Das Satteldach: Deutschlands beliebteste Dachform
Das Satteldach (auch Giebeldach genannt) ist die mit Abstand haeufigste Dachform in Deutschland. Rund 60 % aller Wohnhaeuser tragen ein Satteldach. Die Gruende liegen in der einfachen Konstruktion, der guten Entwaesserung und der Moeglichkeit, den Dachraum als Wohnraum zu nutzen.
Ein Satteldach besteht aus zwei geneigten Dachflaechen, die sich am First treffen. Die Stirnseiten des Gebaeudes bilden die Giebel -- dreieckige Wandflaechen, die von den Dachflaechen und der Traufkante begrenzt werden.
Welche Neigung ist ideal?
Die optimale Neigung eines Satteldachs haengt von mehreren Faktoren ab: der gewuenschten Dacheindeckung, der regionalen Schneelast, dem geplanten Ausbau des Dachgeschosses und den Vorgaben des Bebauungsplans.
Fuer die Nutzung des Dachgeschosses als Wohnraum sind Neigungen zwischen 35 und 45 Grad ideal. Bei 35 Grad hat ein 10 m breites Gebaeude eine Firsthoehe von 3,50 m ueber der Traufe. Der nutzbare Raum (Stehoehe ueber 2,30 m) betraegt dann ca. 6,40 m Breite. Bei 45 Grad steigt die Firsthoehe auf 5 m, und die nutzbare Breite waechst auf 7,70 m.
In Norddeutschland, wo die Schneelast gering ist, sind Neigungen zwischen 25 und 35 Grad ueblich. In den Alpen und im Alpenvorland werden haeufig steilere Daecher mit 40 bis 50 Grad gebaut, damit der Schnee besser abrutschen kann.
Mindestneigung nach Dacheindeckung
Die Wahl der Dacheindeckung begrenzt die moegliche Neigung nach unten. Tondachziegel benoetigen mindestens 22 Grad, Betondachsteine ebenfalls. Schiefer erfordert 25 Grad. Wer eine flachere Neigung wuenscht, muss auf Metalldaecher (Stehfalz ab 7 Grad) oder Bitumenschindeln (ab 15 Grad) ausweichen.
In der Praxis sollte man 3 bis 5 Grad ueber der Mindestneigung bleiben. Bei Tondachziegeln also mindestens 25 Grad waehlen. Der Grund: Die Mindestneigung gilt fuer ideale Bedingungen. Windrueckstau, Schneeansammlungen in Dachkehlen und Verarbeitungstoleranzen koennen die effektive Sicherheit verringern.
Bebauungsplan und regionale Vorgaben
Viele Bebauungsplaene schreiben eine bestimmte Dachneigung vor oder begrenzen sie. Typische Vorgaben sind Bereiche wie 28 bis 40 Grad oder 35 bis 45 Grad. Die Vorgaben sollen ein einheitliches Ortsbild gewaehrleisten.
Neben der Neigung koennen auch die Traufhoehe, die Firsthoehe und die Dachform vorgeschrieben sein. Manche Gemeinden erlauben nur Satteldaecher, andere lassen auch Walm- oder Pultdaecher zu.
Es lohnt sich, den Bebauungsplan frueh in der Planung zu pruefen. Eine Aenderung der Dachneigung kann weitreichende Konsequenzen haben: Die Sparrenlaenge aendert sich, die Dachflaeche aendert sich, und damit auch die Kosten fuer Material und Arbeit.
Kosten eines Satteldachs nach Neigung
Die Kosten eines Satteldachs steigen mit der Neigung, da steilere Daecher laengere Sparren, mehr Dachflaeche und hoehere Arbeitskosten (Geruest, Sicherung) erfordern. Als Richtwert: Pro 5 Grad mehr Neigung steigen die Dachkosten um etwa 5 bis 8 %.
Ein 10 x 12 m Satteldach mit 30 Grad Neigung hat eine Dachflaeche von ca. 160 m2. Bei 40 Grad steigt die Flaeche auf ca. 180 m2 -- ein Zuwachs von 12,5 %. Bei Tondachziegel-Eindeckung (35 EUR/m2 Durchschnitt) sind das 700 EUR Mehrkosten allein fuer das Material.
Dem gegenueber stehen die Vorteile einer steileren Neigung: mehr nutzbarer Wohnraum im Dachgeschoss, besseres Abrutschen von Schnee und Regen, laengere Lebensdauer der Eindeckung (da weniger Feuchtigkeitsbelastung).
