{520 + 140}{760}\right)^2 = 0{,}25 + 1{,}91 \cdot 0{,}868^2 = 0{,}25 + 1{,}91 \cdot 0{,}754 = 1{,}69\ \text{kN/m}^2

Standort in Zone 1, ca. 10 m ü. NN:

sk=0,19+0,91⋅(10+140760)2=0,19+0,91⋅0,1972=0,19+0,91⋅0,039=0,23 kN/m2s_k = 0{,}19 + 0{,}91 \cdot \left(\frac{10 + 140}{760}\right)^2 = 0{,}19 + 0{,}91 \cdot 0{,}197^2 = 0{,}19 + 0{,}91 \cdot 0{,}039 = 0{,}23\ \text{kN/m}^2

Das liegt unter dem Mindestwert, maßgebend sind daher 0,65 kN/m².

Garmisch-Partenkirchen (Zone 3, ca. 710 m ü. NN):

sk=0,31+2,91⋅(710+140760)2=0,31+2,91⋅1,1182=0,31+2,91⋅1,251=3,95 kN/m2s_k = 0{,}31 + 2{,}91 \cdot \left(\frac{710 + 140}{760}\right)^2 = 0{,}31 + 2{,}91 \cdot 1{,}118^2 = 0{,}31 + 2{,}91 \cdot 1{,}251 = 3{,}95\ \text{kN/m}^2

Vom Boden aufs Dach: Formbeiwert μ

Die Schneelast auf dem Boden ist nicht identisch mit der Last auf dem Dach. Der Formbeiwert μ\mu berücksichtigt, dass Schnee von geneigten Dächern teilweise abrutscht:

Bei 0 bis 30 Grad Dachneigung: μ=0,8\mu = 0{,}8 (80 % der Bodenlast). Bei 30 bis 60 Grad Dachneigung α\alpha:

μ=0,8⋅60−α30\mu = 0{,}8 \cdot \frac{60 - \alpha}{30}

Über 60 Grad: μ=0\mu = 0 (Schnee rutscht vollständig ab).

Für ein Satteldach mit 40 Grad am Standort in Zone 2 (520 m) ergibt sich:

μ=0,8⋅60−4030=0,533\mu = 0{,}8 \cdot \frac{60 - 40}{30} = 0{,}533

Schneelast auf dem Dach:

s=0,533⋅1,69=0,90 kN/m2s = 0{,}533 \cdot 1{,}69 = 0{,}90\ \text{kN/m}^2

Praxis: Was bedeuten die Werte?

1 kN/m² entspricht etwa 100 kg pro Quadratmeter. Eine Schneelast von 0,90 kN/m² bedeutet also rund 90 kg/m² auf dem Dach. Bei einer Dachfläche von 170 m² sind das rund 15 Tonnen Schnee.

Diese Lasten müssen bei der statischen Berechnung des Dachstuhls berücksichtigt werden. Der Statiker legt die Querschnitte der Sparren, Pfetten und Stiele so aus, dass die Schneelast (zusammen mit Eigengewicht und Windlast) sicher abgetragen wird.

In schneereichen Gebieten kann es sinnvoll sein, steilere Dächer zu bauen (über 45 Grad), damit der Schnee abrutscht. Allerdings muss dann für die Schneefangsysteme gesorgt werden, die verhindern, dass Schnee unkontrolliert auf Wege und Einfahrten fällt.

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